Volkswagen: Schuss vor den Bug - DER SPIEGEL
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Volkswagen Schuss vor den Bug

Der Wechsel Ferdinand Piëchs an die Spitze des Aufsichtsrats ist perfekt. Er wird dem neuen VW-Chef Bernd Pischetsrieder noch in manch schwerer Stunde zur Seite stehen müssen, denn der der Absatz des Konzerns ist empfindlich eingebrochen.
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Hamburg - Die Zahl der Auslieferungen sei "alles andere als befriedigend", sagte Pischetsrieder auf der Hauptversammlung in Hamburg. Der Absatz des Konzerns war im ersten Quartal 2002 um 6,8 Prozent zurückgefallen. Auch die Tendenz ist Besorgnis erregend: Im März, so die Zahlen des europäischen Automobilverbandes ACEA, verlor VW in Westeuropa mit 13,6 Prozent fast doppelt so viel an Absatz wie der Gesamtmarkt (7,4 Prozent).

Der neue VW-Chef präsentierte sich den Aktionären trotz schlechter Absatzzahlen zuversichtlich und wies auf die Einführung mehrerer neuer Modelle hin. Zudem sei das Unternehmen in den Märkten der Welt gut aufgestellt. "Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir für die nächsten Monate und die Zukunft gut vorbereitet sind", sagte Pischetsrieder, der offiziell von Mittwoch an die VW-Führung übernimmt. Es zahle sich außerdem aus, dass sich der Konzern den Rabattschlachten anderer Hersteller in den USA nicht angeschlossen habe.

Besonders stark betroffen von der Absatzflaute war die Markengruppe mit VW, Skoda und Bentley bei einem Minus von neun Prozent auf 817.000 Autos. Auch die Tochter VW-Nutzfahrzeuge verlor bei einem Absatz von 67.000 Fahrzeugen gegenüber dem Vorjahreszeitraum 8,8 Prozent. Dagegen lieferte die Gruppe mit Audi, Seat und Lamborghini mit 296.000 Fahrzeugen 0,3 Prozent mehr aus. Vom Einbruch in Westeuropa im März wurden laut ACEA alle Marken des Konzerns erfasst.

Pischetsrieder würdigte die Leistung seines Vorgängers an der VW-Spitze, Ferdinand Piëch. Dieser habe das Unternehmen seit 1993 aus einer "Existenzkrise" zum Rekordergebnis des Jahres 2002 geführt. Aktionäre, Aufsichtsrat und Vorstandskollegen applaudierten Piëch lange. Der Österreicher nahm den Applaus einen Tag vor seinem 65. Geburtstag entgegen.

Zum Abschluss der Hauptversammlung wählten die VW-Aktionäre den scheidenden Vorstandsvorsitzenden an die Spitze des Aufsichtsrats. Sie verlängerten außerdem die Mandate von Preussag-Chef Michael Frenzel und des Präsidenten der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, bis 2007. Neben Piëch rückt auch der frühere britische Handelsminister Lord David Simon of Highbury neu in den Aufsichtsrat.

Gegen die Wahl Oetkers hatte es zuvor Einwände von Kleinaktionären gegeben, da die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen ihn wegen Verdachts des Insiderhandels ermittelt.