Weltweiter Abschwung Dax verliert fast vier Prozent
Frankfurt am Main - Extrem schwache Vorgaben aus den USA haben den Dax kräftig ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex rutschte am Freitagnachmittag um mehr als vier Prozent ab. Zeitweise notierte das Börsenbarometer unter 3800 Punkten. Der MDax verlor ebenfalls mehr als zwei Prozent, das gleiche galt für den TecDax .
Experten verwiesen auf die am Freitag bekannt gegebene Teilverstaatlichung der Citigroup in den USA. "Der Teufel steckt im Detail", sagte ein Händler. Neben der Teilverstaatlichung gab die Citigroup erneute Wertberichtigungen von 9,6 Milliarden Dollar bekannt. Der Aktienkurs rutschte bei Handelsbeginn 30 Prozent ins Minus. Auch andere Finanzwerte gerieten in den Abwärtssog. So fiel der Kurs der Bank of America um 14 Prozent. Händler fürchten, dass der Staat nun auch bei anderen US-Banken einsteigen muss.
Hinzu kamen extrem schlechte Wachstumszahlen: Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal 2008 um mehr als sechs Prozent geschrumpft. Der Dow Jones verlor deshalb bereits in den ersten Handelsminuten zwei Prozent, der breiter gefasste S&P-500 verlor sogar etwas mehr. Ein Händler in Deutschland brachte die Stimmung auf den Punkt: "Es gibt einfach keine guten Nachrichten, wir sehen den Dax locker bei 3500 bis 3600 Punkten."
Für die kommende Woche erwarten Beobachter weitere Horrormeldungen. Vor allem die Furcht vor einem wirtschaftlichen Kollaps osteuropäischer Staaten könnte den deutschen Aktienmarkt belasten. "Die Leute sind in Hab-Acht-Stellung", sagt Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. "Sobald von dort neue Hiobsbotschaften kommen, werden die deutschen Finanzwerte unter Druck geraten, auch wenn sie im Vergleich deutlich weniger in der Region engagiert sind als beispielsweise österreichische Institute."
Dem Chef der Osteuropabank, Thomas Mirow, zufolge benötigen die osteuropäischen Institute bis zu 150 Milliarden Dollar zur Rekapitalisierung. Weitere 200 Milliarden Dollar könnten benötigt werden, um einen Bankenzusammenbruch in der Region abzuwehren.
Auch die Experten der Landesbank Berlin blicken pessimistisch in die Zukunft: "Die jüngsten Kursstürze an den Aktienmärkten der Eurozone haben wieder einmal deutlich vor Augen geführt, dass weder in konjunktureller Hinsicht noch mit Blick auf die Finanzkrise Entwarnung gegeben werden kann. Der Druck auf die Aktienkurse dürfte vorerst bestehen bleiben." Erst am Montag war der Dax erstmals seit 2004 unter die Marke von 4000 Punkten gefallen.
Eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte die Märkte indes kaum beeinflussen, da sie bereits erwartet und deshalb in die Aktienkurse eingepreist wurde. An der Börse gilt eine erneute Senkung um 50 Basispunkte als ausgemacht.