WestLB: Neue Anzeichen für Marktmanipulation - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

WestLB Neue Anzeichen für Marktmanipulation

Die Vorwürfe gegen die WestLB werden immer lauter: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Handelsüberwachung der Frankfurter Wertpapierbörse bereits seit fünf Wochen den Verdacht, dass im Eigenhandel der WestLB die Kurse von Volkswagenaktien manipuliert wurden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Bereits am 7. März schickten die Kontrolleure der Bank ein Auskunftsersuchen, wonach das Institut unter anderem erklären sollte, warum am 5. März ein Drittel aller an diesem Tag gehandelten Volkswagenaktien über die Bücher der WestLB liefen. Dabei stellten sie explizit die Frage, ob es „individuelle Absprachen mit anderen Handelsteilnehmern, Unternehmen oder Personen“ gegeben habe. Außerdem wollten sie sämtliche Korrespondenzen und Telefonate im Zusammenhang mit diesen Geschäften offengelegt haben.

Die Ermittlungen der Bankenaufsicht sowie einer internen Task Force haben vergangene Woche ein weiteres verblüffendes Ergebnis geliefert: Das US-Brokerhaus Bear Stearns war in der Schlussauktion der Volkswagenaktien auffallend oft Handelspartner der WestLB – und zwar mit auffallend hohen Volumina, vor allem bei den Vorzugsaktien. Bei Bear Stearns arbeiten einige Ex-Kollegen der beiden fristlos entlassenen WestLB-Mitarbeiter, die diese Geschäfte verantworteten.

Die Bankenaufsicht BaFin hat gestern eine Sonderprüfung angeordnet. Einem Zeitungsbericht zufolge muss sich die WestLB nach den Fehlspekulationen möglicherweise auf Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe einstellen. Sollte sich der Verdacht der Kursmanipulation durch Mitarbeiter des Instituts bestätigen, dürften geschädigte Investoren gegen die Bank klagen, berichtet die "Welt am Sonntag". "Da könnten erhebliche Ansprüche auf die WestLB zukommen", sagte der auf Anlegerklagen spezialisierte Anwalt Klaus Rotter.

Nach Fehlspekulationen mit Stammaktien und Vorzugsaktien von VW entstand der WestLB Finanzkreisen zufolge Ende März ein höherer zweistelliger Millionenverlust. Kurz vor Ostern mussten zwei Mitarbeiter der Handelsabteilung, darunter ein Bereichsleiter, den Hut nehmen, weil ihnen ein Verstoß gegen interne Handelsregeln vorgeworfen wird. Die WestLB schaltete auch die Staatsanwaltschaft ein. Das Landesparlament in Düsseldorf will sich ebenfalls damit beschäftigen.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter kündigte WestLB-Chef Thomas Fischer an, "Strategien und Strukturen" im Eigenhandel zu überprüfen. Mit Material von Reuters