BOTANIK Blühende Geschichte
Sommerastern aus China, Goldlack aus dem östlichen Mittelmeerraum oder Strohblumen aus Australien - was in mitteleuropäischen Gärten blüht, hat oftmals eine weite Reise hinter sich. Die Geschichte der 500 häufigsten Gartenzierpflanzen Mitteleuropas hat nun der Potsdamer Geobotaniker Heinz-Dieter Krausch in dem Nachschlagewerk »Kaiserkron und Päonien rot ...« (Dölling und Galitz Verlag; 536 Seiten; 165 Abbildungen; 49,80 Euro) zusammengetragen. Mehr als zehn Jahre lang recherchierte er in historischen Gartenzeitschriften, Reiseberichten und Florenwerken, wie genau Prachtkrokus, Trompetenwinde oder Pantoffelblume in hiesige Gärten gelangten. Krausch studierte Schriften der Äbtissin Hildegard von Bingen und des Universalgelehrten Albertus Magnus, wertete lateinische Kräuterbücher aus und glich historische Pflanzenbezeichnungen mit heutigen Artnamen ab: »Manchmal kam ich mir vor wie ein Kriminalkommissar.« So erfährt der Leser, wie die erste Kunde von der Existenz des Flieders Mitte des 16. Jahrhunderts nach Frankreich gelangte, oder dass schon Griechen und Römer Lilien in ihren Gärten schätzten. Das Buch zeugt von der Leidenschaft früher Gartenfans fürs Fremde. Adlige hätten Pflanzenjäger in der Renaissance in alle Welt ausgesandt, um ihre Gärten zu bereichern. Krausch: »Mindestens 90 Prozent der heutigen Gartenpflanzen stammen aus dem Ausland.«