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Kaiser, Basu, Bruhns
Foto: CHRISTIAN BURKERT / SPIEGEL WISSENDie geheimnisvolle Krankheit Depression ist durch den Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke wie nie zuvor ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Tatsächlich sind verschiedene Formen der Seelennot weitverbreitet, Millionen Deutsche leiden unter Niedergeschlagenheit und innerer Leere. Für das, was die Menschen quält, haben Ärzte und Psychologen eine ganze Reihe von Bezeichnungen, sie sprechen von Burnout-Syndrom, affektiver Störung oder Neurasthenie. Es sind Diagnosen, die oft schwer voneinander abzugrenzen sind und eines gemeinsam haben: Auslöser der Erkrankung ist häufig Stress - eine Belastung, die in der beschleunigten, vernetzten Welt wohl weiter zunehmen wird. Die Weltgesundheitsorganisation sieht in beruflichem Stress »eine der größten Gefahren des 21 Jahrhunderts«. Wann aber beginnt der Stress, uns krank zu machen? Was bringt Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht? SPIEGEL-Redakteure haben mit Betroffenen gesprochen und stellen die neuesten Erkenntnisse von Neurowissenschaftlern, Psychotherapeuten, Ärzten und Burnout-Experten vor. Aufklären und enttabuisieren will Florian Holsboer, einer der weltweit führenden Depressionsforscher. Im Gespräch mit den Redakteuren Angela Gatterburg und Dietmar Pieper nennt er Depression »die menschlichste Krankheit, die man sich vorstellen kann« (Seite 18).
In der Arbeitswelt, wo viele hochmotivierte Mitarbeiter unter seelischen Druck geraten, recherchierte Redakteur Jochen Brenner. Da psychische Krankheiten erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen, wollen immer mehr Firmen rechtzeitig gegensteuern, »mit verblüffenden und höchst unterschiedlichen Methoden«, so Brenners Fazit (Seite 68). Besonders häufig rutschen Menschen aus helfenden Berufen in die Erschöpfung - woran das liegt, hat SPIEGEL-Mitarbeiter Felix Zeltner erkundet. In der psychosomatischen Klinik Roseneck am Chiemsee traf Zeltner eine Altenpflegerin, die aufgrund ihres Burnouts gelähmt ist. »Ein Extremfall«, sagt Zeltner, »der aber zeigt, wie weit fehlende Abgrenzung und hoher Arbeitsethos in helfenden Berufen führen können« (Seite 78).
Die Insel der Glückseligen gibt es nicht, klärte die Ethnologin Helene Basu das SPIEGEL-Team Simone Kaiser und Annette Bruhns auf. Krankhafte Traurigkeit komme in allen Kulturen vor. Im Umgang damit unterscheiden sie sich aber: In Indien gilt eine Frau mit postpartaler Depression schon mal als von Geistern besessen. Sie wird dann im Tempel kuriert ( Seite 120).