INTERNET »Leichtfertige Casino-Konzession«
SPIEGEL: Ab Juli soll sich unter der Internet-Adresse www.spielbankhamburg.de ein virtuelles Rouletterad drehen. Was haben Sie daran auszusetzen?
Meyer: Der Senat von Hamburg hat die Konzession leichtfertig vergeben, ohne den Spielerschutz zu verankern. Online-Glücksspiele bergen ein hohes Suchtpotenzial: Die Zocker sitzen anonym zu Hause im Wohnzimmer, die Abrechnung läuft einfach über die Kreditkarte, was zu höheren Einsätzen verleitet und den Kontrollverlust fördert. Auch in anderen Bundesländern stehen die Casinobetreiber schon in den Startlöchern.
SPIEGEL: Funktioniert die soziale Kontrolle im herkömmlichen Casino denn wirklich besser?
Meyer: Seit Jahren führen wir Schulungen für Casinomitarbeiter durch, um Erkennungsmerkmale zu vermitteln: Süchtige Spieler sind oft stark erregt, sie jagen ihren Verlusten hinterher und steigern bei Pechsträhnen die Einsätze immer weiter. Und sie führen Gewinne auf eigene Fähigkeiten zurück, Verluste dagegen lasten sie den Croupiers an. Im Internet dagegen lassen sich süchtige Spieler nicht so leicht identifizieren, da braucht man andere Methoden.
SPIEGEL: Wie können Spieler im Internet geschützt werden?
Meyer: Der Vorteil von Online-Casinos besteht darin, dass sich der Spielverlauf genau registrieren lässt. Entsprechende Software könnte Einsätze, Gewinne und Verluste überwachen und automatisch Alarm schlagen, wenn ein Kunde sich auffällig verhält. Ähnliches wird derzeit in Holland geplant. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Staat die drohende Suchtgefahr von Online-Casinos überhaupt erkennt und ernst nimmt.