Antibiotisch Schwitzen tötet schädliche Keime
Kräftige Schweißausbrüche schützen womöglich gegen Infektionen: In der Körperflüssigkeit findet sich ein natürliches Antibiotikum, haben Forscher der Universität Tübingen herausgefunden. Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Immunology" berichten, besitzt das von ihnen entdeckte Protein Dermcidin eine Breitbandwirkung gegen Mikroben.
Das Team um die Dermatologin Birgit Schittek hatte eigentlich nach Proteinen gesucht, die an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt sind. Doch die Forscher stießen auf ein Gen, das ein so genanntes antibakterielles Peptid kodiert. Der Dermicidin genannte Wirkstoff wird, so die Forscher, von den Schweißdrüsen abgesondert und zusammen mit der Körperflüssigkeit über die Haut verteilt.
Wie Schittek und ihre Kollegen nachwiesen, bekämpft das Dermcidin Keime wie zum Beispiel das Darmbakterium Escherichia coli oder das Eiterbakterium Staphylococcus aureus. Auch gegen Pilze wie Candida albicans wirkt das Peptid. Der ungeliebte Schweißfilm könnte daher eine erste Verteidigungslinie gegen gefährliche Erreger darstellen.
Wie Dermcidin die Keime bekämpft, ist allerdings noch unklar. Ähnliche Moleküle finden sich zum Beispiel im Mund, dem Verdauungstrakt und den Lungen, erklärte Tomas Ganz von der University of California in Los Angeles gegenüber der Online-Ausgabe von "Nature". Dermcidin "folgt jedoch nicht den Regeln", so der Experte für antibakterielles Peptide.
Andere Peptide sind positiv geladen und können so Löcher in die Außenhaut von Bakterien reißen. Für das negativ geladene Dermcidin dürfte diese Methode jedoch nicht in Frage kommen. Wenn die Wirkungsweise des Moleküls entschlüsselt ist, ließe sich möglicherweise die Schutzfunktion der Haut noch verstärken, hoffen Schittek und ihre Kollegen.