Atem-Analyse: Elektronische Nase erschnüffelt Lungenkrebs - DER SPIEGEL
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Atem-Analyse Elektronische Nase erschnüffelt Lungenkrebs

Italienische Forscher haben eine elektronische Nase entwickelt, die Lungenkrebspatienten am Atem erkennen kann. Eines Tages soll der Sensor eine schnelle und unkomplizierte Früherkennung ermöglichen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lungenkrebs schon im Frühstadium in der Atemluft nachzuweisen - ein an der Universität von Rom entwickeltes Gerät soll das möglich machen. Die aus acht verschiedenen Sensoren bestehende elektronische Nase kann eine charakteristische Mischung aus Alkanen und Benzol-Derivaten erkennen, die im Atem von Lungenkrebspatienten enthalten ist, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner aktuellen Ausgabe.

Bei einem Test in Rom mit 60 Teilnehmern, von denen 35 auf eine Operation zur Entfernung eines großen Lungentumors warteten, konnte die Nase dem Bericht zufolge jeden Krebspatienten richtig erkennen - bei einer Untersuchungsdauer von etwas mehr als einer Minute. Bislang müssen Ärzte zur Lungenkrebsdiagnose ein so genanntes Bronchoskop benutzen, das in die Lungen eingeführt wird. Gegebenenfalls wird dabei auch eine Gewebeprobe entnommen.

Elektronische Nasen werden bereits in der Lebensmittelindustrie zur Qualitätskontrolle eingesetzt. Die Sensoren dieser Geräte bestehen aus Quartzkristall mit einer speziellen Beschichtung, die flüchtige organische Moleküle bindet. Abhängig vom Molekülgewicht verändern diese Stoffe die natürliche Schwingungsfrequenz des Kristalls, so dass sich daraus die Zusammensetzung des Gases ermitteln lässt.

Warum Lungenkrebspatienten den speziellen Chemikalien-Cocktail ausatmen, ist noch ungeklärt. Die Erfinder der "E-Nose" um den Elektronikexperten Carrado Di Natale hoffen aber, anhand dieser Stoffe auch Krebs im Frühstadium nachweisen zu können. Indem sie die Empfindlichkeit der Spürnase weiter erhöhen, wollen sie einen einfachen Atemtest entwickeln, mit dem in Zukunft Raucher und andere Risikogruppen routinemäßig untersucht werden könnten.

Einige Krebsexperten sind jedoch skeptisch. "Geruch ist sehr wichtig bei der Erkennung von Krankheiten", meint etwa Richard Sullivan von der britischen Krebsforschungsorganisation Cancer Research UK. "Aber diese Studie ist viel zu klein, um irgendeine Bedeutung zu haben." Zudem, so der Experte, könnte selbst eine extrem empfindliche elektronische Nase nur Tumore an der Lungenoberfläche erkennen - deshalb wäre sie niemals ein Ersatz für herkömmliche Diagnoseverfahren.