Challenger Die Unglücksfähre
Challenger - der Name steht für die größte Katastrophe in der Geschichte der bemannten Raumfahrt. Die Explosion der Raumfähre 73 Sekunden nach ihrem Start am 28. Januar 1986 riss alle sieben Astronauten in den Tod - und stürzte die US-Weltraumbehörde Nasa in eine tiefe Krise.
Kaum hatte sich das Space-Shuttle-Programm eingespielt, kaum hatte die amerikanische Nation begonnen, sich im Erfolg der Nasa zu sonnen, kam der große Rückschlag. Dabei war die zehnte und letzte Challenger-Mission von Anfang an von Pannen begleitet: Der ursprünglich für den 22. Januar geplante Start musste zunächst um zwei Tage verschoben worden, da sich bereits die Vorgängermission erheblich verzögert hatte.
Anschließend sorgten schlechtes Wetter im für eine eventuelle Notlandung vorgesehenen Dakar, Probleme mit einer Luke und Wetterkapriolen in Cape Canaveral für weitere Verschiebungen. Noch zwei Stunden vor dem endgültigen Start bereitete ein defektes Computermodul den Nasa-Technikern Kopfzerbrechen.
Die Katastrophe deutete sich an: Bereits 0,678 Sekunden nach dem Abheben des Shuttles ist auf Fernsehbildern eine graue Rauchwolke am hinteren Rumpf der Challenger zu sehen. Wie sich später herausstellte, funktionierte eine Dichtung an der rechten Feststoffrakete nicht richtig. Das Wetter - das Challenger-Desaster sollte als kältester Shuttle-Start aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen - trug mit zur Katastrophe bei.
Benannt nach einem britischen Schiff, das um 1870 Atlantik und Pazifik durchquerte, war die Challenger zunächst nur als Testobjekt geplant: Das auf Gewichtsersparnis ausgelegte Gerüst des Orbiters wurde elf Monate lang intensiven Vibration ausgesetzt, wie sie bei Start oder Landung entsehen können.
Vertraglich hatte die Nasa der Herstellerfirma Rockwell zugesichert, zwei richtige Raumfähren bauen zu lassen. Während die Columbia als erstes Shuttle auch tatsächlich ins All abhob, sollte der Ur-Orbiter Enterprise für immer am Boden bleiben: Die Challenger, deren Wurzeln bereits bis ins Jahr 1975 zurückreichen, bekam eine zweite Chance.
Der Umbau vom Versuchsobjekt zur Raumfähre dauerte fast drei Jahre. Im Juni 1982 verließ die Challenger voll flugtauglich die Werft in Palmdale, zehn Monate später, am 4. April 1983, startete sie zu ihrem Jungfernflug. Bei neun Flügen umkreiste die Raumfähre 987 Mal die Erde und verbrachte über 69 Tage im All.
Zunächst hauptsächlich als Transporter für Satelliten benutzt, brachte die Challenger nicht nur die erste Amerikanerin, sondern später auch dreimal das Weltraumlabor Spacelab ins All - zuletzt die D1-Mission mit den deutschen Astronauten Ernst Messerschmid und Reinhard Furrer. Der folgende Flug sollte ihr letzter sein.
Die Daten:
- Interner Name: STA-099/OV-099
- Leergewicht: 70.488 Kilogramm
- Mit Haupttriebwerken: 79.429 Kilogramm
- Länge: 37.19 Meter
- Spannweite: 23,77 Meter
Alexander Stirn