Depressions-Studie Wirkt Johanniskraut doch nicht?
Gegen Schwermut ist möglicherweise doch kein Kraut gewachsen. Vielen gilt der Extrakt aus Johanniskraut als Mittel gegen die trübe Stimmung, doch US-Forscher bezweifeln nun diese Wirkung. Die Pflanze sei bei der Bekämpfung einer verbreiteten, mittelschweren Depressionsform nicht effektiver als Scheinpräparate, berichten die Wissenschaftler im "Journal of the American Medical Association".
Das Team um Jonathan Davidson vom Duke University Medical Center im US-Bundesstaat North Carolina hat nach eigenen Angaben die bislang umfangreichste klinische Untersuchung zur Wirksamkeit von Johanniskraut vorgenommen. Die Forscher beobachteten dazu 340 Freiwillige, die an einer so genannten majoren Depression mäßiger Schwere litten.
Über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten verglichen die Mediziner die Auswirkungen eines Johanniskraut-Extraktes mit denen des Antidepressivums Sertralin und eines Scheinpräparats. Während einer ersten Phase von acht Wochen waren, so die Forscher, weder die pflanzliche Substanz noch Sertralin effektiver als das Placebo. Erst auf längere Sicht habe sich nur das synthetische Mittel als wirksamer erwiesen.
"Depressionen sind zwar behandelbar", erklärte Davidson, "doch diese Studie deutet darauf hin, dass sie zumindest ab einer mittleren Schwere nicht mit Johanniskraut therapiert werden sollten." Weil das pflanzliche Präparat frei erhältlich ist, besteht nach Ansicht der Forscher die Gefahr, dass viele depressive Patienten sich selbst behandeln, statt einen Arzt aufzusuchen. "Die Kranken spielen Russisches Roulette mit ihrer Gesundheit", warnte Co-Autor Robert Califf.
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Der Wissenschaftler verweist auf Untersuchungen, nach denen das Naturheilmittel keineswegs harmlos für den Körper sei. "Mehrere Studien haben gezeigt", so Califf, "dass bei der Anwendung von Johanniskraut gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten, die gegen Aids, gewisse Herzkrankheiten und sogar zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingesetzt werden."
Befürworter des Johanniskrauts führen dagegen Arbeiten an, denen zufolge das Pflanzenextrakt bei mittelschweren Depressionen ähnlich wirksam ist wie herkömmliche Antidepressiva. Und selbst für Skeptiker wie den Mediziner Philip Cowen von der University of Oxford ist wenigstens eine Frage noch unbeantwortet: "Ob Johanniskraut nicht doch leichte Depressionen lindert, bleibt weiterhin offen", sagte der Forscher gegenüber "BBC News Online".