Finsternis Schattenspiele auf dem Mond
Flash: Wenn die Erde den Mond verdunkelt
Die Mondfinsternis, ein gigantisches Schattenspiel im Weltall, soll nach Berechnungen von Astronomen mehr als vier Stunden dauern. Sie beginnt am Osthimmel in etwa 30 Grad Höhe und wird im Südosten bei circa 60 Grad Höhe enden. Die spannende Phase liegt zwischen 19.42 und 23.00 Uhr, wenn Sonne, Erde und Mond sich nahezu auf einer Linie befinden und der Mond durch den so genannten Kernschatten der Erde wandert.
Das Ereignis kann nicht nur in ganz Europa, sondern von allen Orten der Erde aus beobachtet werden, die den Mond gerade über dem Horizont sehen, im günstigsten Falle also von mehr als der Hälfte der Erdkugel aus. Doch für alle Beobachter gilt: Nur bei wolkenfreiem Blick zum Himmel lässt sich das Spektakel ungetrübt genießen.
Meteorologen sagen allerdings nur für den Westen und Süden der Republik gute Chancen voraus, die Finsternis beobachten zu können. Dort dürfte der Himmel - bei kalten Temperaturen - am klarsten sein. Größere Auflockerungen könnte es unter Umständen auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geben, während sich der Mond im Nordosten und der Mitte Deutschlands wohl hinter dichten Wolken verstecken wird.
Sternguckern, die am Dienstagabend die Mondfinsternis beobachten wollen, rät das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), einen dunklen Standpunkt zu wählen, der einen freien, von Umgebungslichtern und Gebäuden ungetrübten Blick Richtung Osten ermöglicht.
Die eigentliche Mondfinsternis begann bereits um 18.43 Uhr, als der Mond in den Halbschatten der Erde eintrat. Doch zu diesem Zeitpunkt war wie erwartet kaum eine Helligkeitsabnahme auf dem Erdbegleiter zu bemerken.
Die totale Phase fängt schließlich um 20.50 Uhr an. Sie dauert exakt 62 Minuten. Allerdings wird der Erdtrabant nicht vollständig unsichtbar, sondern erscheint vielmehr in einem kupferfarbenen Licht.
Wissenschaftler rechnen diesmal mit einem besonders eindrucksvollen Farbenschauspiel. Mondfinsternisse in den letzten Jahren seien stets getrübt gewesen von atmosphärischem Staub, der beim Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen hochgeschleudert worden sei. Da diese Katastrophe mittlerweile fast zehn Jahre zurückliege, dürfte die Luft nun wesentlich klarer sein.
Der Erdbegleiter wird während der bevorstehenden Finsternis relativ groß erscheinen, weil er zu diesem Zeitpunkt besonders nahe an der Erde ist. Am darauffolgenden Tag gegen 10 Uhr wird der Mond den erdnächsten Punkt seiner Bahn, das so genannte Perigäum, erreicht haben und dann noch 357.130 Kilometer entfernt sein.
Obwohl Mondfinsternisse seit der Antike beobachtet werden, nutzen Planetenforscher diese Ereignisse auch heute noch für wissenschaftliche Untersuchungen: Von Interesse ist der so genannte "Oppositionseffekt", der noch nicht völlig verstanden ist. Er ist zu beobachten, wenn unmittelbar vor und nach einer Mondfinsternis die Sonne fast exakt im Rücken des Beobachters steht. Bei solch einer annähernden Geraden Mond - Beobachter- Sonne steigt die scheinbare Helligkeit der Mondoberfläche überraschend stark an.
Einen weiteren interessanten Aspekt bieten die Schattenspiele im Weltall für die Untersuchung der Oberflächenbeschaffenheit von Himmelskörpern. Infrarotmessungen zeigen, dass die Mondoberfläche während der Finsternis überraschend schnell abkühlt. Schon früh wurde daraus gefolgert, dass die Mondoberfläche nicht aus massivem Fels bestehen kann, sondern mit einer mächtigen Staubschicht bedeckt sein muss.