Hemdsärmelig Das moderne Hemd denkt mit
Welcher Mann kennt es nicht? Hochgekrempelte Hemdsärmel sehen vielleicht sportiv aus und vermitteln einen gewissen Kämpfergeist, sie hinterlassen aber - nach getaner Arbeit - schlimme Falten in den Ärmeln. Mehr noch: Die vollmundige Ankündigung "bügelfrei", die beim Kauf auf der Verpackung lockte, erweist sich in der Regel auch als unhaltbar. Was also tun?
Ein italienischer Modemacher hat sich nun des Problems angenommen: Sein "schlaues" Hemd denkt mit. Sobald es zu warm wird, verkürzen sich die Hemdsärmel ganz von selbst. Das Resultat: keine Falten mehr und auch kein Schweiß. Aber das Kleidungsstück hat angeblich noch eine weitere hilfreiche Eigenschaft: Es muss nie gebügelt werden. Das mussten die eisernen Kettenhemden im Mittelalter freilich auch nicht, und an denen scheint sich der Designer orientiert zu haben.
Wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner neuesten Ausgabe berichtet, besteht das Gewebe des Herrenhemdes nämlich aus einer metallischen Legierung, genannt Nitinol, die in einen Nylon-Stoff eingewebt wurde. Durch diesen Trick kann der Stoff beliebig zerknittert werden, um ab einer bestimmten Temperatur doch wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen.
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"Das Gewebe des Ärmels ist so programmiert, dass es sich zusammenzieht, sobald die Raumtemperatur um einige Grad steigt", sagt Susan Clowes, Sprecherin der Firma Corpo Nove. Die Nickel-Titan-Legierung sorge auch dafür, dass ein zerknittertes oder gefaltetes Hemd mit dem Fön wieder geglättet werden kann. Das Hemd könne sogar, eine bestimmte Körpertemperatur vorausgesetzt, beim Tragen 'gebügelt' werden, so Clowes. "Es ist der Traum jedes Reisenden."
Wie "New Scientist" weiter berichtet, besteht der neuartige Hemdenstoff nicht nur aus Memory-Metall, sondern vor allem aus Nylonfäden. Deshalb könne das Kleidungsstück normal gewaschen werden. Über eine etwaige Geruchsbelästigung durch Nylonhemden schweigt sich der Hersteller allerdings aus.
Mode-Trendsetter, die das angeblich "intelligente" Herrenhemd kaufen wollen, müssen sich noch etwas gedulden - und vor allem ein größeres Budget einplanen. Bislang existiert nur ein Prototyp, dessen Herstellung allein rund 8000 Mark gekostet hat.
Auch die Farbwahl ist derzeit noch etwas eingeschränkt: Interessenten sollte eine Vorliebe für metallisches Grau mitbringen. Es besteht allerdings Hoffnung. Bei bestimmter Beleuchtung schimmert das Hemd, wie Clowes gerne betont, in einem "ausgeprägten Bronzeton".