Insekten-Penis Mit dem zweiten sticht man besser
Sexunfälle sind in der zerbrechlichen Welt der Ohrenkneifer offensichtlich nichts Ungewöhnliches. Doch was normalerweise in fortwährender Unfruchtbarkeit endet, gehört bei den agilen Tierchen möglicherweise zur Fortpflanzungsstrategie. Bricht der Penis beim Geschlechtsverkehr ab, ziehen die Ohrenkneifer einfach ein Ersatzorgan aus der Tasche.
Bislang waren Forscher, wie das britische Fachmagazin "Nature" in seiner Onlineausgabe berichtet, davon ausgegangen, das zweite Glied der Tiere sei für den Geschlechtsakt nicht zu gebrauchen, da es in die verkehrte Richtung zeigt.
Doch ein Team um Yoshitaka Kamimura von der Tokioter Metropolitan University wollte sich mit derartigen Vermutungen nicht zufrieden geben. Die Forscher betrachteten den Geschlechtsverkehr der Gattung Euborellia plebeja, einer besonders reichhaltig ausgestatteten Ohrenkneiferart, aus der Nähe und griffen nach eineinhalb Minuten sogar selbst ein: ein kleiner Klaps zur rechten Zeit auf den Rücken, und der Penis brach ab.
-
3 Min
-
2 Min
Die Tiere ließen sich davon wenig beeindrucken. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift "Naturwissenschaften" berichten, vergnügten sie sich bereits zwei Tage später mit anderen Weibchen. Erfolgreich, wie Untersuchungen unter dem Mikroskop später zeigten. Auch offenbarten sich kaum Unterschiede, ob der Ohrenkneifer beim ersten Mal mit dem vorderen oder hinteren Penis zu Werke ging.
Offensichtlich kommen derartige Unfälle auch in der Natur vor. Feldstudien von Kamimura und Kollegen zeigten, dass in der Wildnis sowohl gehandicapte Männchen als auch Weibchen existieren, die die Überreste eines allzu heftigen Geschlechtsaktes in sich tragen.
Forscher vermuten, dass dahinter - evolutionäre - Berechnung steckt. Möglicherweise brechen die männlichen Ohrenkneifer ihr bestes Stück mit Absicht ab. Auf diese Weise können sie verhindern, dass ein Rivale beim selben Weibchen auch noch zum Zuge kommt. Ein zweites Mal angewandt, könnte die Taktik allerdings fatale Folgen haben.