Medizin-Nobelpreis Drei Gehirnforscher geehrt
Für ihre Arbeiten zur Signalübertragung im Gehirn werden der in Wien geborene US-Amerikaner Eric Kandel, sein Landsmann Paul Greengard und der Schwede Arvid Carlsson ausgezeichnet. Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. "Der gemeinsame Nenner ist die Signalübertragung. Dabei haben die drei sehr grundlegende Arbeiten geleistet", erklärte ein Sprecher des Preiskomitees zu der Entscheidung.
"Die Entdeckungen waren entscheidend für das Verständnis der normalen Hirnfunktionen und wie Störungen dieser Signalübertragung neurologische und psychische Krankheiten verursachen können. Diese Erkenntnisse haben dann zur Entwicklung neuer Arzneimittel geführt", erklärte das Preiskomitee vom Karolinska-Institut.
Der 77-jährige Schwede Arvid Carlsson von der Universität Göteborg schuf die Grundlage für wichtige Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit. Er entdeckte die Bedeutung des Signalstoffes Dopamin im Gehirn und seine Rolle für Muskelbewegungen. Mit diesem Wissen wurde L-Dopa entwickelt, das immer noch der wichtigste Arzneistoff gegen Parkinson ist.
Paul Greengard, 74, hat das Verständnis über die Wirkungsweise verschiedener Arzneien erweitert, schreibt die Nobelpreis-Jury. Der Wissenschaftler von der Rockefeller Universität in New York untersuchte die Wirkung von Dopamin und anderen Signalstoffen im Nervensystem.
Die Arbeiten Greengards haben große Bedeutung für den dritten Preisträger, Eric Kandel, 70, von der Columbia University in New York. Er forscht an wichtigen Funktionen des Lern- und Erinnerungsvermögens und nutzte dazu zunächst die Meeresschnecke Aplysia. Sie hat nur 20.000 Nervenzellen, im Gegensatz zu den Menschen, der im Hirn mehr als 100 Milliarden Nervenzellen hat. Kurz- und Langzeitgedächtnis hingen mit den Synapsen zusammen, den Endungen der Nervenzellen. Die Erinnerung sei sozusagen in den Synapsen lokalisiert. Die Forschung könnte vor allem für Menschen mit Gedächtnisverlust von Bedeutung sein.
"Das ist ein wunderbares Trio und hervorragend ausgesucht", sagte Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main zur Auswahl der drei Preisträger. Der Medizinnobelpreis ist in diesem Jahr mit insgesamt neun Millionen Kronen (2,1 Millionen Mark) dotiert.