Mordfall Ötzi: War der Täter ein Stammesgenosse? - DER SPIEGEL
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Mordfall Ötzi War der Täter ein Stammesgenosse?

Bei der Fahndung nach Ötzis Mörder haben Forscher den Täterkreis eingeengt. Die Pfeilspitze im Rücken der Mumie lässt vermuten, dass "Frozen Fritz" seinen Verfolger gekannt hat.
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Die Gewalttat ereignete sich vor 5300 Jahren am Similaun: Ein Pfeil schwirrte von hinten heran und blieb Ötzi in der linken Schulter stecken. Auch ein verzweifelter Nahkampf könnte sich in der eisigen Umgebung abgespielt haben. Eine Schnittwunde an der rechten Mumienhand deutet auf eine instinktive Abwehrbewegung hin.

All das weiß mittlerweile die Ötziforschung. Eine Frage jedoch lässt die Experten nicht los: Wer war der Täter, der den Steinzeitkraxler kaltblütig niederstreckte? Nach einigen Jahrtausenden verläuft die Fahndung zwar eher schleppend. Dennoch wollen Wissenschaftler jetzt neue Anhaltspunkte gefunden haben.

Annaluisa Pedrotti von der Università di Trento hat Aufnahmen der Pfeilspitze untersucht, die im letzten Jahr in der Gletscherleiche entdeckt worden war. Der Verdacht der Archäologin, die ihre Resultate am Donnerstag auf einer Konferenz der University of Bristol präsentierte, richtet sich gegen die Stammesgenossen von "Frozen Fritz".

"Die Pfeilspitze, die in Ötzis Körper entdeckt wurde, hat eine ganz besondere Form", zitierte "BBC News Online" die Forscherin. "Sie kommt nur in den südlichen Alpen und in Norditalien vor." In den nördlichen Alpen gefundene Steinspitzen wären dagegen auf deutlich andere Weise bearbeitet, so die Expertin.

"Das bedeutet, dass der Schuldige südlich der Alpen lebte und wahrscheinlich sogar einer von Ötzis eigenen Leuten war", folgert Pedrotti. Ihre Anschuldigung stützt die Wissenschaftlerin auf frühere Forschungen, wonach der 1991 entdeckte "Urtiroler" selbst aus dem Süden stammt und vor seinem Tod durch das Schnalstal ins Hochgebirge aufgestiegen war.

Allerdings bleiben, so Pedrotti, noch viele Fragen offen: "War die vom Pfeil hervorgerufene Wunde tödlich? Konnte Ötzi den Schaft selbst herausziehen? Ist es möglich, dass sich Teile davon noch im Körper befinden?" Antworten erhofft sich die Archäologin von einer geplanten Operation, bei der die Spitze aus der Mumie geborgen werden soll.