Partnerwahl: Manche mögen's anders - DER SPIEGEL
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Partnerwahl Manche mögen's anders

Einige Fischweibchen verweigern sich auf der Suche nach einem Männchen hartnäckig dem geltenden Schönheitsideal, so eine Untersuchung. Doch auch Menschen suchen bei ihrem Partner nach ganz individuellen Reizen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Balz bei Tieren ist ein wahrer Jahrmarkt der Eitelkeiten. Pfaue fächern mit lautem Rasseln ihr prächtiges Gefieder zu imposanter Größe auf, um Weibchen zu beeindrucken. Hirsche tragen ihr mächtiges Geweih zur Schau, um sich als bestmöglicher Partner für die Paarung zu präsentieren. Dabei halten Tiere der gleichen Art stets auch die gleichen Merkmale als besonders geeignet für die Partnerwahl. Dachte man bisher. Doch eine Untersuchung des Evolutionsbiologen Rob Brooks von der University of New South Wales in Sydney zeigt, dass manche Exemplare einen ganz eigenen Geschmack an den Tag legen.

Zusammen mit seinem Kollegen John Endler von der James Cook University in Townsville untersuchte Brooks, nach welchen Kriterien sich weibliche Guppy-Fische ihre Männchen zur Paarung aussuchen. Der Großteil der weiblichen Fische stand vor allem auf Männchen mit hellen, orangen Punkten. Einige ihrer Artgenossinnen konnten damit aber überhaupt nichts anfangen: Ihre Wahl fiel Guppy-Männchen, die eigentlich als hässlich und für eine Paarung unattraktiv gelten müssten. Statt oranger Flecken trugen diese schwarze Markierungen - und waren im Teich trotzdem begehrt.

"Das ist ein schönes Resultat", kommentierte der Evolutionsexperte Raoul Mulder gegenüber dem Fachblatt "New Scientist". "Es erklärt, wieso in manchen Guppy-Populationen sehr seltene Farbmuster äußerst beständig sind." Bisherige Untersuchungen, so Rob Brooks, hätten die speziellen Vorlieben bei der Partnerwahl nicht erkannt, weil sie nur das durchschnittliche Paarungsverhalten dokumentiert hätten. Doch die Partnerwahl sei nun einmal eine ganz individuelle Angelegenheit, sagte der Wissenschaftler. Was der einen gefalle, müsse die Nächste nicht auch gleich mögen.

Auch der Mensch wähle sich seine potenziellen Partner nach ganz speziellen Vorlieben aus, so Brooks. Frauen verlassen sich bei ihrer Partnerwahl nicht nur auf ihre Augen, sondern auch auf die Nase. Sie hoffen nämlich, ein besonderes Eiweiß des Immunsystems, so genannte MHC-Moleküle, zu erschnuppern. Je unterschiedlicher die Anlagen der Eltern für dieses Eiweiß sind, desto besser sind die Kinder gegen Krankheiten geschützt.

Die MHC-Ausstattung erkennt man am Körpergeruch. Deshalb bevorzugten Frauen Männer, deren Geruch signalisiert, dass sie die komplementären Anlagen für ein möglichst wehrhaftes Immunsystem in sich tragen. Kinder solche Paare hätten dann die optimale MHC-Kombination und seien deshalb gesünder.