Raketenabwehr Boeing testet fliegendes Lichtschwert
Das Konzept des "Airborne Laser" könnte aus der Feder eines Hollywood-Drehbuchschreibers stammen: Ein umgebauter Jumbojet patrouilliert vor der Küste Nordkoreas. Plötzlich meldet das eingebaute Überwachungssystem einen Raketenstart vom Festland - fliegt da etwa eine Atomrakete Richtung Amerika?
Nach der Vorstellung der US-Generäle würde nun das Lichtschwert in Aktion treten - ein mächtiger Sauerstoff-Jod-Laser. Er wird auf die startende Rakete gerichtet, die immerhin 400 Kilometer entfernt vom Flugzeug in den Himmel steigt. Die gewaltige, in dem Strahl konzentrierte Energie zerstört die Rakete, lange bevor sie ihre Maximalgeschwindigkeiten erreicht hat.
Ein US-General hat das Projekt bereits mit "Star Wars" verglichen - und dem Kampf gegen das Böse. Ob der "Airborne Laser" aber eines Tages tatsächlich so funktioniert, wie es sich die Militärs vorstellen, kann heute noch niemand sagen. Immerhin vermeldet Boeing nun einen erfolgreichen Test der Laserzieleinrichtung.
Laserschwert noch ohne mächtigen Laser
Bereits am 23. August sei die umgebaute Boeing 747-400F von der Edwards Air Force Base in Kalifornien gestartet und habe mit ihren Infrarotsensoren ein Ziel erfasst, das an einem anderen Testflugzeug befestigt war. Daraufhin sei das Ziel von dem Lasersteuersystem kontuinierlich verfolgt worden. Zwei herkömmliche Festkörperlaser hätten auf das Ziel "gefeuert", wie es in der Pressemiteilung heißt, und Messungen der Atmosphäre vorgenommen.
Eine zerstörerische Wirkung konnten die beiden Markierungslaser freilich nicht entfalten, dazu waren sie schlicht zu schwach. Der mächtige Sauerstoff-Jod-Laser soll nun als nächstes in das Flugzeug eingebaut werden. Wegen seines enormen Energiebedarfs musste der "Airborne Laser" in einen Jumbo-Jet eingebaut werden, denn nur ein solches Großflugzeug kann die tonnenschwere Apparatur nebst der gewaltigen Chemikalienmenge in die Luft bringen, aus der der Laser seine Energie bezieht.
"Der Abschluss der Flugtests mit dem Niedrigenergie-System ist ein Meilenstein für das 'Airborne Laser'-Team", sagte Pat Shanahan, von Boeing Missile Defense Systems. Die Tests hätten demonstriert, dass das System eine Rakete bekämpfen könne. "Wir können nun den Hochenergielaser in das Flugzeug einbauen und Tests vorbereiten, in denen ballistische Raketen während des Fluges abgefangen werden." Ein erster solcher Test ist nach Boeing-Angaben für 2009 geplant. Der Sauerstoff-Jod-Laser habe ein aufwendiges Testprogramm am Boden bereits absolviert.
Zweifel an der Technik
Ob das Konzept überhaupt funktionieren kann, ist durchaus umstritten - denn der Abschuss feindlicher Interkontinentalraketen in deren Startphase gilt als schwierig, wenn nicht gar unmöglich.
In der Startphase ist die Rakete am verwundbarsten, da sie vergleichsweise langsam fliegt und leicht zu orten ist. Die Triebwerke einer ballistischen Interkontinentalrakete brennen aber nach dem Start nur drei bis vier Minuten lang, ehe das Geschoss im freien Fall auf sein Ziel zurast. Bei fortschrittlicheren Feststoffraketen verkürzt sich das Zeitfenster auf rund 170 Sekunden.
Ein Flugzeug, das eine Rakete in der Startphase abschießen soll, müsste sich also nicht nur bereits in der Luft befinden, sondern der Startrampe der Rakete auch sehr nahe sein, um eine Chance für einen Abschuss zu haben. Rechnet man die Zeit für die Identifikation des feindlichen Flugkörpers ab, heißt es in einer Studie der American Physical Society (APS) aus dem Jahr 2003, blieben nur 140 bis 170 Sekunden, um eine startende Rakete zu treffen, die mit flüssigem Treibstoff angetrieben wird. Bei einer Feststoffrakete schrumpfe das Zeitfenster auf 90 bis 120 Sekunden.
hda