Schuhexperte: Ötzis Treter waren alpentauglich - DER SPIEGEL
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Schuhexperte Ötzis Treter waren alpentauglich

Am Schuhwerk lag es nicht, dass der Steinzeitkraxler Ötzi vor 5300 Jahren am Similaun den Tod fand. Das jedenfalls meint ein tschechischer Experte: Er preist die Ledertreter des "Frozen Fritz" als absolut alpentauglich. Sie seien sogar besser als manche "Goretex"-Schuhe neuzeitlicher Bergwanderer.
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Den Abstecher in den Gletscher mag Ötzi nicht geplant haben, vielleicht wurde er sogar von einem blutrünstigen Verfolger in die Eiswüste getrieben. Doch was auch immer der Grund für seine tödliche Kraxeltour gewesen sein mag: Mit seinen Ledertretern war er für die Kletterei besser gerüstet als so mancher moderne Gebirgswanderer. Dieses Fazit zieht ein Experte, der das Schuhwerk der Gletschermumie rekonstruiert hat.

Die mit Heu gefütterten Latschen des Steinzeitmenschen, der vor rund 5300 Jahren am Similaun den Tod fand, seien besser für die Hochalpen geeignet als moderne Trekkingschuhe, erklärte der tschechische Schuh-Ingenieur Petr Hlavacek jetzt bei der Vorstellung seiner Nachschöpfung im Offenbacher Ledermuseum. Die Überreste der Fußbekleidung waren 1991 zusammen mit der Mumie gefunden worden.

Hlavacek ist voll des Lobes für die steinzeitlichen Treter: In den Schuhen mit einer relativ dünnen Sohle aus Bärenleder bleibe der Fuß optimal temperiert, der Schweiß gelange gut nach außen, und auch eindringendes Wasser sei schnell wieder verschwunden. Das Fazit des Fachmanns: Ötzis handgefertigte Öko-Sandalen sind "besser als Goretex".

Das Schuhwerk war, wie die laut Museumsdirektor Christian Rathke "bislang interessanteste und erprobteste Rekonstruktion" vermuten lässt, geradewegs für die ungemütliche Alpenwelt geschaffen: "Der Schuh kann seine optimalen Eigenschaften nur entwickeln, wenn es feucht und kalt ist." In der Savanne hätte Ötzi demnach kaum etwas mit der Spezialanfertigung anfangen können.

Bemerkenswert an der Konstruktion ist das ebenfalls mit Heu gefütterte Geflecht aus Lindenfasern, das statt Leder die Ferse umhüllt. Einen Nachteil hat Hlavacek allerdings ausgemacht: Die Heuschicht muss bereits nach wenigen Tagen komplett erneuert werden. Für längere Bergtouren empfehle es sich daher, so der nachträgliche Expertentipp, größere Mengen trockenes Gras mitzunehmen.