Sparzwang Bush stoppt Shuttle-Nachfolger
Nach langem Hin und Her hat die US-Weltraumbehörde ihre Pläne für einen neuen wiederverwendbaren Raumgleiter nun endgültig auf Eis gelegt. Grund sind offensichtlich schwerwiegende Finanzierungsprobleme, die nicht zuletzt mit dem Wechsel im Amt des US-Präsidenten zusammenhängen.
Rund fünf Jahre Arbeit und umgerechnet knapp drei Milliarden Mark hatten die Amerikaner in die Entwicklung des X-33 gesteckt - eines Prototyps für einen größeren Gleiter, der Menschen und Fracht ins All transportieren sollte. Doch sowohl technische Probleme als auch in die Höhe schießende Ausgaben verhinderten letztlich die Umsetzung.
"Die Kosten, den X-33 in die Luft zu bringen, haben den Nutzen deutlich überwogen", so Art Stephenson, Direktor des Marshall Space Flight Centers der Nasa in Huntsville. "Unsere Technologie war noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem wir ein sichereres, zuverlässigeres und günstigeres Raumfahrzeug bauen konnten." Doch genau diese drei Punkte - geringe Kosten, höhere Sicherheit und Zuverlässigkeit - setzt das neue Finanzierungsprogramm der US-Regierung voraus. Mit dem Raumgleiter X-33 stirbt auch das X-34-Projekt, in dessen Zuge ein günstiges Raumfahrzeug möglichst schnell und mit geringerem Testaufwand entwickelt werden sollte. Die europäische Ariane-Rakete wird, so hat es den Anschein, wohl noch über viele Jahre die erste Wahl beim Transport von Satelliten ins All bleiben.
Obwohl das Budget für 2002 - verglichen mit dem Vorjahr - um rund zwei Prozent aufgestockt wurde, kommt der Entwurf der Bush-Regierung einem schweren Schlag für die Nasa gleich. Denn die Ausgaben galoppieren. Allein für die Internationale Raumstation ISS wurden mittlerweile vier Milliarden Dollar mehr ausgegeben als ursprünglich veranschlagt.
Für Präsident Bush ein Unding. Folglich hat der Texaner dem - noch von Clinton ernannten - Nasa-Chef Dan Goldin nicht nur einen Budget-Aufpasser zur Seite gestellt, sondern auch auf Kürzungen bei der ISS gedrängt. Die Space-Shuttle-Flotte soll demnach nur noch sechs Mal pro Jahr zur Station starten. Zusätzliche Wohnquartiere in 300 Kilometer Höhe wird es wohl nicht geben, die ISS-Besatzung wäre damit weiter auf drei Astronauten begrenzt.
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Auch das Rettungsfahrzeug X-38, dessen Nase von deutschen Firmen entwickelt und Ende Januar unter großem Jubel an die Amerikaner übergeben wurde, könnte auf der Streichliste landen. In Notfällen wären die ISS-Astronauten damit weiterhin auf eine russische Sojus-Kapsel angewiesen.
Damit nicht genug: Seit Jahren wird bei der Nasa über einen Flug zum Pluto, dem äußersten Planeten unseres Sonnensystems, diskutiert. Im September bereits für tot erklärt, wurde der Pluto-Kuiper-Express im Spätherbst wieder in die Liste der Nasa-Projekte aufgenommen - mit einer längerfristigen Perspektive. Jetzt könnte seine letzte Stunde endgültig geschlagen haben.
Ein schwerer Rückschlag für die beteiligten Wissenschaftler: Plutos Atmosphäre wird spätestens 2015 gefrieren, da sich der Planet auf dem Teil seiner stark elliptischen Umlaufbahn ist, der ihn von der Sonne weg führt. Doch möglicherweise besteht noch Hoffnung: Gerüchten aus Washington zufolge hat der zuständige Senatsausschuss die Nasa davon unterrichtet, dass er einer Streichung der Mission nicht zustimmen werde. Stattdessen solle die Weltraumbehörde weitere Vorschläge zur Machbarkeit eines Fluges zum Pluto vorlegen.
- Gestrichen:Shuttle-Nachfolger X-33 und X-34
- Unwahrscheinlich:Rettungskapsel X-38
- Fraglich:Pluto-Kuiper-Express
- Gestrichen:Solar Probe
Düster sieht es dagegen für die nächste Mission zur Sonne aus. Während der Mars weiter relativ hohe Priorität genießt, bleibt das Zentrum unseres Sonnensystem für die Nasa in Zukunft unerreichbar. Die geplante Sonnensonde, die den solaren Wind und Prozesse in der Korona studieren sollte, wird nicht abheben. Für die Nasa ein wahrscheinlich verdaubarer Rückschlag: Mit der Soho-Sonde, die gemeinsam von Europäern und Amerikanern betrieben wird, beobachtet derzeit ein äußerst erfolgreiches Raumfahrzeug die Sonne.