Sprachen-Studie Englisch liest sich am schwersten
Britische ABC-Schützen müssen sich gehörig abplagen. Während es ihre europäischen Altersgenossen im Schnitt nach einem Jahr zu Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben bringen, büffeln sie zweieinhalb Jahre. Das ist das Ergebnis einer europaweit angelegten Sprachstudie des Wissenschaftlers Philip Seymour von der schottischen Dundee University. Insgesamt können romanische Sprachen schneller erlernt werden als germanische wie Englisch oder Deutsch.
Durchschnittlich können Kinder, so Seymour, ähnliche Wörter beim Lesen zu 90 Prozent auseinander halten. Schottische Schüler schafften nach dem ersten Schuljahr allerdings nur 30 Prozent und 70 Prozent im zweiten. Dies könne zum Teil mit Bildungsfaktoren wie dem Einschulungsalter oder Lernmethoden zusammenhängen, so der Forscher.
Viel wahrscheinlicher sei aber, dass die unterschiedlichen Lernerfolge auf die komplexe Silbenstruktur und die Widersprüche zwischen Schreibweise und Aussprache im Englischen zurückzuführen sind. "Kinder scheinen insbesondere das Englische für sehr komplex und problematisch zu halten", so Seymour.
-
2 Min
-
1 Min
-
1 Min
Vor allem der Konsonantenreichtum germanischer Sprachen mache den Schülern zu schaffen. Im Wort "sprint" beispielsweise sei der Buchstabe p zwischen den zwei anderen Konsonanten eingepfercht und deshalb vergleichsweise schwer zu lernen, so die Forscher gegenüber dem britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist."
Außerdem unterscheiden sich im Englischen häufig Schreibweise und Aussprache eines Buchstaben. Ein c werde zum Beispiel im Wort "cat" (Katze) hart gesprochen, während es im Verb "receive" (erhalten) weich betont wird. Manche Wörter - wie etwa "yacht" folgten überhaupt keiner Logik.
Am leichtesten in Europa haben es der Studie zufolge Finnlands Schüler. Hier sind Schreibweise und Aussprache von Buchstaben fest miteinander verknüpft. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten Hinweise liefern, warum es in englischsprachigen Ländern überdurchschnittlich viele Analphabeten gibt.