Totale Sonnenfinsternis Forscher gehen auf Schatten-Safari
Die erste vollständige Sonnenfinsternis des Jahrtausends hat vielen Ländern des südlichen Afrikas einen vorübergehenden Tourismus-Boom beschert: In Scharen sind Schaulustige angereist, um die "Schwarze Sonne" zu bestaunen. Am Donnerstag wird der nur knapp 200 Kilometer breite Schatten des Mondes mit etwa doppelter Schallgeschwindigkeit von Angola über Sambia, Simbabwe und Mosambik nach Madagaskar rasen. In günstigen Gebieten wird die totale Verdunklung etwa viereinhalb Minuten anhalten.
Das Spektakel zieht nicht nur Tausende Touristen in die Region, auch Wissenschaftler sind angereist. Ein britisches Team um Ken Phillips will vor Ort Daten sammeln, die zur Lösung eines alten Problems beitragen sollen. "Die Sonnenatmosphäre gibt seit mehr als einem halben Jahrhundert Rätsel auf", sagte der Astrophysiker vom Rutherford Appleton Laboratory zu "BBC News Online". "Sie ist sehr viel heißer als die Oberfläche. Die Frage ist: Was heizt sie so stark auf?"
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Zwei mögliche Erklärungen wurden in den letzten Jahren diskutiert: Zum einen könnten Energiewellen von der Oberfläche die Korona erhitzen, zum anderen könnte das Phänomen auf eine Vielzahl winziger magnetischer Störungen zurückgehen, die so genannten Nanoflares. Bislang sieht es so aus, als könnten die Energiewellen nur einen kleinen Teil zur hohen Temperatur der Sonnenatmosphäre beitragen.
Phillips, der mit seinen Kollegen bereits bei der Sonnenfinsternis 1999 in Bulgarien Aufnahmen mit Spezialkameras gemacht hatte, hofft nun auf eine Bestätigung, dass hauptsächlich die Nanoflares verantwortlich sind. Dabei könnte ihm entgegenkommen, dass die diesjährige Finsternis während des Maximums des elfjährigen Sonnenzyklus stattfindet, die Aktivität der Korona also besonders hoch ist.
Ganz andere Ziele verfolgt eine Gruppe, die zwei Tage lang im Mana Pools National Park im nördlichen Simbabwe kampieren wird. Die 200 Wissenschaftler und Amateur-Forscher wollen, wie das Fachmagazin "New Scientist" berichtet, die Reaktionen wilder Tiere auf die totale Sonnenfinsternis beobachten - es wäre eine der ersten großen Studien zu diesem Thema.
Früheren Beobachtungen zufolge sollen Vögel zu ihren Nestern zurückkehren, Ziegen den Heimweg von den Berghängen antreten und Nachttiere erwachen. Diese Anekdoten wollen die Mitglieder der Natur-Organisation Wildlife and Environment Zimbabwe nun wissenschaftlich untermauern. Dazu werden kleine Teams das Verhalten von Elefanten, Löwen und Vögeln zu verschiedenen Zeitpunkten des Tages überwachen. Zudem werden Meteorologen Veränderungen der Helligkeit, der Temperatur und der Windgeschwindigkeit aufzeichnen.
Um die Sonnenfinsternis zu beobachten, muss man aber nicht unbedingt vor Ort sein. In Sambia werden Astronomen der Nasa die Verdunklung mit speziell ausgerüsteten Teleskopen verfolgen. Die Aufnahmen will die US-Raumfahrtbehörde live im Internet präsentieren. Die Übertragung, bei der allerdings eine schnelle Netzverbindung von Vorteil ist, beginnt um 14.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Die komplette Verdunklung tritt nach den Berechnungen der Astronomen um 15.11 Uhr ein.