Urzeitfund Neandertaler lebten einst im Leinetal
Im Jahre 1856 sorgte der legendäre Knochenfund aus der Feldhofer Grotte im Neandertal unweit von Düsseldorf für Furore. Doch bis heute sind solche Funde äußerst rar. Jetzt ist deutschen Wissenschaftlern das seltene Kunststück gelungen, drei Knochenfragmente aus Sarstedt im Leinetal den Neandertalern zuzuordnen.
Vor 30.000 Jahren verabschiedeten sich die Neandertaler aus bislang ungeklärten Gründen aus der Geschichte. Um dieses geheimnisvolle Verschwinden zu enträtseln, graben und schürfen deutsche Anthropologen unermüdlich nach Relikten unserer Vorfahren. Doch meist fördert die Arbeit der Forscher nur archaische Arbeitswerkzeuge zu Tage. Auf 100 Fundstellen von Werkzeugen kommen nur zwei echte Knochenfragmente.
Die Tübinger Wissenschaftler Alfred Czarnetzki und Carsten M. Pusch berichten im Fachblatt "Journal of Human Evolution", dass die Morphologie von drei Schädelfragmenten, die bereits vor einigen Jahren von Hobbyarchäologen in Sarstedt, zwischen Hannover und Hildesheim, gefunden worden sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Gattung Homo neandertalensis hinweist. Bei den Schädelfragmenten handelt es sich um ein intaktes rechtes Schläfenbein von einem etwa zwei bis vier Jahren alten Mädchen, das vor etwa 150.000 Jahren gelebt haben soll. Der zweite Fund ist ein Fragment eines Hinterhauptes, das dritte Knochenrelikt ist Teil eines Scheitelbeines.
Die genaue Zuordnung zu den Neandertalern gelang den Forscher mit Hilfe der osteomorphologischen Analyse. Hierbei werden die Knochen in ihrer Form und Charakteristik untersucht und mit anderen urzeitlichen Knochen, aber auch mit den Knochen moderner Menschen verglichen. Der Neandertaler weist einige spezifische Charakteristika gegenüber dem Homo sapiens sapiens auf. So lassen sich auf sein Scheitelbein Abdrücke von zwei Arterien erkennen, die beim modernen Menschen in eine andere Richtung verlaufen.
- Fachzeitschrift "Journal of Human Evolution"
- Hintergrundwissen:Der Neandertaler - Entdeckung, Beschaffenheit, Werkzeuge, Riten, Verschwinden
Weitere Artefakte, die ebenfalls in der Umgebung der Fundstelle ausgegraben wurden, darunter Handäxte und Steinschaber, scheinen zwar aus der Zeit des mittleren Paläolithikum (vor 170.000 bis 40.000 Jahren) zu stammen, dass sie deshalb zwangsläufig von Neandertalern benutzt worden sind, ist jedoch nicht sicher. Um die Zuordnung der Schädel zu den Neandertalern zu sichern, wollen die Forscher die Knochenrelikte molekularbiologisch untersuchen.