Vor dem Absturz "Mir" auf kritischer Höhe
Flash: Die letzten Stunden der "Mir"
Moskau/Tokio/Berlin - Die russische Raumstation "Mir" hat in ihrem rasanten Sinkflug zur Erde mittlerweile die kritische Höhe von 220 Kilometern erreicht. Für den kontrollierten Absturz am Freitagmorgen müsse die Station jetzt noch auf die richtige Bahn über dem Pazifik gebracht werden, berichtete am Mittwoch das Flugleitzentrum bei Moskau.
Die Behörden in Japan, Australien und in weiteren Staaten in der Nähe des geplanten Absturzgebiets verfolgen das Manöver mit wachsender Alarmbereitschaft. Auch in Deutschland sind die Sicherheitsvorkehrungen im vollen Gange. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums arbeitet ein Lagezentrum rund um die Uhr. Ein Sprecher betonte, es sei bisher keine Gefahr für Deutschland absehbar.
Experten des European Space Operations Centre (ESOC) schlossen am Mittwoch in Darmstadt nicht aus, dass die Raumstation nach der letzten der geplanten Bremsungen in der Nacht zu Freitag noch nicht tief genug sei und Trümmer weiter um die Erde kreisen. Die Teile könnten dann am Samstag und Sonntag unkontrolliert herunterfallen und dabei möglicherweise auch Europa treffen.
Die knapp 140 Tonnen schwere "Mir" legte am Mittwoch beim Absinken zur Erde die Rekordgeschwindigkeit von 4,2 Höhenkilometern pro Tag zurück. Die Raumstation sollte am Donnerstagmorgen um 2.00 Uhr MEZ in Sonnenrichtung gedreht werden, um die Batterien ein letztes Mal aufzuladen und Strom für die Bordcomputer zu erzeugen.
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Das genaue Zielgebiet über dem Meer werde erst wenige Stunden vor dem Absturz feststehen, erklärte Vizeflugleiter Wiktor Blagow. "Die Angaben verschieben sich jeden Tag abhängig vom Zustand der Atmosphäre." Vorgesehen sei, dass die nicht verglühten Teile am Freitag gegen 7.30 Uhr MEZ auf einem Rechteck von 200 Kilometern Breite und 5000 bis 6000 Kilometern Länge im Wasser einschlagen.
Der Zielkorridor für den Absturz der glühenden "Mir"-Trümmer im Südpazifik wurde am Mittwoch leicht geändert. "Wir haben die Koordinaten korrigiert, weil die Reste sonst möglicherweise auf vier bis sechs unbewohnte Pazifik-Inseln gefallen wären", teilte ein Sprecher der Flugleitzentrale nach Angaben der Agentur Interfax mit.
"Wir dürfen alle davon ausgehen, dass den Russen dieses Manöver gelingt", sagte der deutsche Astronaut und zeitweilige "Mir"-Bewohner Ulf Merbold dem ZDF-"Morgenmagazin". Davon geht auch der Wissenschaftler Wolfgang Baumjohann vom Institut für Weltraumforschung in Graz aus. Ein Sonnensturm könnte zwar den Zustand der Atmosphäre und damit auch den Kurs der Raumstation leicht ändern. "Die Russen haben aber ein sehr gutes Modell der Atmosphäre - sie wissen genau, was sie tun."
Ungeachtet der russischen Zuversicht wächst in Teilen Asiens die Besorgnis über einen unkontrollierten Absturz der "Mir". In Taiwan warnten Experten vor einem möglichen Einschlag von Trümmern. Die Bevölkerung wurde dazu aufgefordert, zur kritischen Zeit zu Hause zu bleiben, berichtete das Nationale Raumfahrtbüro in Taipeh.
In Japan sollen die Regionen, über die die "Mir" voraussichtlich fliegen wird, informiert und um besondere Wachsamkeit gebeten werden. Von Panik war im Land am Mittwoch jedoch nichts zu spüren. Auch die Australier ließ der bevorstehende Absturz zunächst kalt. Weder in den Fernsehnachrichten noch in den Zeitungen spielte das Thema am Mittwoch eine bedeutende Rolle.