Australien: Eukalyptus vollbringt grünes Wunder - DER SPIEGEL
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Australien Eukalyptus vollbringt grünes Wunder

Ein Vierteljahr nach den verheerenden Buschbränden grünt es wieder in den Wäldern um Sydney. Ursache ist, wie Wissenschaftler enthüllt haben, eine verblüffende Überlebensstrategie der Eukalypten.
Von Michael Lenz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch vor gut vier Monaten brannte es in den Blue Mountains. Doch mittlerweile schwärmen die australischen Medien von einem "grünen Wunder": Die Eukalyptuswälder 120 Kilometer westlich von Sydney präsentieren sich in einer Üppigkeit, als habe es die fürchterliche "Schwarze Weihnacht" nie gegeben.

Für Geoff Burrows jedoch hat die Blätterpracht nichts mit einem Wunder zu tun, sondern mit der natürlichen Fähigkeit der Eukalypten, Feuer zu überleben und sogar zu ihrer Fortpflanzung zu nutzen. Im Laufe der Evolution habe sich die australische Pflanzenwelt den regelmäßig aufkommenden Buschfeuern während der heißen Sommermonate angepasst, so der Forscher von der Charles Sturt University in Wagga Wagga.

Wie genau sich aber Eukalypten nach Feuersbrünsten regenerieren, war lange ein Rätsel. "Bisher wurde einfach angenommen, sie würden wie alle anderen Bäume Keimlinge in der Rinde bilden", sagt Burrows. "Bei Eukalypten stecken sie aber eben nicht in der Rinde, sondern entwickeln sich tief im hölzernen Herz", erklärt der Botaniker die Überlebenskunst der Spezies aus der Familie der Myrtengewächse. "Von der äußeren Rinde führen Stränge in den Baum, die zum Leben erwachen, wenn bestimmte Hormone durch die feurige Hitze aktiviert werden." Auf diese Weise werden junge Knospen produziert.

Durch die geschützten Keimlinge können die Eukalypten den Buschfeuern trotzen: "Ein großer Eukalyptusbaum kann bis zu zwei Zentimetern seiner Rinde verlieren, ohne dass seine Fortpflanzungsstrukturen zerstört werden", sagt Burrows. Damit auch möglichst viele Artgenossen Teil haben an der heißen Fortpflanzung, heizen die Bäume selbst durch die ätherischen Öle in den Blättern die Kraft der Buschfeuer an und fördern so deren Ausbreitung.

Feuer sind seit 65 Millionen Jahren, als Australien noch Teil des gigantischen Urkontinents Gondwana war, fester Bestandteil der Natur von Down under. Die Brände hätten das "Leben von allem und jedem, was freiwillig oder gezwungenermaßen in Australien lebt, entscheidend bestimmt", schrieb bereits der US-Feuerforscher Stephen Pyne 1988 anlässlich der 200-Jahr-Feier der Besiedlung des Kontinents durch die Europäer.

Anders aber als Pflanzen, Tiere und die australischen Ureinwohner hätten die europäischen Siedler nie den Umgang mit den Feuern gelernt, klagt David Jones, freiwilliger Feuerwehrmann und Leiter des Feuermuseums in Penrith: "Der Umgang der Weißen mit dem australischen Feuer ist eine 200 Jahre lange Geschichte der Arroganz. Feuer wird ausschließlich als Bedrohung erlebt."

In diese "Geschichte der Arroganz" reiht sich nach Ansicht von Burrows auch das lange Desinteresse seiner Wissenschaftskollegen an der Überlebenstechnik der Eukalypten ein. So seien erste Erkenntnisse über die einzigartige Fortpflanzung des Nationalbaums, die der australische Forscher Max Jacobs in den fünfziger Jahren gewann, von amerikanischen Kollegen als "Schlampigkeit" abgetan worden.

Inzwischen arbeiten auch Wissenschaftler der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) an der Erforschung des Holzgewächses. Mit der im Oktober vergangenen Jahres gestarteten, umgerechnet rund 35 Millionen Euro teuren "Eucalypt Genome Initiative" soll in den kommenden drei bis vier Jahren eine vollständige Genkarte der Spezies Eucalyptus globulus angelegt werden. Die Sequenzierung soll der Biotechbranche und Holzindustrie des Landes zu Gute kommen und helfen, die Artenvielfalt der Eukalypten zu erhalten.

Von der Fülle der Eukalyptusarten weiß auch Burrows zu berichten: In seiner fünfjährigen Forschungsarbeit, deren Ergebnisse im Januar im Fachblatt "New Phytologist" erschienen sind, hat es der Botaniker geschafft, gerade einmal 20 verschiedene Eukalyptusarten zu untersuchen. "Ich bin aber überzeugt", so Burrows, "dass 90 Prozent der 700 Arten die gleiche Fähigkeit zur Regeneration haben."

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