Kanada: Das Problem der Rentierinsel - DER SPIEGEL
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Satellitenbild der Woche Das Problem der Rentierinsel

Rentiere und Weihnachten - passt doch perfekt für unser "Satellitenbild der Woche". Dachten wir jedenfalls. Bis uns dieser eine Umstand auffiel. Aber lesen Sie selbst.
Reindeer Island
Reindeer Island

Reindeer Island

Foto: Copernicus Sentinel Data/ ESA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt hier ein kleines Problem. Jede Woche versuchen wir an dieser Stelle, ein faszinierendes Satellitenbild für Sie zu präsentieren. Und da kam uns das Foto, das uns kürzlich von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) erreichte, gerade recht. Schließlich galt es die Folge für die Weihnachtstage zu planen. Und das gerade veröffentlichte Bild des europäischen Satelliten "Sentinel-2" schien da perfekt zu passen. Schließlich zeigt es Reindeer Island, die Rentierinsel, im Norden des riesigen Winnipegsees in der kanadischen Provinz Manitoba.

Rentiere und Weihnachten - passt doch super. Dachten wir jedenfalls.

Und jetzt kommt das Problem. Denn wenn uns unsere Schnellrecherche im Netz nicht täuscht, dann gibt es auf der fast 140 Quadratkilometer großen, einsamen Rentierinsel nicht nur keine Menschen. Es gibt vor allem keine Rentiere. Und das liegt nicht daran, dass diese gerade irgendwo, in einem fernen Teil der Welt den Schlitten des Weihnachtsmanns ziehen oder so.

Reindeer Island ist seit guten 40 Jahren ein Naturreservat. Und laut einem Infoblatt der Provinz Manitoba  tummelt sich da so einiges in den Nadelwäldern und Torfmooren der Insel, an den Stränden und auf den Marschwiesen: diverse Frösche und Kröten, Strumpfbandnattern, Pelikane, Schellenten, Kormorane - und so weiter.

Nur eben keine Rentiere.

Fotostrecke

Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Wenn Sie das jetzt angesichts des Namens der Insel ebenso enttäuschend finden wie wir, hier der Versuch einer Erklärung, ausgehend wieder vom Informationsmaterial aus Manitoba: Ein großer Waldbrand im Jahr 1929 habe das Habitat größerer Säugetiere auf der Insel zerstört, ist da zu lesen. Bären und Huftiere, die damals nicht unmittelbar umkamen, seien durch den Brand zumindest vertrieben worden. Bis heute seien sie nicht zurückgekehrt.

Und das wiederum erklärt, wie die Rentierinsel zu ihrem Namen kam. Vielleicht gab es ja zumindest mal welche.

Wo wir schon dabei sind, können wir ihnen jetzt noch etwas über Phytoplanktonblüten erzählen. Das Phänomen können sie nämlich - im Gegensatz zu den Rentieren - im Bild erkennen. Und es sucht den riesigen See, der übrigens verblüffend flach ist, regelmäßig heim.

Das liegt daran, dass das Wasser stark mit Phosphor und Stickstoff belastet ist, die vor allem aus der Landwirtschaft stammen. Flüsse wie Winnipeg River, Saskatchewan River und Red River bringen jedes Jahr Tausende Tonnen der Nährstoffe in den See. Dadurch wachsen Cyanobakterien. Und das ist das echte Problem der Rentierinsel.

Denn diese Mikroben sind ernsthaft giftig.

chs