Krill-Killer: Angriff der Körperfresser - DER SPIEGEL
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Krill-Killer Angriff der Körperfresser

Groß frisst klein - so lautet das ungeschriebene Gesetz der Weltmeere. Doch aggressive Einzeller scheinen sich dem zu widersetzen. Sie verspeisen ihre Opfer von innen heraus.
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An Feinden mangelt es dem Krill nicht: Wale, Robben, Tintenfische und Vögel - sie alle ernähren sich von der kleinen, nur maximal sechs Zentimeter großen Krebsart. Doch offenbar droht dem Krill noch eine weitere, fast unsichtbare Gefahr. Winzige Parasiten, nur unter dem Mikroskop auszumachen, attackieren die Meeresbewohner und zerstören sie von innen heraus.

Zu diesem Schluss kommen Meeresbiologen aus Mexiko und den USA, die die Tiere sechs Jahre lang beobachtet haben. Das Szenario, das die Forscher um Jaime Gómez-Gutiérrez vom Centro Interdisciplinario de Ciencias Marinas in La Paz im Wissenschaftsmagazin "Science" ausbreiten, könnte auch aus dem Drehbuch eines Horrorfilms stammen.

Die einzelligen Parasiten infizieren ihren Wirt, vermehren sich innerhalb eines Tages in dessen Körper tausendfach, verspeisen seine fetten Organe und lassen keine 40 Stunden nach der Infektion die ausgeschlachtete Hülle zurück - auf der Suche nach neuen Opfern.

Bei ihren Nachforschungen vor der Pazifikküste des US-Bundesstaates Oregon stießen die Wissenschaftler auf mehr als 20 infizierte Krillschwärme. Spuren des massenhaften Tötens konnten sie mit einem ferngesteuerten U-Boot sogar auf dem Meeresgrund entdecken: Vor zwei Jahren stießen die Biologen in einer Tiefe von bis zu 550 Metern auf einen 1,5 Kilometer langen Teppich aus Krill-Kadavern. In der Nähe sichteten sie viele kranke und geschwächte Tiere.

Auf der Suche nach seiner Nahrung, dem Mikroplankton, schwimmt der Krill in Schwärmen durchs Wasser - das dichte Gedränge dürfte die Ausbreitung der Infektionen noch begünstigen. Einzelne Schwärme können, so das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, durchaus die Fläche des Pyrenäen-Fürstentums Andorra einnehmen. Insgesamt ist die weltweite Biomasse des Krills größer als die der Menschen.

Die Entdeckung der Parasiten zeigt auch, dass die Nahrungskette im Meer offenbar nicht so einfach aufgebaut ist wie zunächst gedacht. Bislang ging die Forschung davon aus, dass in den Ozeanen eine klare Hackordnung herrscht: Entweder fressen die größeren Meeresbewohner ihre kleineren Nachbarn auf - oder sie verhungern. Dass sich Lebewesen wie der Krill nicht nur gegen die übermächtigen Wale, sondern auch gegen winzige Parasiten behaupten müssen, macht das maritime Leben jedenfalls nicht einfacher.

Alexander Stirn

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