GESCHICHTE Spartanische Fürstenhöfe
Literarischen Quellen zufolge herrschte an den mittelalterlichen Fürstenhöfen das pralle Leben - die Tische bogen sich unter der Last der Speisen, Luxus und Verschwendungssucht kannten keine Grenzen, Höflinge und Ritter machten Jagd auf jeden Weiberrock. Alles Legende. So genannte Hofordnungen, wie sie die Tübinger Mittelalterforscherin Ellen Widder analysiert hat, ergeben ein ganz anderes Bild. Danach war an vielen Fürstenhäusern Schmalhans Küchenmeister. Für das Gesinde gab es nur »an sontag, dinstag vnd dornstag zwey gesotten fleisch, zwey gemüse«. Allein den fetten Räten durften die Bediensteten »allen tag ein gebratenes geben«. Sparsames Wirtschaften und penible Buchführung standen höher im Kurs als Völlerei. Der Küchenschreiber musste getreulich notieren, ob Gäste verköstigt wurden »vnd wie viel vnd warumb«. Nicht einmal in der Liebe waren die Fesseln gelockert. Die Frauen wurden kontrolliert und bewacht. »Vnzucht« mit Jungfrauen, Adelsdamen oder Kammermägden war »nymant« gestattet. Testosterongesteuerte Ritter, die sich zur hemmungslosen Liebe hinreißen ließen, mussten sich vor dem Fürsten verantworten. In seinem Element war der über die Ordnung wachende Hofmeister beim gesellschaftlichen Benimm. Wenn der Fürst und die Fürstin als Jugendliche verkuppelt wurden, gebrach es ihnen oft an Liebe, innerer Reife und Haltung. Der Sittenwächter musste es richten. Widder: »Er machte sie fit für die Herrschaftsnachfolge.«