Brandbekämpfung: Forscher bändigen Feuer mit elektrischem Feld - DER SPIEGEL
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Brandbekämpfung Forscher bändigen Feuer mit elektrischem Feld

Wasser, chemische Löschmittel - und elektrische Entladungen: Feuerwehrleute könnten in Zukunft Brände auch durch den Einsatz von Elektrizität bekämpfen. Die neue Technologie würde Gebäude weniger schädigen und umweltfreundlicher sein. Allerdings ist sie nicht bei jedem Brand geeignet.
Übung auf dem Kölner Flughafen (Archivbild): Luftströmung beeinflusst die Flammen
Übung auf dem Kölner Flughafen (Archivbild): Luftströmung beeinflusst die Flammen

Übung auf dem Kölner Flughafen (Archivbild): Luftströmung beeinflusst die Flammen

Foto: Roberto Pfeil/ APN
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

US-amerikanische Forscher haben eine neue Technik entwickelt, die in Zukunft bei der Brandbekämpfung helfen könnte: Es gelang ihnen, eine mehr als 30 Zentimeter hohe Flamme mit Hilfe eines elektrischen Feldes zu löschen. Verantwortlich für den Effekt sind unter anderem elektrostatisch aufgeladene Rußpartikel, berichteten die Wissenschaftler auf dem Frühjahrstreffen der American Chemical Society  im kalifornischen Anaheim.

Die Wissenschaftler um Ludovico Cademartiri von der Harvard University hoffen, dass sich durch die neue Technologie Brände in Zukunft aus der Distanz, mit geringeren Schäden an Gebäuden und umweltfreundlicher löschen lassen.

Bereits vor 200 Jahren hatten Wissenschaftler beobachtet, dass Elektrizität Flammen verformen, flackern lassen oder gar zum Erlöschen bringen kann. Bisher waren jedoch sowohl die zugrunde liegenden Mechanismen als auch der mögliche Nutzen dieses Effekts unklar. Um das Phänomen nun genauer zu untersuchen, verband das Team um Cademartiri einen elektrischen Verstärker mit einer stabförmigen Sonde. Mit diesem Apparat erzeugten die Forscher ein elektrisches Feld rund um eine offene, mehr als 30 Zentimeter hohe Flamme. Das Resultat: Das Feuer erlosch beinahe sofort. Sie hätten den Versuch mehrfach wiederholt - immer mit Erfolg, berichtete Cademartiri auf der Konferenz.

Die Ursachen für das Phänomen sind dem Studienleiter zufolge vielfältig und komplex. Eine wichtige Rolle spielt offenbar der Ruß, den die Flamme freisetzt: Rußpartikel laden sich leicht elektrostatisch auf und reagieren dann auf elektrische Felder. Das verändert unter anderem die Luftströmungen und beeinflusst so auch die Form und die Stabilität der Flamme.

Flammenbändiger im Rucksack

In ihrer Studie benutzten die Chemiker einen 600-Watt-Verstärker. Diese Leistung ist laut Cademartiri etwa vergleichbar mit der einer guten Auto-Stereoanlage. Doch auch mit einem Zehntel der Wattleistung ließen sich Flammen löschen, vermutet er. Falls sich das bestätigt, könnten Feuerwehrmänner künftig in einem Rucksack kleine elektrische Flammenbändiger mit sich tragen und mit einem handlichen Stab eine Schneise durch ein Feuer schlagen. So könnten sie einen Fluchtweg für vom Feuer eingeschlossene Menschen schaffen.

Zum Löschen von Waldbränden, die sich über riesige Flächen ausbreiten, ist das System laut Cademartiri aber eher weniger geeignet. Es könne dagegen insbesondere bei Bränden innerhalb begrenzter Räume zum Einsatz kommen - etwa in Gebäuden, Flugzeugen oder U-Booten. Ein großer Vorteil sei, dass beim Löschen keine zusätzlichen Schäden etwa durch Wasser oder Schaum entstehen. Zudem spare die neue Technologie Wasser und verwende keine umweltschädlichen Löschmittel. Da sich die elektrischen Entladungen auch fernzünden lassen, sei es außerdem möglich, damit ein Feuer ohne Gefahr für den Feuerwehrmann aus der Ferne einzudämmen. Ebenfalls denkbar sei, das System als Ersatz für die heute gängigen Sprinkleranlagen zu verwenden.

Die Untersuchungen wurden von der Forschungsabteilung des Pentagon sowie dem US-Energieministerium finanziert.

wbr/dapd

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