Fotoanalyse: Schön hier?!
Maschinenlernen Software kann schöne von hässlichen Landschaften unterscheiden
Im Sommerurlaub fahren die wenigsten Menschen ans Autobahnkreuz Oberhausen. Vielleicht stehen sie da mal im Stau, klar, auf dem Weg irgendwohin. Irgendwohin, wo es schön ist. Aber als Ferienziel würde niemand die Kreuzung zweier beziehungsweise dreier Autobahnen wählen. Auch der Blick auf Erdölraffinerien oder Logistikzentren gilt gemeinhin als eher wenig attraktiv.
Aber warum eigentlich? Und gibt es objektive Kriterien für schöne Landschaften? Ähnliche Fragen haben sich Forscher in Großbritannien vor Kurzem gestellt- und einen Computer auf die Sache angesetzt. Herausgekommen ist ein System, das die Attraktivität von Landschaften anhand von Fotos bewerten kann.
Forscher um Chanuki Seresinhe von der University of Warwick und dem Alan Turing Institute in London stellen den Ansatz im Fachmagazin "Royal Society Open Science" vor. Sie hatten das Computersystem mit Hilfe von 200.000 Fotos trainiert, diese waren alle mit mehreren Hundert Landschaftsbegriffen verschlagwortet. Zudem bewerteten Internetnutzer die Aufnahmen auf der Webseite ScenicOrNot auf einer Skala von 1 bis 10 nach Attraktivität. Der Computer lernte dann, die Bilder automatisch zu analysieren - er konnte also irgendwann herausfinden, warum ein Foto als schön empfunden wurde.
Natürlich, Schönheit ist immer auch subjektiv. Die Software versuchte sich eben auch daran, objektive Kriterien für die Bewertung eines Bildes als attraktiv oder unattraktiv zu identifizieren. So kam sie zu dem Ergebnis, dass sich in überdurchschnittlich gut bewerteten Fotos zum Beispiel oft Küsten, Gebirge und Wasserläufe befinden - aber auch Türme, Schlösser oder Viadukte. Als schön werde also nicht unbedingt nur unberührte Natur wahrgenommen, so die Forscher.
Die attraktivsten Fotos zeigten zum Beispiel Loch Scavaig, ein See zwischen schroffen Bergen auf der Isle of Skye, die Ruinenstadt South Wheal Frances in Cornwall oder den Embley Wood, ein Waldgebiet in der Grafschaft Hampshire. Was dagegen nicht so gut wegkam: Industriegebiete, Parkplätze, Krankenhäuser, Baustellen.
Naja, und eben Autobahnkreuze - womit wir wieder beim Anfang dieses Artikels wären.
Was bei der Auswertung übrigens auch verblüffend schlecht bewertet wurde: einfache Grasflächen. Wenn keine Bäume oder Büsche darauf stehen, werden diese offenbar als monoton wahrgenommen. Die Forscher hoffen, dass diese Erkenntnisse womöglich in Zukunft bei der Stadtplanung von Interesse sein könnten.