Leckgeschlagene Nordsee-Plattform Energiekonzern plant Landung auf Bohrinsel
Leckgeschlagene Nordsee-Plattform: Energiekonzern plant Landung auf Bohrinsel
Foto: TOTAL E&P UK Ltd/ APNachdem die offene Flamme über der leckgeschlagenen Bohrinsel "Elgin" erloschen ist, will der französische Energiekonzern Total ein Expertenteam auf die Nordsee-Plattform bringen. Es handele sich um Fachleute von Total und von der Fachfirma Wild Well Control, die auch im Kampf gegen das Ölleck an der explodierten US-Plattform "Deepwater Horizon" im Einsatz waren, sagte ein Total-Sprecherin am Montag in Aberdeen. Wie die britischen Behörden mitteilten, hat der Konzern bereits ein Gutachten zu den Gefahren der Mission vorgelegt. Die Bohrinsel soll weiter von einer Gaswolke umgeben sein.
Ob die Experten bereits mit der Abdichtung des Lecks beginnen können, oder sich erst ein Überblick verschaffen, sei noch nicht klar, sagte die Sprecherin.
Laut Brancheninsidern werde Großbritannien dem Unternehmen in den kommenden Tagen eine Erlaubnis dazu erteilen, seine Pläne für eine Schließung des gefährlichen Gaslecks in Angriff zu nehmen. Bereits am Montag könne die entsprechende Genehmigung vorliegen, hieß es.
Seit dem 25. März strömt explosives und giftiges Gas aus dem Leck - die Menge schätzt Total auf 200.000 Kubikmeter täglich. Um die rund 240 Kilometer östlich von Aberdeen gelegene Plattform wurde eine Sperrzone für Schiffe und Hubschrauber eingerichtet.
Schlammpackung und Entlastungbohrung
Der Konzern will das Gasleck zunächst mit dem sogenannten "Kill"-Verfahren vorübergehend mit Bohrschlamm verstopfen. Dies müssten allerdings Arbeiter von der Plattform aus erledigen - wegen der giftigen Gaswolke kein einfaches Unterfangen.
Zusätzlich sollen zwei Entlastungsbohrungen das Leck dauerhaft entschärfen. Diese müssen in etwa vier Kilometer Tiefe getrieben werden, könnten sechs Monate in Anspruch nehmen und bis zu 2,2 Milliarden Euro kosten.
Ursprünglich hatte der Ölmulti Total gehofft, die Gasquelle könne innerhalb weniger Tage oder Wochen von allein versiegen, doch der Wunsch scheint sich nicht zu erfüllen.
Am Samstag war die Gasfackel auf der Plattform erloschen und damit die Gefahr einer Explosion zumindest vorübergehend reduziert.
Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte am Freitag, Arbeiter hätten schon vor Wochen Sorgen wegen eines steigenden Gasdrucks geäußert. Das französische Unternehmen habe jedoch noch Stunden vor dem Unglück beteuert, ein Versagen sei ausgeschlossen.
Greenpeace nimmt Proben
Am Montag hat die Umweltorganisation Greenpeace mit Schadstoff- Messungen nahe der Gasplattform begonnen. Von ihrem Forschungsschiff aus saugten die Umweltschützer Proben der verschmutzten Luft in mehrere fünf Liter große Plastikzylinder. Dabei nutzten sie den Wind aus Nordwest, der das Gas zum südlich der Plattform gelegenen Schiff trieb. "Man kann das Gasgemisch riechen", sagte Greenpeace-Chemiker Manfred Santen nach den ersten Messungen.
Da das Schiff die von der Küstenwache errichtete Drei-Meilen-Sperrzone (rund 5,4 Kilometer) einhalten muss, ist die Aussagekraft der Schadstoff-Messungen noch unsicher. Ein Hamburger Labor soll die Proben in den kommenden Tagen auswerten.