Tarnschminke schützt Soldaten vor Hitze bei Explosionen - DER SPIEGEL
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Hitzeschutz Tarnschminke kühlt Soldatenköpfe

Eine neue Tarnschminke schützt Soldaten nicht nur vor den Blicken des Feindes, sondern angeblich auch vor Explosionshitze. Die Farbe kann nach Angaben ihrer Erfinder 15 Sekunden lang mehr als 600 Grad widerstehen - und ihren Träger vor schweren Verbrennungen bewahren.
Soldaten mit Tarnschminke (in Paris, Juli 2011): Neue Farbe soll vor Hitze schützen
Soldaten mit Tarnschminke (in Paris, Juli 2011): Neue Farbe soll vor Hitze schützen

Soldaten mit Tarnschminke (in Paris, Juli 2011): Neue Farbe soll vor Hitze schützen

Foto: Remy de la Mauviniere/ AP
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Bescheiden klingt sie nicht, die Ankündigung der American Chemical Society (ACS). "Eine der fundamentalsten Veränderungen in Jahrtausenden" gebe es zu vermelden - und zwar auf dem Gebiet der Tarnschminke. Auf dem 244. Jahrestreffen der ACS haben US-Forscher eine Gesichtsfarbe vorgestellt, dass Krieger nicht nur tarnen, sondern auch vor Hitze schützen soll.

Die Rede ist dabei nicht von den 40 Grad im Schatten, die gerne in tropischen Einsatzgebieten herrschen - sondern von Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius, die auf die Haut einwirken können, wenn in der Nähe ein Sprengsatz detoniert. Auch Feuerwehrleute könnten von dem Produkt profitieren, bemerkte Robert Lochhead, Direktor der School of Polymers and High Performance Materials an der University of Southern Mississippi.

Lochhead betonte, dass Sprengfallen im Irak, in Afghanistan und anderen Krisengebieten zahlreiche Soldaten schwer verwundet hätten. Die Detonation einer solchen Bombe verursache zunächst eine Druckwelle, die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreite und schwere innere Verletzungen verursachen könne. "Fast sofort danach folgt eine Hitzewelle", sagte Lochhead laut einer Mitteilung der ACS. Sie erreiche Temperaturen von mehr als 600 Grad Celsius - mehr als eine brennende Zigarette. "Die thermale Welle dauert nur zwei Sekunden, kann aber das Gesicht buchstäblich kochen." Das Gleiche gelte für Hände und andere freiliegende Hautstellen.

Farblose Variante für Feuerwehrleute

Das US-Verteidigungsministerium wollte deshalb ein Material, das Soldaten wie Sonnencreme auftragen können und das trotz der entsprechend dünnen Schicht vor gewaltiger Hitze schützt. Zudem sollte es für den Tag- und Nachteinsatz geeignete Tarnfarben besitzen, leicht zu entfernen sein, keine Irritationen an Augen, Nase und Mund hervorrufen und obendrein zu 35 Prozent aus dem Insekten-Abwehrmittel DEET bestehen.

Eine solche Tarnschminke hielt Lochhead nach eigenen Angaben zunächst für völlig unmöglich. Doch die neue Farbe habe in ersten Laborversuchen die Anforderungen sogar übertroffen: Sie schütze Gesicht und Hände bis zu 15 Sekunden, ehe sie selbst so heiß werde, dass sie leichte Verbrennungen auslöse. In einigen Versuchen habe die Farbe sogar bis zu 60 Sekunden geschützt - was sie auch für den zivilen Sektor, etwa für Feuerwehrleute, interessant mache. Deshalb entwickle man auch eine farblose Variante.

Die schwierigste Aufgabe war nach Angaben der Forscher, den Einsatz von Mineralölen, Fetten und anderen herkömmlichen Kohlenwasserstoffen zu vermeiden, da sie bei großer Hitze Feuer fangen. Deshalb habe man zu weniger brennbaren Silikonen gegriffen, erklärte Lochhead. Auch DEET ist brennbar, so dass man es in eine wasserreiche Hydrogel-Substanz eingeschlossen habe.

Nun wollen Lochhead und seine Kollegen in Experimenten klären, ob ihre Farbe auch auf anderen Oberflächen vor Hitze schützt - etwa auf Kleidung, Zelten oder anderen leicht brennbaren Stoffen.

mbe