Astronomische Ausblicke Kosmische Schönheit
Kosmische Kollisionen können eine Spiralgalaxie schnell aus der Form bringen: Kommt ihr ein Nachbar zu nahe, werden die regelmäßigen Arme der Welteninsel von gewaltigen Kräften verbogen. Die Galaxie NGC 628, auch als M74 bekannt, ist ganz offensichtlich von solchen Begegnungen verschont geblieben - sie präsentiert sich dem Betrachter in größter Ebenmäßigkeit, die selbst nüchterne Astronomen ins Schwärmen geraten lässt.
Offenbar waren auch die Wissenschaftler, die vor kurzem ein neues Instrument des Gemini North Telescope auf Hawaii einweihen durften, große Verehrer dieser Schönheit, denn sie wählten die aparte Spirale als Motiv für den ersten Probelauf. Bei seiner Premiere lieferte der so genannte Gemini Multi-Object Spectrograph (GMOS) ein gestochen scharfes Bild der Galaxie, das nun vom Gemini Observatory veröffentlicht wurde.
Das Bild
Der GMOS ist eigentlich in erster Linie für spektroskopische Studien gedacht, die Aufnahme von M74 stellt jedoch auch eindrucksvoll seine Qualitäten als astronomisches Allzweckinstrument unter Beweis. In der mehr als 30 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie sind noch feine Details wie Sternenhaufen, Gaswolken und filigrane Staubbänder zu erkennen.
M74, die von der Erde aus in perfekter Aufsicht zu sehen ist, vermittelt einen guten Eindruck, wie unsere eigene Galaxie einem weit entfernten Beobachter aus eben dieser Perspektive erscheinen würde. Die Spirale im Sternbild Fische besteht schätzungsweise aus rund 100 Milliarden Sternen und ist damit nur wenig kleiner als die Milchstraße.
Die Kamera
Die Daten für die nun veröffentlichte Ansicht der Spiralgalaxie sammelte das GMOS-Team bereits im August. Das Bild wurde aus drei Einzelaufnahmen in verschiedenen Wellenbereichen - hier blau, grün und rot dargestellt - zusammengesetzt. Die Kamera war dabei mit dem Acht-Meter-Hauptspiegel des Gemini North Telescope auf Mauna Kea gekoppelt. Das Zwillingsteleskop auf dem Cerro Pachón in Chile soll später ebenfalls mit einem GMOS ausgerüstet werden.
Insgesamt sieben Jahre nahmen Entwurf und Konstruktion des Gemini Multi-Object Spectrograph in Anspruch. Mit seinem Sensorenfeld aus mehr als 28 Millionen extrem empfindlichen Pixeln soll er vor allem bei der spektroskopischen Untersuchung von Stern- oder Galaxienhaufen zum Einsatz kommen - das Instrument kann simultan die Spektren von mehreren hundert Objekten aufzeichnen.
Martin Paetsch