"Discovery" Kleckse auf dem Kot-Flügel
Houston - Er habe gelacht, als er die Bilder der Videokamera an der Spitze von "Discoverys" Roboterarm gesehen habe, sagte Tony Ceccacci. Der leitende Flugdirektor der Nasa mag einen seltsamen Humor haben. Aber dass Vogelkot an der rechten Flügelspitze ebenso viel Aufmerksamkeit wie ein herausstehendes Stück Füllstoff erregt, deutet auf gute Laune bei der Bodenkontrolle für die Shuttle-Mission im texanischen Houston hin. Oder wenigstens darauf, dass man dort den Eindruck von entspannter Normalität erwecken will.
Er habe an genau derselben Stelle schon vor drei Wochen "weißliche Kleckse" - so die exakte Formulierung in der Nasa-Verlautbarung - bemerkt, als der Shuttle zur Startrampe gebracht worden sei, sagte Ceccacci. Offenbar handele es sich dabei um Vogelkot, teilte die Nasa mit. Der Weltraumbahnhof Cape Canaveral liegt mitten in einem Vogelschutzgebiet. Seit langer Zeit plagen die Nasa dort schon Sorgen mit Vögeln, besonders mit Geiern, die einfach nicht den Startrampen und Landebahnen fernbleiben wollen.
Stoffwechselprodukte an der rechten Flügelspitze des Raumgleiters müssten nicht nur den enormen Luftwiderstand nach dem Start und die Beschleunigung auf eine Reisegeschwindigkeit von fast 30.000 Kilometern in der Stunde überstanden haben. Auch die Gewitterregen, die über Florida niedergingen und für eine Verschiebung des ursprünglich geplanten Starttermins sorgten, konnten den Klecksen offenbar nichts anhaben. Ebenso wenig wusch die Kühldusche von mehr als einer Million Liter Wasser sie ab, die vor dem Start in Richtung der Triebwerke der Raumfähre versprüht wurde.
Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wird es den hartnäckigen Flecken aber an den Kragen gehen. Die Kanten der Tragflächen werden dann bis zu 3000 Grad Celsius heiß.
Sechs Stunden Inspektion per Roboterarm
Bei der sechs Stunden dauernden Inspektion ihres Raumgleiters per ferngesteuerter Videokamera entdeckten die Astronauten auch eine Unregelmäßigkeit, die nicht von Vögeln stammt. Nach den Worten von Nasa-Manager John Shannon steht an der Unterseite der Raumfähre ein Füllstreifen zwischen zwei Hitzekacheln etwas mehr als einen Zentimeter heraus. Der betreffende Streifen sei im Jahr 1982 eingesetzt worden. Weil die Kacheln an dieser Stelle besonders stark seien, werde mit keinen Problemen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gerechnet.
Im vergangenen Jahr mussten bei einer Notreparatur im Weltraum zwei Füllstreifen aus einem sensibleren Bereich des Hitzeschilds der "Discovery" entfernt werden. Da sich an den hervorstehenden Stellen bei der Rückkehr zur Erde Wirbel bilden, befürchtete die Nasa damals eine zu große Erwärmung der Hitzekacheln.
Schäden, welche durch die wenigen beim Start abgefallenen Schaumstoffteile der Isolierung des Außentanks verursacht worden wären, konnten die Astronauten bei der Inspektion aber nicht feststellen.
Am Nachmittag wird die "Discovery" noch eine Rolle rückwärts zu Inspektionszwecken drehen und soll dann kurz vor 17 Uhr deutscher Zeit an die Internationale Raumstation (ISS) andocken.
stx/AP/dpa/rtr