"Mars 500": Ende einer simulierten Mission - DER SPIEGEL
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"Mars 500" Ende einer simulierten Mission

Die Luke steht endlich offen: Nach 520 Tagen in einer Raumschiff-Attrappe konnten die sechs Teilnehmer der "Mars 500"-Mission von Bord gehen. Die Männer haben einen Flug zum Mars und zurück simuliert - einige ihrer wissenschaftlichen Projekte werden jetzt erst ausgewertet.
Suchrob Kamolow (M.): Der "Mars 500"-Teilnehmer und seine Kollegen verlassen das Modul
Suchrob Kamolow (M.): Der "Mars 500"-Teilnehmer und seine Kollegen verlassen das Modul

Suchrob Kamolow (M.): Der "Mars 500"-Teilnehmer und seine Kollegen verlassen das Modul

Foto: AFP/ ESA
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Moskau/Hamburg - Jetzt sind sie wieder frei: Nach 520 Tagen in einem nachgebauten Raumschiff konnten die sechs Teilnehmer eines simulierten Flugs zum Mars ihr Quartier verlassen. Die drei Russen, ein Franzose, ein Italiener sowie ein Chinese stiegen am Freitag in Moskau in blauen Overalls aus dem röhrenförmigen Forschungsmodul. Gegen 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit öffneten Mitarbeiter des Instituts für Biomedizinische Probleme (IMBP) eine versiegelte Luke, um das Experiment "Mars 500" planmäßig zu beenden.

Wissenschaftler aus Russland und Deutschland sowie Familienangehörige nahmen die sechs blass wirkenden Männer mit heftigem Applaus in Empfang. Wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr präsentierten sich die Pseudoastronauten der Öffentlichkeit zunächst nur kurz. Die Teilnehmer simulierten seit dem 3. Juni 2010 über 17 Monate einen mehr als 50 Millionen Kilometer weiten Flug zum Mars und zurück, inklusive eines virtuellen Spaziergangs auf dem Roten Planeten.

Alle 106 wissenschaftlichen Experimente, darunter auch einige aus der traditionellen chinesischen Medizin, seien erfüllt worden, sagte der Verantwortliche für das Projekt, Alexander Suworow, der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Die Wissenschaftler hätten dadurch eine große Datenmenge erhalten, die jetzt ausgewertet werden müsse. Deutschland war mit einer Langzeitstudie zu den Auswirkungen verminderter Kochsalzzufuhr auf den Blutdruck beteiligt.

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Pseudoastronauten: Leben in der Raumschiffattrappe

Foto: ESA

Die Teilnehmer hätten sich an Bord nicht gestritten, sondern seien "eine Mannschaft" geblieben. Das habe sich auch bei den zwei Notfallsituationen gezeigt, die bewusst in das Programm eingebaut worden seien: ein eintägiger Stromausfall und eine einwöchige Störung der Verbindung zur "Erde". Abgesehen von kleineren Schäden, die mit Bordmitteln behoben worden seien, habe auch die russische und ausländische Technik insgesamt "nicht enttäuscht".

Die "Marsonauten" wollen am 8. November während einer internationalen Pressekonferenz in der russischen Hauptstadt ausführlicher von ihren Erfahrungen berichten. An dem Experiment hatten Alexander Smolejewski, Alexej Sitjow, Suchrob Kamolow (alle aus Russland), Wang Yue (China), Romain Charles (Frankreich) sowie Diego Urbina (Italien) teilgenommen.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichten der italienische Elektroingenieur Diego Urbina und der russische Militärarzt Alexander Smolejewski, wie sie mit der Isolation klarkamen und warum 520 Tage trotzdem nicht reichen, um Chinesisch zu lernen.

wbr/dpa/dapd