Mars-Bilder "Odyssey" macht eisige Entdeckung
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Erst vor wenigen Tagen hat die wissenschaftliche Mission von "Mars Odyssey" begonnen, doch schon jetzt geben die Daten den Forschern Grund zum Feiern. Die Instrumente der Nasa-Sonde erstellten Wärmebilder der nächtlichen Marsoberfläche, ermittelten das Strahlungsrisiko für mögliche bemannte Missionen und lieferten vor allem Hinweise auf gefrorenes Wasser. "Wir sind von der Qualität der Daten begeistert", jubelt Steve Saunders, Projektwissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde.
Marskanal bei Nacht: Auf der dunklen Marshälfte fotografierte die Infrarot-Kamera der Sonde eine geschlungene Rinne. Das Wärmebild erlaubt Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit: Massiver Fels bleibt nachts länger warm und erscheint hell wie etwa der Kraterrand rechts im Bild. Feinkörniges Material, wie es sich vermutlich auch auf dem Grund des Kanals findet, kühlt dagegen schneller ab und wird dunkel dargestellt.
Foto: NASA/ JPL/ Arizona State University
Verräterische Neutronen: In der Südpolregion des Mars registrierte die "Odyssey"-Sonde hohe Wasserstoffkonzentrationen (blau dargestellt), die sich nach Ansicht der Forscher mit Eisvorkommen in der oberen Bodenschicht erklären lassen. Die Karte beruht auf dem Nachweis von Neutronen, die von Bodenatomen bei der Kollision mit kosmischer Strahlung freigesetzt werden.
Foto: NASA/ JPL/ University of Arizona
Gefahr durch kosmische Schauer: Aus Daten des Marie-Instruments und Höhenmessungen der Nasa-Sonde "Mars Global Surveyor" erstellten die Forscher einen Marsatlas der Strahlenbelastung. Rot entspricht dabei einer großen Menge an kosmischer Strahlung, in den blauen Gebieten ist die Dosis relativ niedrig. Am geringsten ist das Risiko vermutlich in Bodensenken: Über diesen Gebieten ist die Lufthülle dicker und kann so mehr hochenergetische Teilchen blockieren.
Foto: NASA/ JPL/ JSC
Auf der Suche nach Bodenschätzen: Die farbige Infrarot-Aufnahme, für die drei der zehn Filter der Themis-Kamera zum Einsatz kamen, gibt Aufschluss über die Zusammensetzung der Oberfläche in der Region Terra Sirenum. Während ihrer Mission soll die "Odyssey"-Sonde einen Marsatlas erstellen, auf dem sich die Mineralienvorkommen ablesen lassen.
Foto: NASA/ JPL/ Arizona State University
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Auf die Eisvorkommen lassen Messungen des Gammastrahlen-Spektrometers der Sonde schließen. Das Instrument, das die typische Gamma- und Neutronenstrahlung verschiedener chemischer Elemente erkennt, registrierte in der Südpolregion des Roten Planeten große Mengen an Wasserstoff. Der hohe Wert geht den Experten zufolge "mit großer Wahrscheinlichkeit" auf beachtliche Eismassen in der oberen Bodenschicht zurück.
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"Wenn sie bestätigt werden, sind diese Ergebnisse phantastisch", meint William Boynton von der University of Arizona, unter dessen Leitung das Gammastrahlen-Spektrometer gebaut wurde. "Sie entsprechen einer Wasserkonzentration von wenigstens einigen Prozent südlich des 60. Breitengrades." Gewissheit erhoffen sich Boynton und seine Kollegen durch genauere Messungen im weiteren Verlauf der "Odyssey"-Mission.
Neben dem Gammastrahlen-Spektrometer lieferten auch andere Instrumente erste Eindrücke. Mit der Themis-Kamera (Thermal Emission Imaging System) fotografierte die Sonde Marslandschaften bei Tag als auch bei Nacht und ermittelte noch feinste Temperaturunterschiede. Die detaillierten Infrarot-Bilder ermöglichen den Wissenschaftlern Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit und das Vorkommen von Mineralien.
Das Marie-Instrument (Martian Radiation Environment Experiment), das derzeit nicht auf Signale von der Erde reagiert, hatte schon während der Annäherungsphase die Belastung durch kosmische Strahlung gemessen. Aus den bis zum Ausfall gesammelten Daten erstellten die Forscher eine Strahlungskarte. Während die dünne Atmosphäre des Mars den gefährlichen Teilchenschauer etwas mildert, wären Astronauten demnach in der Umgebung des Planeten einer Dosis ausgesetzt, die mehr als doppelt so hoch ist wie auf der Internationalen Raumstation.
Trotz der ersehnten Hinweise auf Wasser sind die jetzt veröffentlichten Beobachtungen, so die Nasa-Forscher, nur ein Vorgeschmack. Jim Garvin, Chefwissenschaftler des Mars Exploration Program der Raumfahrtbehörde, bezeichnet die ersten Resultate doppelsinnig als "Spitze des Eisbergs". Und sein Kollege Saunders vom Jet Propulsion Laboratory sekundiert: "Jetzt könnten wir endlich das Wasser sehen, statt nur zu raten, wo es ist oder war."
Martin Paetsch