"Mars Express" im Anflug Beagle, bitte aussteigen
Der Weg zum roten Planeten war lang: 400 Millionen Kilometer hat die europäische Mars-Sonde schon hinter sich; ein halbes Jahr dauerte die Reise. Probleme blieben dabei nicht aus. Erst gab es Schwierigkeiten mit der Energieversorgung, weil ein Kabel nicht richtig saß. Dann legten Sonnenstürme wichtige Navigations-Sensoren lahm.
Doch verglichen mit dem, was die Esa-Mitarbeiter in den nächsten Tagen erwartet, wirken diese Probleme marginal. Morgen um 9:31 Uhr werden die Techniker das Landegerät "Beagle 2" ausklinken. Die Sonde "Mars Express" wird ihren Weg dann allein fortsetzen und am 25. Dezember in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken.
Letzte Korrektur vor der Trennung
Das Abkoppeln des Mars-Landers ist Präzisionsarbeit: "Beagle 2" hat keinerlei Antrieb an Bord, weil er sonst zu schwer wäre. Die mit High-Tech vollgestopfte Kapsel wiegt gerade mal 60 Kilogramm. Die Techniker im Esa-Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt müssen die Sonde deshalb bis zum Moment der Trennung perfekt navigieren, damit der Lander sein Zielgebiet, die Tiefebene Isidis Planitis, trifft.
Das Loslösen des Landers spielt sich bei einer enormen Geschwindigkeit ab: Die beiden Flugobjekte rasen zum Zeitpunkt ihrer Trennung mit knapp 11.000 Stundenkilometern auf den Mars zu. Nach derzeitigem Stand sind jedoch keine weiteren Kurskorrekturen notwendig. "Mars Express" hatte zuletzt vor zwei Tagen verschiedene Steuerdüsen für rund 30 Sekunden gezündet.
Das Europäische Mars-Projekt teilt sich mit dem Ausklinken in zwei Missionen. "Beagle 2" soll nach der Landung Panoramabilder schießen und Gesteinsproben nach Spuren von Leben untersuchen. Der integrierte "Maulwurf"-Bohrer buddelt bis zu 1,5 Meter tief. "Mars Express" soll den Planeten umrunden und hochaufgelöste Fotos des Planeten zur Erde funken.
Das Bodenpersonal in Darmstadt wurde bereits am Dienstag um das Dreifache auf 160 Mitarbeiter verstärkt. Die Stimmung ist äußerst gespannt. Schließlich handelt es sich um die bedeutendste Raumfahrt-Mission der Europäer.
Ein bisschen geht es wohl auch ums Prestige: Im Januar wird die Nasa versuchen, im Abstand von wenigen Wochen gleich zwei Mobile sanft in den Mars-Sand zu setzen. Der rege Verkehr zum Roten Planeten hat praktische Gründe: Nie waren sich Erde und Mars näher als derzeit, der Anreise war deshalb besonders schnell und günstig.
Abtrennung, Landung von "Beagle 2" und Einbringen des Orbiters in die Umlaufbahn sind die kritischen Phasen der Mission. Kleinste Rechenfehler können die gesamte Mission scheitern lassen. Seit Monaten simulieren die Esa-Techniker deswegen alle möglichen Problemsituationen. Sollte das Abtrennen von "Beagle 2" fehlschlagen, bleiben noch 40 Stunden, um alternative Ausklinkverfahren auszuprobieren. Geht alles glatt, könnte am Freitagnachmittag ein Foto der "Mars Express"-Bordkamera vom sich langsam entfernenden Landegerät eintreffen.
Bremsmanöver mit Fallschirmen
In der Nacht zum 25. Dezember wird "Beagle 2" mit einer Geschwindigkeit von 20.000 Stundenkilometern in die dünne Mars-Atmosphäre hinabrasen. Die dabei entstehende Reibung bremst die Kapsel stark ab. Bei 1600 Stundenkilometern sollen sich zwei Fallschirme öffnen. Schließlich werden drei riesige, mit Gas gefüllte Airbags aufgeblasen, um den Aufprall auf den Marsboden abzufedern. Dieses Verfahren hat sich bereits 1997 bei der US-Marssonde "Pathfinder" bewährt.
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Nach der Landung wirft das flache Landegerät die Gassäcke ab und rollt auf den Boden. Wenn alles heil geblieben ist, werden die vier Solarzellenpaneele ausgeklappt, die Batterien aufgeladen und die erste Lebenszeichen Richtung Erde gesendet.
Ein mögliches Hindernis für die Mission könnte das raue Mars-Wetter bilden. In den letzten Tagen haben Astronomen immer wieder kleinere Sandstürme beobachtet, die sich durchaus zu globalen Stürmen auswachsen könnten. Sand wäre nicht nur ein Risiko für die sensible Technik des Landers, er könnte auch die Energieversorgung gefährden, weil nicht mehr ausreichend Sonnenlicht zu den Solarzellen durchdringt.
Die europäische Marsmisssion soll zwei wichtige Fragen beantworten: Gab oder gibt es auf dem roten Planeten jemals Wasser? Und gibt es Hinweise auf primitive Lebensformen? Den Astronomen stehen spannende Wochen bevor.