Rendezvous Raumsonde besuchte Asteroid Annefrank
Am vergangenen Freitagabend herrschte bei der Bodenkontrolle der "Stardust"-Mission angespannte Stimmung. Der Sonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa stand ein anspruchsvolles Flugmanöver bevor: Sie sollte knapp an einem Felsbrocken aus dem Asteroidengürtel vorbeisausen - als Generalprobe für ihre eigentliche Aufgabe, den Besuch beim Kometen Wild 2.
Als vorläufiges Zielobjekt hatten die Wissenschaftler den Asteroiden 5535 Annefrank ausgesucht: Der 1942 vom deutschen Astronomen Karl Reinmuth entdeckte Himmelskörper hatte seinen Beinamen später in Erinnerung an das jüdische Mädchen Anne Frank erhalten, das kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Bergen-Belsen umgekommen war.
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Die Testbegegnung mit dem kartoffelförmigen Asteroiden bestand "Stardust" mit Bravour: "Der Vorbeiflug hat alle unsere Erwartungen übertroffen", berichtete Projektleiter Donald Brownlee von der University of Washington. Alle Instrumente der Sonde arbeiteten einwandfrei. Darüber hinaus habe "Stardust", so Brownlee, "unerwartete Daten über den Asteroiden geliefert."
Wie das enge Rendezvous zeigte, ist Annefrank mit einem Durchmesser von rund acht Kilometern doppelt so groß wie erwartet. Astronomen auf der Erde hatten die Ausmaße falsch geschätzt, weil sie von einer helleren Oberfläche des Felsbrockens ausgegangen waren. Die "Stardust"-Passage in rund 3300 Kilometern Entfernung zeigte jedoch, dass der Asteroid das Sonnenlicht nur schwach reflektiert.
Richtig ernst wird es für die Raumsonde erst im Januar 2004: Dann soll "Stardust" durch den Schweif des Kometen Wild 2 fliegen und Staubproben einsammeln. Die kostbare Fracht, von deren Analyse sich Forscher Aufschlüsse über die Anfangszeit des Sonnensystems erhoffen, soll das Weltraumvehikel zwei Jahre später zur Erde bringen.
Die Sammelgeräte von "Stardust" waren bereits beim jetzigen Vorbeiflug in Betrieb. Zwar erwarteten die Experten nicht, Asteroidenteilchen nachzuweisen. Für die Teams war es jedoch eine willkommene Gelegenheit zum Üben: So hofft Jochen Kissel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, nach diesem Test das deutsche Cida-Instrument zur Staubanalyse besser auf die Kometenbegegnung einstellen zu können.