Stau im Weltall Russland verschiebt "Sojus"-Start
Moskau/Cape Canaveral - Es ist ein Kompromiss, trotzdem wird es für den Start des Space Shuttles "Atlantis" im September eng. "Es gibt eine Übereinkunft zwischen der russischen und der amerikanischen Seite, dass der letzte Termin für einen Shuttle-Start der 8. September ist", sagte Nikolai Sevastyanov, Chef des russischen Raketenbetreibers RKK Energiya bei einer Pressekonferenz in Moskau. Die US-Weltraumbehörde Nasa habe diesem Datum zugestimmt.
Zuvor hatte die Nasa einen Shuttle-Start am 6. oder 7. September angekündigt. Viel Zeit für weitere Verzögerungen bleibt also nicht mehr. Die Russen sind den US-Amerikanern mit dem knappen Angebot schon entgegengekommen. Eigentlich sollte ihre "Sojus"-Kapsel am 14. September zu Internationalen Raumstation (ISS) abheben. Nun wurde dieser Start auf den 18. September verschoben.
Bei diesem Flug geht es nicht nur darum, eine neue Langzeitbesatzung zur ISS zu bringen, auf der gegenwärtig auch der deutsche Esa-Astronaut Thomas Reiter forscht. Die russische Kapsel soll als dritten Passagier die erste weibliche Weltraumtouristin befördern.
Erste weibliche Weltraumtouristin
Die 39-jährige US-Unternehmerin Anousheh Ansari wird den russischen Kosmonauten Michail Tyurin und den Spanish-stämmigen US-Astronauten Miguel Lopez-Alegria begleiten. Ansari, die im Iran geboren wurde, soll mit den zwei gegenwärtigen ISS-Besatzungsmitgliedern Pavel Vinogradov und Jeff Williams zur Erde zurückkehren. Die beiden sind seit dem 1. April an Bord der Raumstation.
Einer weiteren Verzögerung bei dieser Mission hatte die russische Raumfahrtagentur sich verweigert, weil dann die Landung in der kasachischen Steppe bei Nacht erfolgen müsste.
Für die Entscheidung, die "Atlantis" in Cape Canaveral doch wieder zur Startrampe zu rollen, ist das relativ günstige Wetter ausschlaggebend gewesen:Weil der Tropensturm "Ernesto" auf dem Weg vom Kuba an die Küste Floridas auch über den warmen Küstengewässern nicht ausreichend Energie gewinnen konnte, um wieder ein Hurrikan - und damit bedrohlich für die zwei Milliarden US-Dollar teure Raumfähre - zu werden. Damit haben sich die Hoffnungen auf ein letztes Hintertürchen erfüllt. Schon sah es so aus, als könne "Atlantis" frühestens Mitte September starten, was zu Termindruck, Ärger mit der russischen Raumfahrtbehörde und einem potenziellen Stau auf der ISS geführt hätte.
Terminplan möglicherweise gerettet
Ursprünglich sollte "Atlantis" Ende August starten. Nun soll der Shuttle wahrscheinlich am 6. oder 7. September abheben. "Wir arbeiten das noch aus", sagte Nasa-Startmanager Mike Leinbach. Die Raumfähre sollte eigentlich bereits am Sonntag zur Internationalen Raumstation ISS abheben. Der Start wurde aber zunächst wegen eines Blitzschlags, dann wegen "Ernesto" verschoben.
Mit dem Flug der "Atlantis" will die Nasa dreieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Katastrophe den Ausbau der ISS vorantreiben. Die Shuttle-Besatzung von sechs Astronauten unter Leitung von Brent Jett soll die neuen Teile auf einer elftägigen Mission unter anderem bei drei komplizierten Außenbordeinsätzen montieren. Der Aufbau der halb fertig gestellten ISS hat sich durch den Absturz der "Columbia" erheblich verzögert.
Die zwei Shuttle-Missionen seit der Katastrophe vom Februar 2003 waren vor allem Testflüge für die verbesserten Sicherheitsvorkehrungen der Raumfähren. Nach der erfolgreichen "Discovery"-Mission im vergangenen Monat will sich die Nasa nun wieder auf den Ausbau der ISS konzentrieren.
stx/bri/AP/AFP/rtr