Zerfall im All: Sonnenlicht zerfetzt Asteroiden - DER SPIEGEL
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Zerfall im All Sonnenlicht zerfetzt Asteroiden

Astronomen haben einen Asteroiden beobachtet, während er im Weltall zerfiel. Sonnenlicht hatte die kosmische Selbstzerstörung aktiviert. Die neuen Bilder geben Aufschluss über die Zusammensetzung von Asteroiden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erstmals haben Astronomen einen Asteroiden beim Zerfall beobachtet. Sonnenlicht ließ ihn rotieren, bis die Fliehkräfte ihn in Stücke rissen. Das kosmische Geschoss trägt den Namen P/2013 R3 und wurde im vergangenen September entdeckt. Die Wissenschaftler sahen dann mit dem Weltraumteleskop "Hubble" genauer hin und stellten fest: Hier bewegen sich mindestens zehn Objekte gemeinsam durch unser Sonnensystem. Den Asteroiden selbst gab es schon nicht mehr.

"Die einzelnen Bruchstücke driften mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von gerade einmal 1,5 Kilometern pro Stunde auseinander", erläutert die Astronomin Jessica Agarwal in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts  für Sonnensystemforschung. Und das ist geradezu verräterisch langsam. Wäre der Asteroid bei einer Kollision zerschellt, würden seine Bruchstücke schneller und heterogener ins All spritzen. Stattdessen bildete sich ein kleiner Schwarm von Asteroiden.

"Die einzige mögliche Erklärung liefert der Strahlungsdruck der Sonne", sagt Agarwal. Der Asteroid ist dunkel, seine Oberfläche unregelmäßig. Entsprechend unregelmäßig strahlt er das Licht ins All zurück. Außerdem wird er angetrieben, dreht sich schneller und schneller - bis er platzt. Die Beschleunigung der Rotation bezeichnen Physiker als YORP-Effekt.

"Eine Art lockerer Schutthaufen"

Urplötzlich legte die Geschwindigkeit von P/2013 R natürlich nicht zu. Bis ein Asteroid stark genug beschleunigt ist, vergehen Millionen von Jahren. Ein ähnliches Schicksal erwarten Wissenschaftler auch beim Asteroiden Itokawa. Wenn - und das macht die neue "Hubble"-Beobachtung so besonders - der Asteroid nicht vorher bei einer Kollision vernichtet wird.

Die neuen Bilder verraten auch mehr über die inneren Werte der Himmelskörper: "Seit einigen Jahren mehren sich die Hinweise, dass einige Asteroiden nicht kosmischen Felsbrocken gleichen, sondern sich eher als eine Art lockerer Schutthaufen beschreiben lassen", sagt Physikerin Agarwal. Die neuen Ergebnisse sprechen dafür, dass dies auch auf den neu entdeckten Körper P/2013 R3 zutrifft.

Um das herauszufinden, bemühen die Wissenschaftler einen mathematischen Trick, der den YORP-Effekt einbezieht. Bei dem Konzept bringen Wissenschaftler Beobachtungen zur Form des Asteroiden mit Daten zur Rotation und Beschleunigung zusammen. Mit diesen Informationen können sie die Masse berechnen. "Der YORP-Effekt könnte uns helfen, in Zukunft mehr über den Aufbau der Asteroiden zu erfahren", erhofft sich Agarwal.

isa