Alles andere als (k)alter Kaffee!
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Ein Liebesbrief an die Kaffeepause

Alles andere als (k)alter Kaffee!

Foto: iStock/Igor Sokolov

Die Kaffeepause gehört zu jeder guten Tagung wie die Präsentation zum Beamer. Doch längst geht es dabei um mehr als Filterkaffee und trockene Kekse: Specialty Coffee, Matcha, Cold Brew, pflanzliche Milch und nachhaltige Konzepte halten Einzug in die MICE-Welt. Höchste Zeit also, die Kaffeepause neu zu denken.

Mein liebster Programmpunkt einer Tagung steht oft gar nicht auf der Agenda. Ich finde ihn gewöhnlicherweise irgendwann zwischen Keynotes und Panels, suche ihn gelegentlich verzweifelt während einer besonders sperrigen Präsentation und kann die Hoffnung auf ihn in den Augen meiner Kolleginnen und Kollegen sehen, wenn der Nachmittag fortschreitet. Die Worte der Erlösung kommen meist vom Podium und wecken meine Lebensgeister. „Wir machen jetzt 20 Minuten Kaffeepause.“ Sofort kommt Bewegung in den Raum. Menschen stehen auf, strecken sich, schauen kurz auf ihre Smartphones und steuern erstaunlich zielstrebig auf den mobilen Barista-Stand zu. Manche nutzen die Gelegenheit für eine Raucherpause, andere für den Austausch mit Kollegen. Und wieder andere, so wie mich, bewegt die wichtigste Frage des Augenblicks: Was gibt's zu trinken?

Ja, ich liebe Kaffee. Wirklich. Ich mag ihn morgens, mittags und – mit einer zunehmenden Risikobereitschaft, was meinen Schlafrhythmus betrifft – auch am Nachmittag. Ich mag guten Kaffee, sehr guten Kaffee und ab und zu auch Kaffee, der objektiv betrachtet nur noch sehr entfernt mit Kaffee zu tun hat. Starbucks & Co.? Bin ich dabei. Ein hübsch angerichteter Flat White? Sehr gern. Cold Brew? Klar, warum nicht. Aber gleichzeitig gibt es für mich diese eine magische Grenze, bei der ich bleibe: Matcha Latte kann für mich eine Menge sein, aber keine ordentliche Tasse schwarzen Kaffee ersetzen.

Die Kaffeepause ist mehr als Kaffee

Und damit sind wir mitten in einer interessanten Entwicklung, denn auch in der MICE-Welt verändert sich die Kaffeepause. Was früher vor allem hieß: Kaffee, Tee, Wasser, Gebäck, bitte möglichst schnell und unkompliziert, wird zunehmend zum kleinen Hospitality-Erlebnis. Das passt zum Trend, denn Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten heute mehr Individualität und Qualität. Das gilt für die Veranstaltung selbst, aber eben auch für die vermeintlichen Nebensächlichkeiten.

„Nebensächlichkeit“ finde ich übrigens recht beleidigend, wenn man bedenkt, wie viele gute Gespräche bei einer Tasse Kaffee entstehen. Die Kaffeepause ist der Ort, an dem aus „Wir sollten uns mal austauschen“ plötzlich ein echtes Gespräch wird. Hier werden Kontakte geknüpft, Ideen weitergesponnen, Visitenkarten getauscht und manchmal auch die besten Erkenntnisse einer Veranstaltung produziert. Kaffee ist Kommunikation, Austausch und Energie, und das ist es, was ich bei einer Tagung wirklich suche.

Specialty Coffee statt „schwarz oder mit Milch?“

Auch in der Tasse wird es anspruchsvoller. Specialty Coffee ist längst nicht mehr nur etwas für Koffein-Connaisseurs. Der Trend geht zu Qualität, Herkunft und Handwerk.

Foto: iStock/Jacoblund

Woher kommt die Bohne? Wie wurde sie geröstet? Welche Aromen stecken darin? Wer sie zubereitet, darf das inzwischen ruhig zeigen. Das ist eigentlich eine schöne Entwicklung. Denn wenn ich auf einer Veranstaltung mehrere Tassen Kaffee trinke, möchte ich zumindest das Gefühl haben, dass jemand darüber nachgedacht hat, was da in meine Tasse kommt.

Gleichzeitig bleibt die deutsche Kaffeekultur erstaunlich bodenständig. Laut Kaffeereport 2026 trinken 47 Prozent der Befragten regelmäßig Filterkaffee, Caffè Crema kommt auf 38 Prozent. Das finde ich beruhigend. Denn so sehr ich mich über eine beeindruckende Spezialitätenkaffee-Station freue: Manchmal möchte ich einfach eine große Tasse schwarzen Kaffees. Ohne Fermentation, adaptogene Zusätze oder Kaffebohnen, die durch das Verdauungssystem einer exotischen Katze gewandert sind. Kaffee darf gerne mal kompliziert sein, er muss es aber nicht.

Ich und der Matcha

Und dann ist da Matcha. Er ist inzwischen so präsent, dass man sich beinahe rechtfertigen muss, wenn man keinen Matcha Latte bestellt. 2026 haben laut einer aktuellen Statista-Erhebung bereits 58 Prozent der 18- bis 29-Jährigen Matcha zumindest einmal probiert; mehr als ein Viertel trinkt ihn zumindest gelegentlich. Auch im Außer-Haus-Markt macht sich das deutlich bemerkbar. Der Matcha Latte hat sich vom Nischengetränk zum ernstzunehmenden Premium-Getränk entwickelt.

Ich erkenne den Trend an. Wirklich. Ich finde es sogar gut, wenn eine Kaffeepause unterschiedliche Bedürfnisse abbildet: Espresso für die Schnellstarter, Cappuccino für die Genießer, Tee für die Teetrinker, Haferdrink für alle, die ihn brauchen oder mögen – und Matcha für diejenigen, die eben Matcha möchten.

Aber bitte nicht nach dem Motto: „Wir haben die Kaffeepause modernisiert und deshalb gibt es jetzt nur noch grünen Tee mit Hafermilch.“ Das wäre keine Innovation, das wäre dann Kaffeeentzug.

Zwischen Cold Brew und heißer Bohne

Überhaupt wird Kaffee immer experimenteller. Cold Brew und Iced Coffee sind längst nicht mehr ausschließlich Sommerphänomene. Dazu kommen Nitro Coffee, kreative Kaffee-Mixgetränke und neue Geschmacksrichtungen. Schon mal von Swizy Coffee gehört? Auch funktionale Kaffeeprodukte mit Zusätzen wie Protein oder anderen Inhaltsstoffen werden als Trend gehandelt. Der aktuelle Kaffeereport zeigt gleichzeitig: 22 Prozent der Befragten würden mehr für Spezialitäten- oder hochwertigen Kaffee bezahlen, 15 Prozent probieren gern neue Kaffeetrends aus. Ich gehöre definitiv dazu.

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ist das eine spannende Chance, denn die Kaffeepause kann heute viel stärker Teil des Veranstaltungskonzepts werden. Warum nicht eine kleine regionale Rösterei einbinden? Warum nicht verschiedene Bohnen zur Auswahl anbieten? Warum nicht eine Barista-Station, an der erklärt wird, was gerade ausgeschenkt wird? Oder, ganz einfach: Warum nicht guten Kaffee anbieten?

Kaffetasse mit ein Teller mit eine Stück Schokoladenkuchen

Foto: iStock/AriSu

Networking beginnt an der Kaffeemaschine

Da ist sie also, die Zukunft der Kaffeepause. Es geht nicht um die Frage, ob wir 2026 lieber Dirty Matcha, Nitro Cold Brew oder den dritten Flat White trinken. Es geht doch irgendwie bei einem Event eher darum, was währenddessen passiert.

Eine gute Kaffeepause unterbricht eine Tagung, und genau deshalb funktioniert sie so gut. Sie schafft Abstand vom Programm und Raum für Begegnung. Die Menschen sitzen nicht mehr in Reihen, sondern stehen nebeneinander. Man kommt leichter ins Gespräch. „Auch Kaffee?“ ist schließlich eine der niedrigschwelligsten Gesprächseröffnungen überhaupt.

Eine gute Kaffeepause ist deshalb nicht nur Catering, sondern Dramaturgie, Networking und ein bisschen Kultur. Und wenn ich mich zwischen einer spektakulären, nachhaltig kuratierten Kaffeelandschaft mit sieben Trendgetränken und einer richtig guten Tasse schwarzen Kaffees entscheiden muss, weiß ich ziemlich genau, was ich nehme. (Wenn daneben noch ein Stück Kuchen liegt, ist die Sache ohnehin entschieden.) Also, die Kaffeepause ist alles andere als „(k)alter Kaffee“. Ich glaube, sie ist gerade dabei, sich neu zu erfinden. 

Ich bin auf jeden Fall dafür … solange meine Tasse voll ist.

Sandra Gundelach

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