„RAMageddon“ – so bezeichnet der Ausrichter der weltweit größten Messe für Videospiele den Umstand, dass die Preise für Hardware derzeit durch die Decke gehen. Das betrifft vor allem Gaming-Computer und Konsolen, wirkt sich aber auch auf Zubehör aus. Um ein Beispiel zu nennen: Sony, Hersteller der Playstation 5 (PS5), hob im Frühjahr 2026 die Preisempfehlung für seine den Markt dominierende Spielekonsole zum dritten Mal an – auf nun 650 Euro für die Standardversion. Das Gerät ist damit 150 Euro teurer als bei der Markteinführung vor über fünf Jahren. Dass die Verkaufszahlen zurückgehen, ist deshalb nicht verwunderlich.
Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher, die in der vergangenen Woche den Weg zum Kölner Messegelände gefunden haben, ist dagegen gestiegen: Rund 368.000 Menschen sollen die Gamescom besucht haben. Und auch die Zahl der Aussteller lag mit 1.743 höher als im Jahr zuvor.
Die meisten kommen auf die Gamescom, um die neuesten Spiele zu sehen, noch bevor sie auf dem Markt sind. Die Branche ist ähnlich kreativ wie die Filmbranche, wenn es darum geht, möglichst viel Geld mit bekannten Verkaufsschlagern zu machen: Fortsetzungen von Titeln wie GTA, Call of Duty, Forza Horizon und anderen erhalten die größte Aufmerksamkeit. Und dann ist da natürlich noch das langweiligste Spiel von allen: FC 27 – früher FIFA. Eine viel zu teure Fußballsimulation mit zahlreichen Anreizen, im Spiel noch mehr Geld zu lassen, und Elementen, die die Spielerinnen und Spieler nach allen Regeln des Glücksspiels triggern sollen, immer neues Geld nachzuschießen. Eine Ausgeburt der Hölle.
Solche Spiele sind wohl der Grund dafür, dass sich eine größer werdende Anzahl von Gamerinnen und Gamern in eine Nische zurückzieht, in der es keine In-Game-Käufe, Loot-Boxen und nicht einmal Online-Multiplayer-Optionen gibt. Retro is back! Hersteller wie Atari, Nintendo, Sega, Vectrex und vor allem Commodore (1994 pleite gegangen und seit 2025 wieder am Markt) präsentierten sich in einem eigenen Bereich. Sie legen immer mehr alte Geräte neu auf – egal ob Atari VCS, NES, Amiga oder C64. Nur Robotron-Kleincomputer und das Bildschirmspiel 01 werden weiterhin schmerzlich vermisst. Für alles andere wird teures Zubehör für diejenigen angeboten, die ihre alten Konsolen und Spielecomputer noch am Laufen halten. Sogar neue Spiele gibt es inzwischen für die alten Systeme.
„The Future We Were Promised“ lautet der Leitspruch der Firma Commodore, deren Messestand gut in die TV Serie „Star Trek“ gepasst hätte. Zu den dort präsentierten Produkten gehört ein Klapphandy namens „Callback“. Verkaufsargument: Du kannst keine Social-Media-Apps darauf nutzen.
Wer sich in der Retro-Ecke verkroch, konnte zwar nicht dem Kommerz, aber dafür Bundeswehr, Inlands- und Auslandsgeheimdienst aus dem Weg gehen. Der BND warb mit einem eigenen Spiel, „BND-Legenden: Operation Blackbox“, und versuchte, sich mit der Hauptfigur AJ, „die Beschützerin“, bei Cosplay-Fans einzuschleimen. Der Inlandsgeheimdienst trat unter seinem Tarnnamen „Verfassungsschutz“ auf – in der lokal beschränkten NRW-Edition.
Während auf der Gamescom der Jugendschutz sehr ernst genommen wurde, wenn es darum geht, eine Elfjährige daran zu hindern, ein Spiel auszuprobieren, das erst ab zwölf Jahren freigegeben ist, durfte die Bundeswehr munter Kinder ansprechen und sie dafür begeistern, ihr einziges Leben an der Front zu verzocken. Wer sich von den Menschenfängern nicht zu einem Macker-Wettstreit bei der „Push-Up-Challenge“ verleiten ließ, der konnte mithilfe einer VR-Brille in eine „3D-Erlebniswelt“ eintauchen. In der Bundeswehr-„Karrierelounge“ gab es „Beratung“ – auch zur „neuen Wehrpflicht“. Und als „Blickfang“ am Stand hatte die Truppe das Luftlandefahrzeug Caracal aus dem Hause Rheinmetall so aufgemotzt, dass es aussah, als wäre es dem Military-Ego-Shooter Halo entsprungen.







