VW Polo Blue Motion: Tröpfchen für Tröpfchen
VW Polo Blue Motion Der Kleinsparer
Vor drei Jahren ging es los mit der inzwischen fast schon babylonischen Sprachverwirrung bei den Autonamen. Damals kam der VW Polo Blue Motion auf den Markt, ein Kleinwagen mit 1,6-Liter-TDI-Motor, der im Schnitt 3,9 Liter Diesel verbrauchte und sich mit dem Titel sparsamster Fünfsitzer der Welt schmücken durfte. Inzwischen ist eine neue Generation des Kleinwagens auf dem Markt, und nun erhält auch diese eine Blue-Motion-Variante. Im Januar 2010 werden die ersten Exemplare des Kleinsparers ausgeliefert. Die wichtigsten Kennziffern des Autos: 1,2-Liter-Dreizylinder-TDI, 3,3 Liter Durchschnittsverbrauch, 87 Gramm CO2-Ausstoß je 100 Kilometer - damit verteidigt das Auto den Titel als sparsamster Fünfsitzer weltweit.
Ist der 45-Liter-Tank des Wagens randvoll gefüllt, schafft der Polo Blue Motion eine Reichweite von 1363 Kilometern - zumindest theoretisch, denn um das Auto tatsächlich mit 3,3 Litern Durchschnittsverbrauch zu bewegen, muss alles passen. "Aber es ist möglich", sagt Martin Stamm aus der VW-Motorenentwicklung. Den größten Einfluss darauf habe allerdings, räumt der Ingenieur ein, nicht die ausgeklügelte Technik, sondern der Fahrer. "Allein durch das konsequente beachten der Schaltempfehlungsanzeige im Cockpit kann der Verbrauch um bis zu 20 Prozent beeinflusst werden", sagt Stamm.
Dazu aber bräuchte kein Kunde zwischen 1000 und 1700 Euro zahlen - so viel kosten nämlich die aktuellen Blue-Motion-Modelle der Baureihen Polo, Golf und Passat mehr im Vergleich zu den Typen ohne die spezielle Spar-Ausstattung. Denn natürlich ist mehr an Bord als nur eine Schaltanzeige. Beim Polo Blue Motion sind das ein System zur Bremsenergie-Rückgewinnung, eine Start-Stopp-Automatik, rollwiderstandsarme Reifen auf besonders leichten und aerodynamisch günstigen Felgen, eine Unterbodenverkleidung sowie geänderte Karosserieteile für mehr Windschlüpfigkeit.
Im Polo Blue Motion merkt man gar nicht, dass man Sprit spart
Alles zusammen macht das Auto zu einem Kleinwagen von 1080 Kilogramm Gewicht, dem es an nichts fehlt, der sich prima fährt und dennoch nicht mehr als nötig verbraucht. 4,3 Liter meldete der Bordcomputer während und auch am Ende unserer Testfahrt, die unter ganz normalen Bedingungen rund um und quer durch Celle stattfand.
Gut 170 km/h sind als Höchstgeschwindigkeit drin mit dem VW Polo Blue Motion, und ein Sprintwert von 13,6 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 hört sich viel zäher an, als es sich dann tatsächlich anfühlt. Der Dreizylinder-Diesel klingt außerdem angenehm - durchaus präsent wenn die Drehzahl wächst, sonst aber überaus zurückhaltend. 75 PS und ein maximales Drehmoment von 180 Nm dürften den neuen Sparmotor von VW zu weiteren Einsätzen in der Modellpalette verhelfen; im kommenden Kleinwagen Up ist die Maschine gesetzt, und "auch im Golf ist dieses Aggregat durchaus vorstellbar", sagt ein VW-Sprecher.
Einen besonders sparsamen Polo bot VW bereits vor knapp 30 Jahren an. Anfang der achtziger Jahre legten die Wolfsburger so genannte Formel-E-Modelle auf. Der Polo Formel E trug einen 1,1-Liter-Vierzylinder mit 50 PS unter der Haube, der aufgrund einer veränderten Verdichtung des Abgasgemisches, eines Viergang-Schaltgetriebes mit Energiespargang und einer ausgefeilten Aerodynamik mit dem Benzin geizen sollte. 11.330 Mark kostete das nur 700 Kilogramm schwere Auto, dessen Verbrauchsanzeige erst aktiv wurde, wenn der lang übersetzte vierte Gang eingelegt war.
Als Formel-E-Typen wurden damals auch Varianten der Baureihen Golf und Passat angeboten. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert, denn von Golf und Passat treten in diesen Wochen ebenfalls neue Blue-Motion-Modelle an. Beide Autos werden von einem optimierten 1,6-Liter-TDI angetrieben, der im Golf 3,8 Liter (CO2-Ausstoß 99 g/km, Preis 21.650 Euro) und im Passat 4,4 Liter (CO2-Ausstoß 114 g/km, Preis 27.850 Euro) verbraucht.
Spritspartechnik wird zum neuen Geschäftsfeld
Anders als in der Vergangenheit, als extra-sparsam Modelle nur kurz aufblühten, ehe sie rasch wieder verschwanden - ein Schicksal, das zuletzt auch noch dem Drei-Liter-Lupo widerfuhr -, macht VW diesmal aus dem Trend zur Sparsamkeit ein Geschäft. Blue-Motion-Technologies heißt die neue Dachmarke über all jenen Detail, die zu einem effizienteren Spritverbrauch führen. Und so genannte Blue-Technologies-Pakete sind, gegen Aufpreis, für derzeit 44 VW-Modelle erhältlich. "Wir registrieren eine steigende Nachfrage nach Spar-Techniken", sagt Werner Müller aus dem VW-Produktmarketing.
So versucht die Marke, das Auto klassischer Bauart mit Verbrennungsmotor möglichst effizient und zukunftsfähig zu machen. Allerdings wird langfristig auch dem allersparsamsten Explosionsmotor der fossile Brennstoff ausgehen. "Das Elektroauto", sagt VW-Konzernchef Martin Winterkorn, "wird die Zukunft der individuellen Mobilität entscheidend prägen. Diese Entwicklung treiben wir gezielt voran. Es muss sich aber jeder klarmachen, dass der Weg zum Elektroauto kein Sprint, sondern ein Marathon ist." Auch auf der Langstrecke aber ist es wichtig, dass man in die Puschen kommt.