Test: BMW 530e | heise autos

Test: BMW 530e

Der BMW 530e ist das einzige Auto, das derzeit kabellos laden kann. Der eigentliche Rückenwind für den Plug-in-Hybrid aber kommt von der 0,5-Prozent-Regel für Firmenwagen: Mit der Steuervergünstigung wird der 530e für jene attraktiv, die nicht permanent auf der linken Autobahnspur unterwegs sind

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BMW 530e

(Bild: Schwarzer)

Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Das Ladekabel eines Plug-in-Hybrids verrottet originalverpackt im Kofferraum. So vermuten es die Kritiker dieser Antriebsart. Im BMW 530e iPerformance könnte die misstrauische These zutreffen: Gegen 890 Euro Aufpreis plus 2290 Euro für die Basisstation (Ground Pad, (Installation in Deutschland kostenfrei) lädt der 530e nämlich induktiv, also kabellos. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der elektrifizierten Autowelt. Viele Hersteller haben solche Systeme in funktionsfähigen Prototypen gezeigt. Außer BMW bietet es bisher keiner an. Was diesem Modell Rückenwind verschaffen könnte, ist aber weniger die Option zum induktiven Laden als vielmehr die sogenannte 0,5-Prozent-Regel: Ab 1. Januar 2019 sinkt die Versteuerung des geldwerten Vorteils für die private Nutzung eines elektrischen Firmenautos von pauschal 1 auf 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat.

Das gilt für alle batterieelektrischen Autos (BEV) und für viele Plug-in-Hybride (PHEV). Auf Anfrage von heise/Autos teilt das Bundesfinanzministerium mit, dass bei den PHEVs die Mindestvorgaben aus dem Elektromobilitätsgesetz (EmoG) gelten: Für den Steuervorteil darf entweder der CO2-Ausstoß maximal 50 g/km betragen oder die elektrische Reichweite muss mindestens 40 km betragen. Messgrundlage sind die Werte im WLTP, nicht im veralteten NEFZ.

Test: BMW 530e (12 Bilder)

Klare Linien, BMW-typische Formensprache: Der neue 5er (G30) will nicht auffallen, sondern optisch überzeugen. Wir fuhren den einzigen Plug-in-Hybrid der Baureihe, den 530e, erkennbar an der Ladeklappe vorne links.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Jetzt wird es kompliziert: WLTP berücksichtigt die Ausstattungsoptionen. Wer im BMW 530e schwere und damit verbrauchstreibende Extras ordert, also zum Beispiel die automatische Heckklappe und das Schiebedach und die Massagesitze und das M-Sportpaket mit Breitreifen, verändert die kombinierten WLTP-Durchschnittswerte des 530e von 45 g CO2/km und 45 km elektrischer Reichweite so ungünstig, dass die Steuererleichterung wegfällt. Das gilt übrigens auch für das E-Kennzeichen, mit dem zum Beispiel in Hamburg auf städtischen Plätzen frei geparkt werden kann. Potenzielle Käufer können die exakten und fahrzeugindividuellen Daten vorab bei ihrem Händler erfahren und sollten das unbedingt tun.

Der Testwagen von heise/Autos lag innerhalb der erforderlichen Limits. Wir hätten gerne auch das induktive Laden im Alltag (statt wie gehabt nur auf Messen und Präsentationen) ausprobiert; der Autor verfügt im verdichteten Hamburger Lebensraum jedoch nicht über eine Garage. So blieb die öffentliche Ladeinfrastruktur als Stromlieferant, und die ist in der Hansestadt gut ausgebaut.

Am BMW 530e fällt zuerst auf, dass er wie ein BMW fährt: Fahrwerk, Lenkung, Bremsen - hier macht den Bayern kaum einer etwas vor. Das ist die Spitze in dieser Klasse, und der aktuelle 5er ist dabei zugleich komfortabel und feinnervig abgestimmt. Das Mehrgewicht von 230 kg gegenüber einem 520i ist sicher beim direkten Umstieg zu spüren, für sich betrachtet ist auch der 530e, verglichen mit der direkten Konkurrenz, ziemlich handlich.

Mit dem Basisbenziner teilt der 530e den Verbrennungsmotor, der 135 kW (184 PS) leistet. Dazu kommt die Kraft des Elektromotors im Parallelhybrid zu einer Systemleistung von insgesamt 185 kW (252 PS). Das wiederum ist genauso viel wie im 530i, mit dem der 530e bei der Beschleunigung (6,2 Sekunden auf 100 km/h) nahezu gleichauf liegt. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 235 km/h so hoch wie im 520i, was sich aus dem Aufbau des Antriebsstrangs ergibt: Der elektrische Schub verbessert die Beschleunigung, nicht das maximal mögliche Tempo.

Abseits der reinen Zahlenspiele dominiert ein anderer Grundcharakter. Der 530e fährt, als hätte er permanent einen kräftigen Rückenwind. Man kann die Messdaten zwar mit einem Dieselmotor vergleichen – das Fahrerlebnis ist anders: Typisch hybridische Doppelkraft. Dazu muss gesagt werden, dass der Geräuschkomfort und die Laufkultur über dem der verbrennungsmotorischen Varianten des 5ers liegen, was besonders für die bestimmt nicht lauten Dieselmodelle zutrifft.

Die 9,2 kWh fassende Batterie des 530e ist in rund drei Stunden vollgeladen; beim induktiven Laden sinkt die Leistung laut BMW von 3,7 auf 3,2 kW und der Wirkungsgrad von 92 auf 85 Prozent. Wer ausschließlich elektrisch starten will, muss den Fahrmodus „MAX eDrive“ aktivieren. Bei den aktuellen Außentemperaturen von minus 2 bis plus 4 Grad, gepaart mit der Rushhour einer Großstadt blieben gut 26 Kilometer Reichweite – ein Tribut an die Aufheizphase für den Innenraum, die komplett aus der Batterie erledigt wird. Hieraus ergibt sich ein Verbrauch von etwa 36 kWh auf 100 km. Immerhin: Es reicht jederzeit, um mindestens bis zur Autobahn ohne Verbrennungsmotor zu kommen.

Nach einigem Hin und Her hat sich der von BMW vorgegebene Modus "AUTO eDrive" als der Empfehlenswerte herausgestellt. Der Benziner schaltet sich früher zu (ab 90 statt ab 140 km/h), und trotzdem fährt man lange Passagen elektrisch. Angesichts der sehr guten Achtgang-Wandlerautomatik von ZF und dem kaum hörbaren Zuschalten des Vierzylinders entsteht ein angenehmer fliegender Teppich.

Ist die Batterie erschöpft, bleiben immer noch alle Funktionen eines Parallelhybrids: Die Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation), der rein elektrische Betrieb bei Geschwindigkeiten bis ca. 60 km/h und das Boosten beim Beschleunigen. Beim hybridischen Fahren mit leerer Batterie betrug der Benzinverbrauch 7,7 Liter auf 100 Kilometer, wobei gesagt werden muss, dass der Verkehr im Testzeitraum oft dicht war und das Durchschnittstempo eher niedrig. Bei freier Fahrt auf der Autobahn dürfte der Verbrauch deutlich ansteigen, weil man bei hohen Geschwindigkeiten faktisch einen 520i mit Ballast im Kofferraum vorantreibt. Dennoch: Auch oberhalb des elektrischen Fahrbereichs bleibt genug Power, anders als im BMW 225xe (Test) oder im Mini Cooper SE Countryman All4 (Test). Diese beiden wirken, verglichen mit dem 530e, spätestens ab 140 km/h regelrecht flügellahm.

Typische Vielfahrer mit mehr als 50.000 km pro Jahr auf der Uhr werden also weiterhin zum Dieselmotor greifen. Der 520d ist der aktuell gefragteste 5er und gewiss keine schlechte Wahl. Der 530e richtet sich an eine andere Klientel: An jene, die Kraft und Komfort wollen und nicht dauernd auf der linken Spur unterwegs sind. An Privatbesitzer, die auf ihrem Stellplatz das induktive Laden einrichten und damit lokal weniger Geräusch- und Abgasemissionen produzieren. Und an Dienstwagenberechtigte, die Lust haben, die Plug-in-Hybridtechnik für sich zu prüfen und dabei weniger Steuern zu zahlen.

Dass der Spaß bei BMW niemals billig ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Der 530e kostet mindestens 56.000 Euro. Und das induktive Laden für 3205 Euro ist gekoppelt an weitere Optionen wie das Navigationspaket, den Parkassistenten und das erweiterte Außenspiegelpaket. Wer diese zusätzlichen 3180 Euro ohnehin auf der Wunschliste hatte, sollte die kabellose Convenience bestellten. Es ist gerade in der nassen und kalten Jahreszeit kein Vergnügen, mit dem Kabel zu hantieren. Nur eins gibt es beim 530e leider nicht: Eine Kombi-Version. Dieser Umstand wird ihn einige Käufer kosten und sollte BMW dazu bewegen, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Der Hersteller hat den Testwagen kostenfrei überführt und zur Verfügung gestellt. Der Autor hat die Fahrenergiekosten getragen.

Motorart Plug-in-Hybrid
Zylinder 4
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1998
Leistung in PS 252 (Benziner: 184; E-Motor: 113)
Leistung in kW 185 (Benziner: 135; E-Motor: 83)
Drehmoment in Nm 420 (Benziner: 290; E-Motor: 250)
Antrieb Hinterräder
Gänge 8
Getriebe Wandlerautomatik
Spurweite vorn in mm 1604
Spurweite hinten in mm 1631
Wendekreis in m 12,05
Räder, Reifen vorn 7,5 x 17; 225/55 R17
Räder, Reifen hinten 7,5 x 17; 225/55 R17
Länge in mm 4936
Breite in mm 1868 (2126 mit Außenspiegeln)
Höhe in mm 1483
Radstand in mm 2975
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1845
Zuladung in kg 650
Kofferraumvolumen in Liter 410
Anhängelast, gebremst in kg -
Dachlast in kg 100
Tankinhalt in Liter 46
Höchstgeschwindigkeit in km/h 235
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,2
Schadstoffklasse Euro 6d-Temp
Modell BMW 530e
Bohrung x Hub in mm 82 x 94,6
Grundpreis 56.000
Währung Euro
Automatikgetriebe Serie
Navigationssystem Serie
CD-Player Serie
Schiebedach 1250
Metallic-Lackierung ab 1000
Leichtmetallfelgen Serie
Lederausstattung ab 2530 (inklusive Sitzheizung)
Modell BMW 530e
Preisliste Stand Dezember 2018
Alarmanlage Serie
Online-Option Serie
Freisprecheinrichtung Serie
DAB+ (Digitalradio) 390
Soundsystem ab 490
Head-up-Display 1190
Abstandstempomat 1200
Fahrwerksoption 1190 (Adaptives Fahrwerk)
Einparkassistent ab 590
Elektrische Heckklappe 560
USB-Anschluss für Musik Serie
LED-Scheinwerfer Serie
Sitzheizung 380
Adaptiver LED-Scheinwerfer 1490
BMW Night Vision mit Personenerkennung 2000
Sportsitze 630
Komfortsitze 2290
Display als Kombiinstrument 390
Adaptiver LED-Scheinwerfer 1490
BMW Night Vision mit Personenerkennung 2000
Sportsitze 630
Komfortsitze 2290
Display als Kombiinstrument 390
Adaptiver LED-Scheinwerfer 1490
BMW Night Vision mit Personenerkennung 2000
Sportsitze 630
Komfortsitze 2290
Display als Kombiinstrument 390
Adaptiver LED-Scheinwerfer 1490
BMW Night Vision mit Personenerkennung 2000
Sportsitze 630
Komfortsitze 2290
Display als Kombiinstrument 390
Adaptiver LED-Scheinwerfer 1490
BMW Night Vision mit Personenerkennung 2000
Sportsitze 630
Komfortsitze 2290
Display als Kombiinstrument 390

(chlo)