Test: Mini Cooper SE Countryman All4 | heise autos

Test: Mini Cooper SE Countryman All4

Mit dem Plug-in-Hybrid wird der Countryman zum aktuell teuersten Mini. Die Leistung des Antriebsstrangs ist hoch, die Reichweite bescheiden. Ist diese Kombination im Alltag sinnvoll? Die Antwort ist einfach: Es kommt auf die Nutzung an

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Mini Cooper SE Countryman All4

(Bild: Pillau)

Lesezeit: 10 Min.
Inhaltsverzeichnis

Das Leben auf einem beschaulichen Dorf, fast gänzlich abgeschnitten von jeglicher Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bringt es mit sich, dass ein Zweitwagen für (m)eine Familie mit zwei kleinen Kindern im Prinzip unverzichtbar ist. Im Jahr kommen keine 10.000 Kilometer zusammen, die sich vornehmlich aus Strecken zusammensetzen, die selten länger als 20 km sind. Im täglichen Einsatz ist dafür aktuell ein kompakter Kombi mit Benziner. Weil den drei Hauptnutzern Form, Farbe und Image wirklich vollkommen egal sind, wurde es ein junger Gebrauchtwagen mit viel Platz im Kofferraum, der einfach sehr günstig war.

Leider nimmt er sich im beschriebenen Szenario zwischen 7 und 8,5 Litern Benzin auf 100 km. Das macht er hoffentlich noch ganz schön lange, denn der nächste Zweitwagen soll keinen Verbrennungsmotor mehr haben, ohne deshalb in der Anschaffung Summen zu fordern, die sich mit der Wertschätzung der Nutzer nicht vereinen lassen. Dennoch stellt sich die Frage, ob ein Auto wie ein Mini Cooper SE Countryman All4 als Plug-in-Hybrid in unserem Szenario dazu beitragen könnte, den familiären CO2-Ausstoß signifikant zu senken. Die Bedingungen dafür gar nicht so übel: Viele kurze Strecken, lange Pausen, eine Möglichkeit, zu Hause Ökostrom zu laden gibt es auch.

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Seit Juni 2017 wird der Mini Countryman auch als Plug-in-Hybrid verkauft.
(Bild: Pillau)

Wie viele Plug-in-Hybride liefert auch der Mini Countryman zusätzlich zum Gedanken des lokal emissionsfreien Fahrens mindestens einen weiteren Anreiz. Ohne die gewohnte Geräuschkulisse eines Verbrennungsmotors unterwegs zu sein, macht einfach Freude. In meiner Fahrzeughistorie gab es Motoren, denen ich gern zugehört habe, doch das ist lange her und die Vorlieben haben sich mit stark steigender Jahresfahrleistung doch ziemlich verschoben. Es mag in Autos wie einem Mazda MX-5 (Test) einen gewissen Reiz geben, einer Maschine zu lauschen. Doch in einem Alltagsfahrzeug brauche ich das nicht. Der Mini ist recht gut gedämmt, dennoch ist es akustisch angenehmer, wenn der Verbrennungsmotor schweigt. Der Dreizylinder-Benziner gehört auch nicht zu jenen Motoren, denen man ausgesprochen gern bei der Arbeit zuhört.

Allzu weit reicht diese Freude des elektrischen Fahrens allerdings nicht. BMW verspricht 40 bis 41 km rein elektrische Reichweite unter den Bedingungen des WLTP. Wir haben es auf maximal 33 Kilometer gebracht, meistens waren es eher zwischen 25 und 29 km. Eine vollständige Ladung dauert an einer 230-Volt-Steckdose etwas mehr als 3 Stunden – auch deshalb, weil der Mini damit unterhalb der möglichen 3,7 kW Ladeleistung einer mit 16 Ampere abgesicherten Leitung bleibt. Erst mit der optionalen Wallbox wird mit 3,7 kW geladen. Wer die daheim nicht installieren möchte oder kann, wartet 3 Stunden, um dann rund 30 km rein elektrisch fahren zu können. So richtig nach Zukunft fühlt sich dieser Umstand nicht an. Die Lithium-Ionen-Batterie ist unter der Rücksitzbank verbaut. Sie hat eine Bruttokapazität von 7,6 kWh. Im Test konnten wir maximal 5,9 kWh nachladen.

Vorsicht, Binse: Der Kraftstoffverbrauch hängt natürlich vor allem davon ab, wie emsig nachgeladen wird. Meine Vermutung, dass sich im Alltag des Zweitwagens der Familie Franz der Verbrauch von Benzin auf Null senken lässt, hat sich nicht bestätigt. Oftmals waren die Pausen nicht lang genug, um für die nächsten Etappen ausreichend Strom zu bunkern. An manchem Berg in meiner Umgebung musste der Benziner mit anschieben. Dabei spielt sicher auch das Gewicht eine Rolle. Schon nur mit einem 75-kg-Fahrer beladen wiegt der Plug-in-Countryman ohne jegliche Zusatzausstattung 1735 Kilogramm. Im Falle des Testwagens kommen noch Pfunde hinzu, unter anderem durch E-Motoren für Heckklappe und Sitzverstellung. Eine Anzeige im Kombiinstrument soll signalisieren, wie viel Last gegeben werden darf, ohne den E-Bereich zu verlassen. Das klappt leider nicht immer zuverlässig – der Benziner griff dem E-Motor dann doch unter die Arme. Gut gefiele uns, wenn man den Grad der Rekuperation einstellen könnte.

Interessant ist die Beobachtung des Verbrauchs, wenn man nicht nachlädt. Immerhin mischt auch dann der E-Motor mit, denn bevor die Bremsbeläge greifen, wird selbstverständlich rekuperiert. Das reicht für eine tüchtige Unterstützung, wie ein Blick auf den Bordcomputer zeigt. Angesichts des technischen Aufwands überzeugt der Verbrauch aber nicht, selbst wenn man dem Mini zugutehalten muss, dass er nominell viel Leistung bietet und schwer ist. Minimal waren es über Land 5,8 Liter/100 km. Wer den Countryman zur Eile treibt, wozu er nicht unbedingt animiert, landet schnell bei Werten über 8 Liter. Der Plug-in-Hybrid erscheint also nur halbwegs irgendwie sinnvoll, wenn der Fahrer bereit ist, so oft wie nur möglich nachzuladen und längere Strecken die Ausnahme sind.

An anderer Stelle verspricht der Mini Cooper SE Countryman All4 viel mehr, als ein Zweitwagen braucht. Die Systemleistung gibt BMW mit 165 kW (224 PS) an. Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner leistet 100 kW, der E-Motor 65. Bis hinauf zu dem auf deutschen Landstraßen maximal erlaubtem Tempo fühlt sich der Mini damit ausreichend flink an. Doch allerspätestens oberhalb der Richtgeschwindigkeit passt das, was man mit einer Leistungsangabe von 224 PS innerlich verbindet, mit der gefühlten Beschleunigung nicht mehr zusammen. Wird der Antriebsstrang dann gefordert, wirkt er gequält und zäh, nur mühsam legt das SUV an Tempo zu. Ein kurz darauf bewegter BMW X2 mit einem 190-PS-Diesel wirkt geradezu dramatisch dynamischer. Es mag eine sehr deutsche Sicht auf die Dinge sein, doch die Erwartungen, welche die hohe Systemleistung weckt, erfüllt dieser Cooper S auf der Autobahn absolut nicht.

Der Mini Countryman hat mit der ursprünglichen Idee eines Minis ohnehin nichts mehr zu tun. Format und Fahrgefühl sind dem Original so nah wie ein Hollandrad einem Gravel Bike. Sein Gewicht ist stets zu spüren, obwohl die Abstimmung sehr sorgfältig vorgenommen wurde. Fein spricht der Countryman auf kleine Unebenheiten an, größere reicht er nur wohldosiert weiter. Zum flotten Fahren, einst eine Paradedisiziplin dieser Marke, reizt der schwere Wagen kaum. Was in einem Mini zusätzlich verwundert, ist die limousinenhaft ausgelegte Lenkung mit relativ kräftiger Dämpfung. Das Marketing hat so gut funktioniert, dass man immer noch wenigstens einen Rest Gokart-Gefühl erwartet.

Wer sich für einen Mini entscheidet, wählt zwangsweise auch immer einen hohen Grad an optischer Verspieltheit. Ob man das nun mag, ist sicher Geschmackssache. Es ist durchaus erstaunlich, wie viele Union Jacks auf diesem kleinen Raum untergebracht wurden. An anderer Stelle geht das verspielte Design mit funktionalen Nachteilen einher. Im Falle des Powermeters kann man darüber noch schmunzeln, doch die grob auflösende Anzeige für den kleinen 36-Liter-Tank ist einfach ärgerlich.

Der Bordcomputer zeigt allerlei an, in den Tiefen des Infotainmentsystems lässt sich auch festlegen, was er anzeigen soll. Doch nicht alles lässt sich dort abwählen, und die Informationen können nur nacheinander in eine Richtung gewählt werden. Zwei Fahrmodi-Schalter stehen zur Verfügung. Mit dem ersten wird zwischen „Max-e-Drive“, „Automatik“ und „Save“ gewählt, mit dem zweiten zwischen „green“, „normal“ und „Sport“. Auch hier wäre es praktisch, wenn die Richtung, in die der Kippschalter bewegt wird, im Prinzip egal wäre. Also wenn zweimaliges nach unten Drücken den Menüpunkt „Sport“ liefern würde. Tut es aber nicht. Gewiss, es mag kleinlich erscheinen, doch solche Schrullen nerven im Alltag nachhaltig – nicht zuletzt, weil sie mit einer geschickteren Programmierung leicht zu vermeiden wären.

Sehr gut haben mir die im gefahrenen Modell serienmäßigen Sportsitze gefallen. Sie stützen wirkungsvoll und sind in einem weiten Bereich einstellbar. Im Testwagen waren sie mit bemerkenswert penibel vernähtem Leder bezogen. Ohnehin hinterließ die Verarbeitung insgesamt einen ordentlichen Eindruck, den allerdings ein leises Zirpen aus der Dachverkleidung störte.

Vorn sitzende Langbeiner beschränken die hintere Beinfreiheit erheblich, ohnehin können wir dem Verhältnis zwischen äußeren Abmessungen und Platzangebot kein gutes Zeugnis ausstellen. Ein Seat Ateca (Test) ist nur unwesentlich länger, bietet aber deutlich mehr Raum. Dafür ist die Sitzposition im Mini und auch die Rundumsicht vergleichsweise gut.

Käme ein Mini Cooper SE Countryman All4 für uns als Zweitwagen infrage? Ein ganz klares Nein. Zum einen ist der Kofferraum für unsere Zwecke zu klein, zum anderen passen die monetären Vorstellungen ganz und gar nicht zusammen. Der Plug-in-Hybrid-Mini kostet minimal 37.500 Euro, wobei die Serienausstattung auch ein Navigationssystem, 17-Zoll-Alufelgen und ein Lederlenkrad enthält. Doch für Dinge wie Sitzheizung, Digitalradio oder auch Klimaautomatik langt Mini heftig zu. Der üppig ausstaffierte Testwagen kam auf einen geradezu aberwitzigen Listenpreis von rund 51.000 Euro.

Auch ohne die dafür erforderliche Überflutung mit Zusatzausstattung bleibt die Plug-in-Hybrid-Version erheblich teurer als ein Mini Cooper S Countryman. Es fällt schwer, sich ein Szenario zu überlegen, in dem der Hybrid-Mini seinen Aufschlag je wieder herausfährt. Denn dafür ist die Reichweite in der Praxis selbst unter unseren, eigentlich idealen Bedingungen zu knapp bemessen. Anders ausgedrückt: Der Luxus, 25 bis 33 km am Stück elektrisch fahren zu können, steht in keinem Verhältnis zum geforderten Aufpreis.

Motorart Plug-in-Hybrid
Zylinder 3
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1499
Leistung in PS 224 (Benziner: 136; E-Motor: 88)
Leistung in kW 165 (Benziner: 100; E-Motor: 65)
Drehmoment in Nm 385 (Benziner: 220; E-Motor: 165)
Antrieb Benziner vorn, E-Motor hinten
Gänge Benziner: 6; E-Motor: 2
Getriebe Wandlerautomatik
Spurweite vorn in mm 1563
Spurweite hinten in mm 1565
Wendekreis in m 11,4
Bodenfreiheit in mm 165
Länge in mm 4299
Breite in mm 1822
Höhe in mm 1559
Radstand in mm 2670
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1735
Zuladung in kg 610
Kofferraumvolumen in Liter 405
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 1275
Anhängelast, gebremst in kg Kein Anhänger erlaubt
Dachlast in kg 75
Tankinhalt in Liter 36 (+7,6 kWh brutto in der Batterie)
Höchstgeschwindigkeit in km/h 198
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,8
Schadstoffklasse Euro 6d-Temp
Haftpflicht-Klasse 15
Teilkasko-Klasse 20
Vollkasko-Klasse 20
Modell Mini Cooper SE Countryman All4
Bohrung x Hub in mm 82 x 94,6
Grundpreis 37.500
Währung Euro
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
Manuelle Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 500
Automatikgetriebe Serie
Navigationssystem Serie
CD-Player -
Schiebedach 980
Metallic-Lackierung 600
Leichtmetallfelgen Serie
Tempomat 280
Lederausstattung ab 1900
Modell Mini Cooper SE Countryman All4
Preisliste Stand November 2018
Alarmanlage 350
Online-Option Serie
Freisprecheinrichtung Serie
DAB+ (Digitalradio) 290
Soundsystem 790
Head-up-Display 600
Abstandstempomat 990 (im Paket)
Fahrwerksoption 240 (Sportfahrwerk)
Einparksensoren vorn 800
Einparksensoren hinten 390
Elektrische Heckklappe 450
USB-Anschluss für Musik Serie
Lederlenkrad Serie
LED-Scheinwerfer 990
Sitzheizung 330

(mfz)