Test: Volvo V60 D3
Der zweite V60 wirkt wie ein kleiner Volvo V90 - ein Eindruck, der sich beim Fahren bestätigt? Im Test zeigt die deutlich größer gewordene Neuauflage sich rundherum verbessert, zur Perfektion fehlt es aber an einigen Stellen noch an etwas Feinschliff
(Bild: Pillau)
Dieser Testwagen bekommt schon vor dem ersten gefahrenen Meter einen Preis. Nein, die Rede ist nicht vom „autonis“-Award als beste Design-Neuheit 2018, den der V60 eingesammelt hat. Wir verleihen ihm die Auszeichnung „lauteste Zentralverriegelung der diesjährigen Testwagen“. Sollten Sie Bedenken haben, dass Ihre Nachbarn vom Sound des Motors morgens geweckt werden, können Sie beruhigt sein: Die Verriegelung hat das schon souverän übernommen. Abgesehen davon hat Volvo in den zweiten V60 eine Menge Arbeit gesteckt, auch wenn das optisch nicht immer sichtbar ist. Das zeigt der Test des 150-PS-starken Volvo V60 D3.
Gleichmacherei
Die Gestaltung wirkt wie eine Kleinausgabe des V90 (Test), und zwar innen wie außen. In Zeiten, in denen viele Autos sich mit einer deftigen Überzeichnung absetzen wollen, wirkt die vergleichsweise ruhige Formgebung auf mich gelungen. Gegenüber dem Vorgänger, dessen seitliche Proportion durch ein arg kurzes Heck immer etwas litten, hat Nummer zwei in meinen Augen gewonnen. Im Innenraum treibt Volvo die Gleichmacherei auf die Spitze. Das Armaturenbrett unterscheidet sich bei allen seit 2015 auf den Markt gekommenen Modellen nur noch durch Details. Die Linie kann man mögen, doch wer das nicht gut findet, hat bei Volvo keine Alternative mehr.
Test: Volvo V60 D3 (33 Bilder)

(Bild: Pillau)
Hochwertig
Im täglichen Umgang ähnelt der V60 den größeren Modellen. Auch hier fällt eine penible Verarbeitung von hochwertigen Materialien auf, die den Volvo deutlich über den Klassendurchschnitt hebt. Das Gefühl, in einem teuren Auto zu sitzen, stellt sich schon ein, bevor man losgefahren ist. Im Testwagen störten diesen Eindruck ein temporär klapperndes Dach bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Windgeräusche rund um die A-Säule. Beides freilich so leise, dass es nur empfindlichen Menschen auffallen wird. Wie einige Hersteller in diesem Segment, bietet auch Volvo Dämmglas an, das im Testwagen nicht verbaut war. Es kostet 990 Euro und ist nur zusammen mit einer elektrisch betätigten Heckklappe zu haben – warum auch immer. Kurios auch, dass Volvo sich ein Schloss im Handschuhfachdeckel mit 40 Euro bezahlen lässt.
Heiß
Die ausgezeichneten Ledersitze waren im Testwagen zusätzlich mit einer verstellbaren Verlängerung der Sitzflächen ausgestattet – Langbeiner wie der Autor registrieren solche Feinheiten dankbar, wenngleich sie mit 170 Euro nicht ganz billig und nur zusammen mit weiteren Extras zu haben ist. Die Heizungen von Sitzen und Lenkrad sind ganz offensichtlich nahe dem Polarkreis getestet worden, gefühlt liegt die maximale Temperatur nur knapp unterhalb eines Kohlegrills.
Deutlich zugelegt hat der V60 vor allem hinten und im Kofferraum. Die rund 13 cm mehr in der Länge machen sich bemerkbar, wobei wir dem Kombi noch immer kein überdurchschnittliches Verhältnis zwischen äußeren Abmessungen und Platzangebot bescheinigen können. Immerhin bietet der Kofferraum mit 526 Litern nun ein Format, mit dem auch Familien zurechtkommen dürften, sofern sie maximal zwei Kinder haben, von denen keines mehr in einen Kinderwagen muss. Für einen ähnlich langen VW Passat Variant (Test) ist der V60 hinsichtlich des Raumangebotes aber keine Konkurrenz.
Klanggewaltig
In anderer Hinsicht macht in dieser Klasse dagegen dem Volvo keiner etwas vor. Das mit 3300 Euro sehr kostspielige Soundsystem von Bowers und Wilkins klingt exzellent: Klare Höhen, verfärbungsfreie Mitten, saubere, tief nach unten reichende Bässe – so soll es sein. Mit dem restlichen System stehe ich noch immer auf dem Kriegsfuß. So werden auf einem USB-Stick weiterhin weder Ordner noch mit dem Mediaplayer angelegte Playlisten angezeigt. Der CD-Spieler sitzt zwischen den Rücklehnen der Vordersitze, was ich so praktisch finde wie die Idee von Volkswagen, diesen ins Handschuhfach zu verfrachten – nämlich gar nicht.
Kleine Bedienflächen auf einem riesigen Schirm nerven im Alltag und lenken ab. Es mag im Sinne eines möglichst aufgeräumt wirkenden Innenraums eine fantastische Idee sein, die Bedienung von fast allen Funktionen auf einen Bildschirm zu verlegen. Doch was früher ein Handgriff war, den man blind ausführen konnte, erfordert nun Blickkontakt. Ein Navigationssystem kostet stolze 1170 Euro und kann kaum mehr als ein via iOS oder Android eingebundener Wegweiser. Verkehrsdaten in Echtzeit gibt es nur, wenn man dem System über einen Hotspot eine Internetverbindung spendiert. Das ist in einem Peugeot 5008 (Test) vollkommen in Ordnung, in der Klasse eines V60 wünschen wir uns bei einem derart teuren Extra eine eigene Lösung. Insgesamt zufriedenstellend und damit ungleich besser als im 5008 funktioniert im V60 die Sprachsteuerung.
Geblendet
So richtig zu Ende gedacht wirkt auch das Kombiinstrument nicht, was hier als Display ausgeführt ist. Scheint die Sonne direkt darauf, ist es nur noch schwer ablesbar. Dazu ist es wenig variabel: verändert werden können die Ringe um die Rundinstrumente. Doch wer sich vom Navi den Weg zeigen lässt, bekommt immer eine Karte in der Mitte eingeblendet. Apropos blenden: Die Oberfläche des Armaturenbrettes ist aus stumpfen, nicht reflektierendem Material – mit Ausnahme der Einfassung des Head-up-Displays, die sich auf diese Art tagsüber eigentlich immer in der Frontscheibe spiegelt, was ziemlich lästig ist.
Erhellend
Vergleichsweise preiswert sind mit 600 Euro die adaptiven LED-Scheinwerfer. Wie im XC60 bieten sie eine hervorragende Ausleuchtung. So wird die nächtliche Landstraße links und rechts weithin erhellt, was ein immenser Sicherheitsgewinn ist. Denn so kann die Gefahr durch plötzlich über die Straße wechselnde Großtiere rechtzeitig erkannt werden. Auch die Erkennung der anderen Verkehrsteilnehmer gelingt dem V60-Licht ausgezeichnet.
Wie schnell derzeit die Entwicklung in diesem Bereich voranschreitet, zeigt aber der Umstand, dass es inzwischen noch bessere Systeme gibt. Konkret geht es dabei darum, wie geschmeidig der Schatten um die anderen Verkehrsteilnehmer gebildet wird. Das Volvo-Licht ist zuverlässig darin, wirkt mitunter dabei aber etwas hektisch. Was andere zudem noch besser können, ist das Abblenden von Verkehrsschildern. All diese Punkte sind aber Klagen auf wirklich sehr hohem Niveau. Nur wenige Autos sind in diesem Bereich noch etwas feiner als der V60.
Im Prinzip lässt sich das auch auf Antrieb und Fahrwerk übertragen, allerdings mit spürbaren Abstrichen gegenüber den Besten in diesem Segment. Der Testwagen war mit dem 150-PS-Diesel und der Achtgang-Wandlerautomatik von Aisin ausgestattet. Diese Kombination bietet genügend Kraft, ein flottes Wägelchen ist es aber nicht. Das verwundert kaum, denn das Leergewicht liegt bei 1829 Kilogramm für die Version mit Frontantrieb ohne Extras. Das ist selbst für Volvo-Verhältnisse üppig. Ein deutlich größerer V90 D3 wiegt nur rund 50 Kilogramm mehr.
Blei in den Knochen
Das „Blei in den Knochen“ macht sich in zweierlei Hinsicht bemerkbar. 9,9 Sekunden im Standardsprint sind in dieser Klasse ein eher mäßiger Wert. Zum Vergleich: Ein 318d Touring mit Automatik ist eine Sekunde schneller, ein Mercedes C 200 d Automatik mit 160 PS sogar rund anderthalb. Insgesamt reicht das Temperament im Volvo im Prinzip aus, doch wer dem V60 D3 flotte Fahrleistungen abverlangen will, stellt rasch fest, dass dies in erster Linie zu mehr Unruhe führt. Die Maschine tönt dann angestrengter, als sie eigentlich ist. Der Kombi ist mit diesem Antriebsstrang nichts für Choleriker, die in dieser Umgebung die Reaktionsgeschwindigkeit einer Stubenfliege erwarten. Daran ändern auch die drei wählbaren Fahrprogramme nichts. In Eco beschleunigt der Wagen nochmals etwas behäbiger, was einen Steuermann, der hier gut reinpasst, nicht weiter stören wird. Der Volvo reizt nicht zum flotten Fahren.
Der Motor erscheint trotz allem ausreichend kräftig, doch das Zusammenspiel mit der Automatik ist verbesserungswürdig. Mitunter reagiert sie verzögert und braucht einen Moment, bis sie sich überlegt hat, welche Stufe es denn nun sein darf. Das ist vor allem in der Stadt lästig, wenn man spontan beschleunigen muss oder will. Kollege Florian fand die temporäre Anfahrverzögerung derart misslich, dass er die Automatik nicht ordern würde. Angesichts dessen, dass sie außerhalb der Stadtgrenzen ansonsten die Gangwechsel recht fein verschleift und auch der Zeitpunkt meistens gut gewählt ist, erscheint mir dieses Urteil hart. Möglicherweise bin ich in dieser Hinsicht aber auch nachsichtiger, weil mir ein Schaltgetriebe in dieser Umgebung wie ein Fremdkörper vorkommen würde.
Die üppigen Pfunde machen sich auch beim Verbrauch bemerkbar. Weniger als 5,6 Liter auf 100 km waren es auch beim gemäßigten Betrieb auf der Landstraße nicht, wer den kleinen Diesel auf der Autobahn zur Eile treibt, erfährt problemlos mehr als sieben Liter. Im WLTP verspricht Volvo immerhin 4,5 Liter.
Eher komfortabel
Es gibt in dieser Klasse eine große Bandbreite, was die grundsätzliche Ausrichtung von Fahrwerken betrifft. Auf der Seite der Agilen sind die Alfa Romeo Giulia (Test) und der BMW 3er, auf der der Komfortablen die Mercedes C-Klasse mit Komfortfahrwerk und der inzwischen hierzulande nicht mehr angebotene Citroën C5. Dem Volvo-Fahrwerk ist die knackige Auslegung der Giulia ferner als die Weichheit einer C-Klasse, der er allerdings keine Konkurrenz macht. Die Dämpfer sprechen im V60 weniger geschmeidig an, die Reaktion auf kleine Unebenheiten ist nicht ganz so fein wie im Daimler. Für sich betrachtet ist der Kompromiss, den Volvo gewählt hat, aber nicht schlecht, zumal der Testwagen mit Reifen der Dimension 235/45 R18 ausgestattet war – eine nennenswerte Flankenhöhe, die bei der Dämpfung ein wenig mithilft, ist aktuell leider nicht modern.
Selbstbewusst
Der V60 D3 kostet derzeit mindestens 37.500 Euro, mit Automatik sind es nochmals 2200 Euro mehr. Eine selbstbewusste Ansage, keine Frage. Hersteller wie Renault, Opel oder Mazda liefern ihre gewiss nicht üblen Beiträge zu diesem Segment für deutlich weniger Geld. Doch Volvo sieht sich als Mitspieler im Premiumsegment und richtet daher auch seine Preisliste ähnlich aus wie die süddeutsche Konkurrenz. Wer mag, kann auf den Grundpreis ohne weiteres 15.000 Euro für Zusatzausstattung addieren, ohne alle Optionen gewählt zu haben.
An den grundsätzlichen Qualitäten des Autos ändert das nur im geringen Maße etwas. Eine davon ist für manche Interessenten vermutlich, dass den Volvo noch immer ein Hauch von etwas Besonderem umgibt. In meiner Auffahrt zog der elegante V60 jedenfalls viele Blicke auf sich. Falls die Entwickler nach Möglichkeiten der Perfektionierung suchen sollten: Mit einer leiseren Zentralverriegelung wären es wohl nur unwesentlich weniger gewesen.
Die Kosten für die Überführung hat Volvo übernommen, jene für Kraftstoff der Autor.
Datenblatt
| Motorart | Diesel, SCR-Kat |
| Zylinder | 4 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 1969 |
| Leistung in PS | 150 |
| Leistung in kW | 110 |
| bei U/min | 3750 |
| Drehmoment in Nm | 320 |
| bei U/min | 1750 bis 3000 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | 8 |
| Getriebe | Wandlerautomatik |
| Spurweite vorn in mm | 1610 |
| Spurweite hinten in mm | 1610 |
| Wendekreis in m | 11 |
| Räder, Reifen vorn | 235/45 R18 |
| Räder, Reifen hinten | 23/45 R18 |
| Länge in mm | 4761 |
| Breite in mm | 1427 |
| Höhe in mm | 1850 (2040 mit Außenspiegeln) |
| Radstand in mm | 2872 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1829 |
| Zuladung in kg | 476 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 529 |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1441 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 1800 |
| Dachlast in kg | 100 |
| Tankinhalt in Liter | 55 (+ 11,5 Liter Adblue) |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 205 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 9,9 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 4,5 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 5,3 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,1 |
| Testverbrauch Minimum in Liter/100 km | 5,6 |
| Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km | 6,3 |
| Schadstoffklasse | Euro 6d-Temp |
| Service-Intervalle | einmal jährlich/ alle 30.000 km |
| Modell | Volvo V60 D3 Automatik |
| Bohrung x Hub in mm | 82 x 93,2 |
Preisliste
| Grundpreis | 37.500 |
| Währung | Euro |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Seitenairbags hinten | Serie |
| Kopfairbags hinten | Serie |
| Klimaautomatik | Serie |
| Automatikgetriebe | 2200 |
| Navigationssystem | 1170 |
| CD-Player | 110 |
| Schiebedach | 1450 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Metallic-Lackierung | ab 830 |
| Leichtmetallfelgen | Serie (16 Zoll) |
| Tempomat | Serie |
| Lederausstattung | ab 1800 |
| Modell | Volvo V60 D3 |
| Preisliste Stand | Oktober 2018 |
| Alarmanlage | 540 |
| Online-Option | 360 (Smartphone-Integration Apple CarPlay und Android Auto) |
| Freisprecheinrichtung | Serie |
| DAB+ (Digitalradio) | 330 |
| Soundsystem | ab 390 |
| Head-up-Display | 1190 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Abstandstempomat | 1610 |
| Einparksensoren vorn | 800 (vorn und hinten) |
| Einparksensoren hinten | 390 |
| Einparkassistent | 700 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Elektrische Heckklappe | 510 |
| USB-Anschluss für Musik | Serie |
| Lederlenkrad | Serie |
| LED-Scheinwerfer | Serie |
| Sitzheizung | 350 |
| D3 Momentum (Schaltgetriebe) | 40.100 |
| D3 R Design | 44.950 |
| D3 Inscription | 44.350 |
| D3 Momentum (Schaltgetriebe) | 40.100 |
| D3 R Design | 44.950 |
| D3 Inscription | 44.350 |
| D3 Momentum (Schaltgetriebe) | 40.100 |
| D3 R Design | 44.950 |
| D3 Inscription | 44.350 |
| Adaptive LED-Scheinwerfer | 600 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Akustikverglasung | 990 |
| Frontscheibenheizung | 200 |
| Digitale Instrumentierung | 450 |
| Lenkradheizung | 240 |
| Adaptive LED-Scheinwerfer | 600 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Akustikverglasung | 990 |
| Frontscheibenheizung | 200 |
| Digitale Instrumentierung | 450 |
| Lenkradheizung | 240 |
| Adaptive LED-Scheinwerfer | 600 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Akustikverglasung | 990 |
| Frontscheibenheizung | 200 |
| Digitale Instrumentierung | 450 |
| Lenkradheizung | 240 |
| Adaptive LED-Scheinwerfer | 600 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Akustikverglasung | 990 |
| Frontscheibenheizung | 200 |
| Digitale Instrumentierung | 450 |
| Lenkradheizung | 240 |
| Adaptive LED-Scheinwerfer | 600 (erst ab Momentum lieferbar) |
| Akustikverglasung | 990 |
| Frontscheibenheizung | 200 |
| Digitale Instrumentierung | 450 |
| Lenkradheizung | 240 |
(mfz)