Vereinbarung mit Hamas Das sind die freigelassenen israelischen Geiseln
Emily Damari, Doron Steinbrecher, Romi Gonen (von links)
Foto:Family / Hostage's Family Forum / dpa
Nach monatelangen Verhandlungen ist am Sonntag eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas in Kraft getreten. Am Nachmittag ließ die Hamas die ersten drei der 33 israelischen Geiseln frei, die laut dem Übereinkommen in der sechswöchigen ersten Phase des Waffenstillstands freikommen sollen. Im Gegenzug soll Israel insgesamt rund 1900 gefangene Palästinenser überstellen. Die Hamas hatte bei ihrem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 rund 1200 Menschen getötet und 250 verschleppt. Knapp 100 sollen sich nach israelischen Angaben noch im Gazastreifen befinden, 35 davon seien wohl tot.
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Auf einer Liste, die die israelische Regierung in den sozialen Medien veröffentlichte , sind die Namen der 33 Geiseln vermerkt, die in den kommenden sechs Wochen schrittweise freigelassen werden sollen. Bei den am Sonntag aus der Gefangenschaft befreiten Israelinnen handelt es sich laut Medienberichten um Emily Damari, Doron Steinbrecher und Romi Gonen. Was über sie bekannt ist:
Emily Damari, 28, wurde beim Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 aus ihrem Zuhause im Kibbuz Kfar Aza entführt. Sie lebte im »Viertel der jungen Generation« in unmittelbarer Nähe des Zauns zum Gazastreifen, den die Terroristen durchbrachen. Laut ihrer Mutter Mandy Damari wurde ihr in die Hand geschossen, zudem sei sie durch einen Splitter im Bein verletzt worden. Die Angreifer hätten Emily die Augen verbunden und sie auf dem Rücksitz ihres eigenen Autos nach Gaza entführt. Zuvor hätten sie ihren Hund Choocha erschossen.
Geboren ist Damari in Surrey in Südostengland, aufgewachsen in London. Die israelisch-britische Doppelstaatsbürgerin ist leidenschaftlicher Fan des Fußballvereins Tottenham Hotspur. Nach Israel war sie gezogen, nachdem sie sich verliebt hatte und eine Familie gründen wollte, berichtet die »Jüdische Allgemeine« .
»Emily ist der glücklichste und netteste Mensch, den es gibt«, sagte eine Freundin dem Nachrichtenportal »Ynet« während Damaris mehr als 15-monatiger Gefangenschaft. »Sie ist ein Teil des Puzzles, der Klebstoff, der uns alle zusammenhält.«
Auch Doron Steinbrecher, 31, wurde am 7. Oktober aus dem »Viertel der jungen Generation« in Kfar Aza verschleppt. »In der letzten Sekunde rief sie mich an und rief: Mama, sie haben mich«, erinnerte sich ihre Mutter Simona Steinbrecher in einem Interview mit dem SPIEGEL im Dezember 2023. Sie selbst überlebte in einem Schutzraum.
Doron Steinbrecher ist Tierarzthelferin. »Doron liebt Tiere so sehr, dass sie selbst zur Arbeit gegangen ist, wenn Raketen flogen«, erzählte ihre Mutter in dem Gespräch. Über die Entführung ihrer Tochter nach Gaza sagte sie: »Sie ist jung und schön, ich habe Angst, was sie dort mit ihr machen.« Doron sei außerdem auf die tägliche Einnahme von Medikamenten angewiesen.
»Ich kann nicht über die Zukunft nachdenken«, sagte Simona Steinbrecher. Ihr Leben sei am 7. Oktober stehen geblieben. Aus Dorons Wohnung in Kfar Aza hatte sie Kleidung und Bücher mitgebracht, damit ihre Tochter am Tag ihrer Rückkehr ihre eigenen Sachen haben würde. 13 Monate später ist dieser Tag eingetreten.
Romi Gonen, 24, verbrachte den 7. Oktober auf dem »Nova«-Musikfestival in der Negev-Wüste nahe dem Gazastreifen. Sie wuchs im Norden Israels auf, nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie laut der israelischen Zeitung »Haaretz« im Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv. Dort habe sie ihre beste Freundin Gaia Khalifa kennengelernt. Die beiden hätten sieben Monate lang Südamerika bereist, bevor sie am 7. Oktober gemeinsam zu dem Festival in der Nähe des Kibbuz Re’im gefahren seien.
Als bewaffnete Hamas-Terroristen das Gelände stürmten, versteckten sie sich stundenlang. Ihre Familie berichtete später, Gonen habe am Telefon gesagt: »Ich werde heute sterben.« Beim Versuch zu entkommen, sei ihre Freundin Gaia Khalifa ermordet worden. Gonen wurde offenbar in die Hand geschossen, bevor sie gefangen genommen wurde. Das Letzte, was durch die Telefonleitung zu hören gewesen sei, waren der Familie zufolge die arabischen Worte: »Sie lebt, nehmen wir sie mit.« Später wurde Gonens Handy in Gaza geortet.
Freunde und Familie beschreiben Romi Gonen als begeisterte Tänzerin. Auf dem »Platz der Geiseln«, den Angehörige der Verschleppten in Tel Aviv eingerichtet hatten, wurde jeden Sonntag zu ihren Ehren eine Tanzstunde abgehalten. »Wo auch immer Romi war, lernte sie neue Leute kennen, denn sie hat dieses ansteckende Lachen, ist witzig, und man mag sie einfach«, zitiert die »Jüdische Allgemeine« ihre ältere Schwester. »Romi ist nicht nur ein Gesicht auf einem Vermissten-Poster, sie ist meine geliebte kleine Schwester.« Nun ist sie frei.