Paris: Wie die Olympischen Spiele die Stadt (noch) lebenswerter machen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Nicola Abé

meinung •Alles Gute vom SPIEGEL Wie Dromedare in Mauretanien den Frieden sichern

Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!

In dieser Woche möchte ich Ihnen eine Geschichte über Dromedare empfehlen. Genauer, über eine Reiterpatrouille, die in Mauretanien den Frieden hütet. Wenn das Röhren aus den tiefen Kehlen der Dromedare durch die Wüste tönt, dann wissen die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, dass Hilfe naht. Die Truppe von Mbeirik Messoud ist gekommen, um für Sicherheit zu sorgen, um Kranke zu versorgen und Medikamente wie Antibiotika an Bedürftige zu geben.

Messoud wurde nicht etwa von der Uno geschickt oder einer NGO – er arbeitet im Auftrag des mauretanischen Staats und repräsentiert diesen in den abgelegensten Gegenden des Landes.

Mauretanien liegt am Rand der Sahelzone, also in einer Region, aus der es sonst wenig Gutes zu vermelden gibt. Ein Land nach dem anderen versinkt in Chaos und Gewalt, scheitert daran, den Vormarsch von Terrorgruppen wie al-Qaida und dem »Islamischen Staat« (IS) zu stoppen. Nur eben Mauretanien nicht. Und das liegt auch an der Staatsmacht auf Dromedaren, an Massouds Einheit. Afrikakorrespondent Fritz Schaap hat sie begleitet. Warum funktioniert das Modell?

Der Staat auf Paarhufern: Messouds Truppe hütet den fragilen Frieden

Der Staat auf Paarhufern: Messouds Truppe hütet den fragilen Frieden

Foto: Andy Spyra / DER SPIEGEL

Das Wichtigste sei, erklärte Messoud meinem Kollegen, dass die Dromedar-Reiter alle Männer der Wüste seien. Dass sie die gleichen Erfahrungen hätten wie die Menschen, denen sie helfen wollten. Nach gleicher Tradition ihr Brot im Sand backen, die Ziegen zum Ausbluten an die dornigen Bäume hängen, aus ihren Knochen den trockenen Tabak rauchen. »Wir rekrutieren nur Nomaden, sie kennen die Wüste, die Dromedare, sie begegnen den Menschen auf Augenhöhe.« Die Reportage können Sie hier lesen. 

Kopfsprung in die Seine

Mein Kollege Leo Klimm ist baden gegangen. In der Seine in Paris. Ein Fluss, der als ziemlich verschmutzt gilt, als Kloake. Entgegen aller Empfehlungen wagte er sogar einen Kopfsprung, was nicht etwa aufgrund von Felsen im Wasser ein solches Wagnis ist, sondern wegen der Fäkalbakterien. Bis vor Kurzem überstiegen die alle Grenzwerte.

Nun aber, pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele in der französischen Hauptstadt, ist der Fluss hellgrün und erfrischend, schreibt Leo. Und das ist auch gut so, denn die Seine ist der Star des Wettbewerbs. Er findet um den Fluss herum, auf und in ihm statt. Deswegen schwamm Leo dort auch nicht allein, sondern gemeinsam mit Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die einen Neoprenanzug mit der Aufschrift »Orca« trug und beim Auftauchen Nelson Mandela zitierte, begleitet durch Kameras von BBC und CNN.

»1,4 Milliarden Euro haben Stadt und Staat in die Seine-Sanierung investiert«, schreibt Leo. Ohne Olympia hätte es wohl weitere 15 Jahre gedauert, die Konzentration an Kolibakterien, Enterokokken und anderen Erregern in den Sommermonaten ausreichend zu senken. Fast scheiterte der ganze Plan noch, weil es in Paris seit dem Herbst ungewöhnlich viel regnete – was bedeutet, dass die Stadt geradezu überläuft; Abwasser und Regenwasser fließen zusammen und werden mitunter schließlich in den Fluss geleitet.

Bürgermeisterin Hildalgo nach dem Bad in der Seine: Die Stimmung war euphorisch

Bürgermeisterin Hildalgo nach dem Bad in der Seine: Die Stimmung war euphorisch

Foto: Abdul Saboor / REUTERS

In der Seine schwimmen zu können, soll eine bleibende Errungenschaft der Olympischen Spiele sein, eine neue Freiheit für die elf Millionen Pariserinnen und Pariser. Anderswo, an der Isar in München etwa, ist das Renaturieren längst geglückt und das Baden bereits eine Selbstverständlichkeit.

Leo sagt, er habe bisher jeden Sommer in Paris die Möglichkeit vermisst, im freien Wasser zu schwimmen – und nicht nur er: »Die Stimmung unter den etwa hundert Probebadern, die jetzt mit Hidalgo in die Seine steigen durften, war euphorisch. In diesem Fluss baden zu können, ist nach der fahrradfreundlichen Verkehrsberuhigung von Paris ein weiteres Stück zurückgewonnene Lebensqualität.« Seine Geschichte können Sie hier nachlesen. 

Mehr zum Thema

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Forscher holen seltene Erden aus alten Lampen
Recycling von rarem Rohstoff: Das Metall Europium ist ziemlich selten und wertvoll. Früher wurde es in Energiesparlampen verbaut, nun haben Forscher eine einfache Methode entwickelt, den Stoff zurückzugewinnen. Die Meldung können Sie hier lesen.

Betriebe leiden langfristig nicht unter Elternzeiten
Durch die Einführung des Elterngelds 2007 nahmen viele Eltern längere Auszeiten. Unternehmer hatten geklagt, es fehle dadurch an Arbeitskraft in den Betrieben. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Langfristig können Unternehmen die so entstandenen Lücken bei der Beschäftigung erfolgreich abfedern. Zu der Meldung geht es hier.

Elternzeit: Langfristig kein Problem für Unternehmen

Elternzeit: Langfristig kein Problem für Unternehmen

Foto: Vera Livchak / Moment / Getty Images

KI-Stimmen helfen beim Finden vermisster Kinder
Es ist ein Eltern-Albtraum: Der Strand ist rappelvoll, und plötzlich hat man das eigene Kind aus den Augen verloren. An der Adriaküste kommt in solchen Situationen jetzt künstliche Intelligenz zum Einsatz. Über am Strand aufgestellte Lautsprecher können akut vermisste Kinder inzwischen in weit mehr als hundert verschiedenen Sprachen und Dialekten ausgerufen werden, heißt es in Medienberichten, von natürlich klingenden KI-Stimmen. Grundlage dafür ist ein neues Computerprogramm.

Was gut ist – für Sie:

Es ist nie zu früh oder zu spät, um mit dem Muskeltraining zu beginnen
Bewegung ist wichtig, um gesund und in Form zu bleiben. Aber gezieltes Krafttraining ist doch nur was für Bodybuilder, oder? Weit gefehlt. Es gibt passende Übungen für alle Altersklassen. Wie Sie bis ins hohe Alter fit bleiben können, lesen Sie hier. 

Übungen für Selbstvertrauen, Konzentration und innere Ruhe
Schule, Eltern, Freizeitstress: Kinder stehen früh unter Druck. Das kann negative Folgen für die psychische und physische Gesundheit haben. Dieses einfache Mentaltraining für zu Hause kann davor schützen. 

Roadtrip über die Labrador-Halbinsel
An dieser Stelle noch ein Reisetipp: An Kanadas östlichem Rand liegt Battle Harbour. Der Inselort lebte mal vom Walfang, heute ist er ein Museumsdorf – mit Guides, die ihre Lebensgeschichten erzählen. Den Autor der Geschichte hat vor allem die Stille dort fasziniert, sie sei »ohrenbetäubend, irgendwann macht sie süchtig«. Wenn Sie mehr wissen möchten, können Sie hier nachlesen. 

Labrador-Halbinsel in Kanada: Stille, die irgendwann süchtig macht

Labrador-Halbinsel in Kanada: Stille, die irgendwann süchtig macht

Foto: Ole Helmhausen

Und sonst?

Genießen auch Sie hoffentlich etwas Freizeit in diesen Tagen. Vielleicht helfen Ihnen ja die Urlaubstipps, die Bundeskanzler Olaf Scholz im Interview mit der ARD am Mittwoch zum Besten gab: Er wünsche sich und allen anderen, »dass sie sich im Sommer einfach mal erholen« und »auch mal in die Sonne gucken« (bitte nur mit Sonnenbrille!). Er freue sich besonders auf Ruhe, Sport, die Landschaft, Bücher und viel Zeit mit seiner Frau.

Warum es nicht immer eine Fernreise und auch nicht die Mittelmeerküste sein muss und wie man sich auch beim einfachen Urlaub im Grünen gut erholen kann, das erfahren Sie in dieser Geschichte  aus unserem Archiv.

Mehr zum Thema

Haben Sie etwas Motivierendes oder Unterhaltsames erlebt? Schicken Sie uns gern per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de  Ihre ganz persönliche gute Nachricht aus der Woche – was ist Ihnen Gutes widerfahren, was haben Sie Schönes erlebt, gesehen, gehört? Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen.*

Haben Sie ein schönes Wochenende! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Ihre Nicola Abé, Team- und Projektleiterin des Projekts »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort des SPIEGEL

(*Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer – auf Wunsch anonymen – Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.