Ekrem Imamoglu, Bürgermeister Istanbul:
»Ich muss mit Bedauern feststellen, dass eine Handvoll Köpfe, die versuchen, den Willen unseres Volkes zu missbrauchen, meine geliebte Polizei als Werkzeug für dieses Übel benutzt haben. Die Sicherheitskräfte dieses Landes haben sie vor meinem Haus postiert. Vor der Tür meines Wohnsitzes, den ich mit sechzehn Millionen Istanbulern teile. Wir stehen einer großen Tyrannei gegenüber, aber ich möchte, dass Sie wissen, dass ich nicht aufgeben werde. Ich liebe Sie alle sehr.«
Diese Videobotschaft veröffentlichte der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu am frühen Mittwochmorgen. Kurz darauf wurde er festgenommen. Der Vorwurf: Führung einer kriminellen Organisation und Korruption.
Dilek İmamoğlu, Ehefrau:
»Darüber kann man nur lachen. Es ist unmöglich. Es kann nicht sein. Es ist einfach nur lächerlich. Es sind eine Menge falscher Informationen im Umlauf.«
Parallel dazu wurden 100 weitere Personen festgenommen und ein Demonstrationsverbot in Istanbul erlassen. Außerdem ist der Zugang zu bestimmten Websites, wie YouTube und X eingeschränkt.
İmamoğlu gilt als einer der wichtigsten Konkurrenten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2028. Am Sonntag sollte İmamoğlu offiziell zum Kandidaten der Oppositionspartei CHP ernannt werden. Erst im vergangenen Jahr wurde er als Bürgermeister der größten türkischen Stadt wiedergewählt.
Seine Verhaftung ist der neueste Höhepunkt der Repressalien gegen den Politiker: Am Dienstag erst hatte ihm die Universität in Istanbul seinen Abschluss aberkannt. Ein Hochschulabschluss ist in der Türkei Voraussetzung für das Präsidentenamt. In weiteren Verfahren drohen dem Politiker Haftstrafen und Politikverbote.