Mindestens 10.000 Menschen sind Dienstagnacht in Istanbul zu einer Kundgebung der Opposition auf die Straße gegangen.
Demonstrantin:
»Wir sind heute hier für unsere Freunde, die verhaftet wurden, für Ekrem İmamoğlu, um unser Recht zu verteidigen und um gegen alles, was geschieht, zu protestieren. Ich denke, unser Justizsystem ist zusammengebrochen und ich möchte, dass meine Stimme gehört wird.«
Vor 100 Tagen hatte die Polizei den wichtigsten politischen Rivalen von Präsident Erdoğan wegen des Vorwurfs der Korruption festgenommen. İmamoğlu weist die Anschuldigungen zurück.
Maximilian Popp, DER SPIEGEL:
»Nun, fast drei Monate später, sitzt er immer noch im Gefängnis. Wenn man hier mit den Menschen spricht, dann halten es die Allermeisten immer noch für eine sehr große Ungerechtigkeit, dass er inhaftiert ist. Aber die Menschen haben gleichzeitig andere, eigene Sorgen. Da ist die katastrophale Wirtschaftslage, die immer noch sehr hohe Inflation. Viele in Istanbul müssen einfach schauen, wie sie selbst finanziell über die Runden kommen. «
Die Festnahme des populären Oppositionspolitikers löste die größte Protestwelle in der Türkei seit den sogenannten Gezi-Protesten im Jahr 2013 aus. Wie lange die Demonstrationen weitergehen, ist derzeit nicht absehbar:
Maximilian Popp, DER SPIEGEL:
»Es gibt im Moment keine Anzeichen dafür, dass İmamoğlu bald aus dem Gefängnis freikommen könnte. In dem wesentlichen Verfahren gegen ihn liegt noch nicht einmal eine Anklageschrift vor. Seine Anwälte sagen, diese könnte im Herbst kommen. Dann wollen sie noch einmal neuen Druck ausüben auf die Behörden.«