Audi A4 Fertig zum Konter
Mittelklassemodelle sind die Sherpas der Autowelt. Sie bleiben stets dezent im Hintergrund, erledigen zuverlässig ihren Job, sind aber für den Erfolg des ganzen Unternehmens absolut unverzichtbar. Zum Beispiel bei Audi: Dort wird großes Bohei um Fahrzeuge wie den neuen TT oder den R8 gemacht, weil Sportwagen eben Imageträger sind und damit die Stars der Szene. Doch ohne den Mittelklassewagen A4 gäbe es beide nicht, denn das brave Auto für den ganz normalen Bausparer ist der wichtigste Umsatzbringer der Ingolstädter. Kein anderes Modell verkauft sich so gut wie der A4.
Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September stellt Audi den neuen A4 vor. Auch der ist kein Auto für wilde Träumereien oder kühne Assoziationen, doch er wird eine maßgebliche Rolle spielen in den Plänen von Audi-Chef Rupert Stadler, die Marke bis 2015 zum größten sogenannten Premium-Hersteller der Welt zu machen. Der Löwenanteil der zu diesem Zweck angepeilten 1,5 Millionen produzierten Autos pro Jahr wird nämlich auf den A4 entfallen. Und so lastet auf dem Neuen von Beginn an große Verantwortung.
Was zunächst auffällt bei einem Auto, ist das Design, und da gelingt dem A4 der Brückenschlag vom bisherigen Modell zu einer etwas moderneren Formensprache. Wichtigste Veränderung gegenüber dem Vorgänger: Die Vorderachse konnte, weil die Ingenieure die Plätze von Differenzial und Kupplung miteinander tauschten, um gut 15 Zentimeter nach vorne rücken. Sichtbar wird dies am sehr viel kürzeren vorderen Überhang des neuen Modells, also jenem Teil der Karosserie, der über das Vorderrad hinausragt. Und als Design-Faustregel gilt: Je kürzer der Überhang, desto sportlicher wirkt die Seitenansicht.
Ansonsten bedient sich die Karosserie der neuen Limousine aus jenem Vorrat an Formen, Flächen und Linien, den die Designer für das Coupé A5 angelegt haben, das im Frühling vorgestellt wurde. Dies bedeutet, dass die Motorhaube lang gestreckt wurde, die Dachlinie elegant abfällt und am Heck die nach innen spitz zulaufenden Rücklichter den Eindruck erwecken, das ganze Hinterteil des Viertürers ziehe sich kokett zusammen.
Fünf Motoren mit bis zu 265 PS im Angebot
In der Audi-Marketinglyrik wird der neue A4 als "sportlichste Limousine der Mittelklasse" gepriesen. Ob der Fronttriebler diesen Anspruch wirklich erfüllt, müssen Probefahrten erst unter Beweis stellen. Jedenfalls wird das Auto vom Start weg ambitioniert motorisiert, und zwar ausschließlich mit direkteinspritzenden Motoren. Verfügbar sind zunächst fünf Motorisierungen, zwei Benziner und drei Diesel, die ein Leistungsspektrum von 143 bis 265 PS abdecken. Sämtliche Aggregate, verspricht Audi, sollen weniger Kraftstoff verbrauchen als die jeweiligen Vorgängermotoren.
Der Antrieb erfolgt, je nach Variante, über ein Sechsgang-Schaltgetriebe, ein Automatikgetriebe oder die stufenlose Automatik von Audi (Multitronic). Zudem gibt es die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb. Manche Details zum Auto behält Audi bis zur Weltpremiere in Frankfurt noch für sich, doch klar ist bereits, dass serienmäßig sechs Airbags installiert sein werden und dass es drei Ausstattungslinien geben wird.
Außerdem kann der A4-Käufer seinen Wagen mit allerlei elektronischen Heinzelmännchen aufrüsten, etwa einer Einparkhilfe mit Rückfahrkamera, einem Spurhalteassistenten, der das Lenkrad vibrieren lässt, wenn der Wagen über Begrenzungslinien hinausfährt, oder einen Seitenassistenten, der per Lichtsignal im Außenspiegel warnt, wenn sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel befindet.
Ab Ende November sollen die ersten Modelle zu den Händlern kommen. Exakte Preise gibt es momentan noch nicht, aber immerhin soviel: "Der Grundpreis in Deutschland beträgt zirka 26.000 Euro", teilt Audi mit.
jüp